Finanzsituation Krankenhäuser

Nur leichte Entspannung

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Deutschland hat sich 2015 laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger leicht verbessert. Allerdings schreiben 30 Prozent der Häuser weiterhin rote Zahlen.

Illustration: kma

Für das laufende Geschäftsjahr 2016 würden viele Krankenhäuser sogar mit einer deutlichen Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage rechnen, schreiben die Autoren der „Krankenhausstudie 2016.“ Die Experten von Roland Berger haben für die Studie Vorstände und Geschäftsführer der 400 größten deutschen Krankenhäuser befragt.

Mittelfristig gehen danach mehr als 70 Prozent der befragten Krankenhäuser von einer Eintrübung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus. "Der wirtschaftliche Druck auf die Kliniken wird trotz der jüngsten Krankenhausreform in den nächsten Jahren anhalten", so Peter Magunia, Leiter der Roland Berger Healthcare Practice. Die angespannte wirtschaftliche Situation und stagnierende Fördermittel würden außerdem dazu führen, dass die Investitionsfähigkeit vieler Krankenhäuser eingeschränkt bleibe. Etwa die Hälfte aller Krankenhäuser investiere daher nicht in ausreichendem Maße.

Restrukturierung bleibt ein Dauerbrenner

70 Prozent der von Roland Berger befragten Krankenhausmanager geben an, dass sie sich aktuell in einer Restrukturierungsphase befinden. Mehr als 75 Prozent wollen ihre Restrukturierungsbemühungen mit hoher Intensität weiterführen. Im Vordergrund stehen dabei in den nächsten Jahren klassische Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung im Bereich der stationären Erlöse und der medizinischen Sachkosten. „Es wird spannend zu beobachten, ob sich Krankenhäuser weiterhin auf höhere stationäre Erlöse konzentrieren werden, wenn ab 2017 der Fixkostendegressionsabschlag eingeführt wird. Denn der Abschlag macht es für die Kliniken deutlich unattraktiver schnell zu wachsen", sagte Magunia.

Weitere Herausforderungen sehen die Befragten im Finden einer ausgewogenen Balance zwischen Medizin und Ökonomie (69%) sowie im Überwinden von Widerständen auf Seiten der Mitarbeiter (71%). Entsprechend sehen 96 Prozent der Befragten auch die Unterstützung durch Führungskräfte und Mitarbeiter als die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Restrukturierung. 89 Prozent halten eine klare und transparente Kommunikation für wichtig und 69 Prozent die Unterstützung durch Träger und Aufsichtsrat.

Potenzial der Digitalisierung noch nicht ausgeschöpft

Die zunehmende Digitalisierung der stationären Versorgung sehen die Befragten als wichtigen und erfolgversprechenden Trend. Entsprechend haben bereits 79 Prozent in ihren Restrukturierungsinitiativen auch Maßnahmen zu diesem Thema berücksichtigt. Allerdings hapert es auch hier bisher an der Umsetzung. Nur 17 Prozent der befragten Krankenhäuser profitieren bisher auch wirtschaftlich klar von Digitalisierungsmaßnahmen. "Viele Krankenhäuser schaffen es bisher nicht, die Digitalisierung für sich wirtschaftlich nutzbar zu machen", sagt Peter Magunia. "Das könnte auch am eher klassischen Verständnis der Krankenhausmanager von Digitalisierung liegen." Bisher kommt Digitalisierung vor allem zur Optimierung interner und externer Informationsflüsse zum Einsatz; das Potenzial der Digitalisierung zur tiefgreifenden Optimierung der Krankenhausprozesse wird dagegen noch nicht genutzt.

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