Nach den Vorgaben des staatlichen Gesundheitssystems NHS müssen Patienten beispielsweise bei Knie- oder Hüftoperationen spätestens 18 Wochen nach der Überweisung durch ihren Hausarzt im Krankenhaus behandelt werden. Viele Häuser würden diese Frist ausnutzen, obwohl eine schnellere Behandlung möglich wäre, heißt es nun in dem Bericht der amtlich eingesetzten Kommission. Ein Teil der Patienten würde dann keine Behandlung mehr benötigen, weil sie entweder gestorben seien oder sich einer privaten Behandlung unterziehen.
Das schuldengeplagte Großbritannien muss im staatlichen Gesundheitssystem in den nächsten vier Jahren 20 Milliarden Pfund (rund 22,8 Milliarden Euro) sparen. Daher stehen viele Krankenhausmanager unter enormem Druck. Ein Sprecher der Krankenhäuser kritisierte die Studie. Sie würde unnötigerweise öffentliche Angst schüren und beweise nicht, dass durch längere Wartelisten Patienten sterben.
Der britische Gesundheitsminister Andrew Lansley warf den Krankenhäusern vor, die gesetzlichen Vorgaben auszunutzen. Die Zahlen würden den dringenden Reformbedarf des Gesundheitssystems zeigen. Eine Sprecherin der Patientenvereinigung sprach von einer "zynischen Beeinflussung von Menschenleben". Die Autoren der Studie kritisierten, dass mit der Verzögerungspraxis der Krankenhäuser langfristig kein Geld gespart werde - sondern später oftmals schwierigere und teurere Behandlungen nötig seien.
Erst am Donnerstag hatte der "Independent" berichtet, dass in den britischen Krankenhäusern aus Kostengründen die Zahl der Operationen deutlich zurückgeschraubt wird. Gelenkersatz wird demnach nur noch bei chronischen Schmerzen gewährt. Übergewichtige Patienten werden nur operiert, wenn sie vorher abgenommen haben. Der sogenannte Graue Star wird nur noch operativ bekämpft, wenn die Patienten so schlecht sehen, dass ihre Arbeitsfähigkeit massiv beeinträchtigt ist.


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