Digitalgipfel 2017

Telemedizin auf der Intensivstation

Angela Merkel (CDU) informierte sich am Dienstag auf dem Digitalgipfel über die Vernetzung im Gesundheitswesen. Telemedizin könne Leben retten, erklärt ihr Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin in Aachen.

Digitalgipfel 2017

Foto: BMWi/Maurice Weiss

Vorstellung der Exponate: Der Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin an der Uniklinik der RWTH Aachen, Gernot Marx, zeigt am Stand "Teleintensivmedizin – Gesundheit in der Gigabit-Gesellschaft" einen auf eine Glasfläche projizierten Bildschirm

Die Hilfe von zugeschalteten Experten könne die Sterblichkeit von Patienten mit einer Blutvergiftung (Sepsis) um mehr als 25 Prozent verringern.

In einer Live-Schaltung zeigt der Professor, wie die auf der Intensivstation in Jülich erfassten Patientendaten ausgewertet werden. "Pro Stunde fallen für einen Patienten 1.000 Daten an", erklärt Marx, der auch Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin ist. "Es ist unmöglich, das alles in einem Krankenhaus vor Ort im Blick zu haben." Mit dem System "Thalea" können Experten der Uniklinik in Aachen ihren Kollegen in anderen Krankenhäusern zur Seite stehen. "Wir sind über 24 Stunden jede Sekunde bei dem Patienten."

Zurzeit wird "Thalea" in einem Pilotprojekt erkundet. Wenn das System bundesweit ausgerollt werde, gebe es auch neue Möglichkeiten, um Therapien effizienter zu gestalten, sagt Marx. Bei jährlich mehr als zwei Millionen Patienten auf Intensivstationen gebe es Unmengen von anfallenden Daten, die gezielt und anonymisiert ausgewertet werden könnten. "Dann können wir etwa bei einer Blutvergiftung sagen, ob ein bestimmtes Medikament wirkt oder nicht", sagt Marx im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Aber dafür brauchen wir eine klare gesetzliche Grundlage."

Die Entwicklung solcher Big-Data-Anwendungen stößt auf Datenschutzbedenken, auch wenn die Daten anonymisiert ausgewertet werden. "Es wird eine Fülle neuer ethischer Fragen geben, die sich erst jetzt durch die Qualität der Digitalisierung ergeben", sagt die Geschäftsführerin der Initiative D21, Lena-Sophie Müller. Angesichts zunehmender Interaktionen zwischen Mensch und Maschine sei eine Debatte nötig, "wie wir das als Gesellschaft gestalten wollen". Als Beispiel nennt sie Assistenzroboter in Pflegeheimen.

Eine Hilfe für Demenzpatienten hat das Start-up "Spur" entwickelt. Mit Hilfe von Bewegungssensoren und anderen Techniken kann dieses System anzeigen, wenn der Mensch stürzt oder das Haus verlässt. Es lässt sich in die Kleidung integrieren - solche "smart wearables" liegen im Trend. "Software und Design sind weitgehend fertig, jetzt brauchen wir Unterstützung für Produktion und Vermarktung, sagt die Gründerin Julia Dankwerth, die an der Bauhaus-Universität in Weimar an ihrer Doktorarbeit schreibt.

Auch Bewohner auf dem Land können mit den Möglichkeiten der Telemedizin auf hohem Niveau versorgt werden. "Die Menschen brauchen keine Angst zu haben, dass sie auf dem Land keinen Arzt bekommen", sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, als sie sich vor der Kanzlerin die Präsentationen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen anschaut.

Die Chancen der Digitalisierung können nur genutzt werden, wenn überall das schnelle Netz für die Verbreitung der Daten verfügbar ist. Nicht nur auf die Bandbreite kommt es dabei an, also auf die Menge der übertragenen Daten je Sekunde. Nötig sei der Aufbau intelligenter Netze mit schnellen Reaktionszeiten, sagt Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Bund werde 20 Milliarden Euro bereitstellen, um bis 2023 den Aufbau von Gigabit-Netzen zu unterstützen.

Dabei wäre man gerade auf dem Land froh, die bis 2018 versprochenen Anschlüsse mit einer Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunde zu bekommen. Zurzeit werde dieser Ausbau im ganzen Bundesgebiet vorangetrieben, sagt die rheinland-pfälzische Staatssekretärin Heike Raab (SPD). "Wir geben Druck in die Pipeline und versuchen, das Ziel zu erreichen."

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