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Verbesserte VersorgungsqualitätEugen Münch-Preis 2021 für Innovationen verliehen

In diesem Jahr ging der Eugen Münch-Preis für innovative Gesundheitsversorgung an drei Gewinner. Christian Aljoscha Lukas, Georgios Kaissis und Abdul Rahman Itani wurden mit dem Preis ausgezeichnet.  

Preisverleihung
Pauchi/stock.adobe.com

Symbolfoto

Mit dem Eugen Münch-Preis für innovative Gesundheitsversorgung wurden am 24. November 2021 drei Gewinner ausgezeichnet. Christian Aljoscha Lukas erhielt den Preis der Kategorie praktische Anwendung für die Entwicklung der App „mentalis“, die eine lückenlose Nachsorge von Patienten mit psychischen Erkrankungen nach einem Klinikaufenthalt ermöglicht. In der Kategorie Wissenschaft wurde Georgios Kaissis geehrt, der mit „PriMIA“ ein neuartiges System zum Privatsphäre wahrenden Training von KI-Algorithmen an medizinischen Bilddaten entwickelt und evaluiert hat. Der Sonderpreis ging in diesem Jahr an Abdul Rahman Itani, der neben seiner Berufstätigkeit als Pflegefachkraft ein Konzept zur Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung entwickelte.

Kategorie praktische Anwendung

Mit seinem Programm „mentalis“  bietet Dr. Christian Aljoscha Lukas digitale Nachsorge für psychisch kranke Menschen nach einem Klinikaufenthalt. Seine Forschungsergebnisse an der FAU Erlangen-Nürnberg verwendete er zur Entwicklung des Programms, durch welches Patienten kurz vor Entlassung aus der Klinik an eine nahtlose, digitale Nachsorge angebunden werden. Durch einen Algorithmus und individuelle Tele-Coachings werden die in der Klinik erarbeiteten Therapieerfolge stabilisiert und Patienten in vulnerablen Situationen unterstützt. Patienten mit Weiterbehandlungsbedarf werden identifiziert und bei der Inanspruchnahme von Therapien in der Regelversorgung unterstützt. Lukas Programm „mentalis“ schließt somit eine Versorgungslücke und trägt dazu bei, die hohen Rehospitalisierungsraten zu reduzieren und chronische Krankheitsverläufe zu verhindern.

Kategorie Wissenschaft

In Dr. Georgios Kaissis System „PriMIA“ (privacy-preserving medical imaging analysis) werden KI-Algorithmen dezentral trainiert. Die Daten verlassen nicht den Eigentümer, sondern die Algorithmen werden zu den Daten geschickt und lokal trainiert („federated learning“). Das Verfahren wurde an Röntgenbildern pädiatrischer Patienten trainiert und an zwei externen Datensätzen gegen Fachärzte für Radiologie und Kinderradiologen getestet. Selbst unter den striktesten Privatsphären- und Sicherheitsgarantien war die vom Algorithmus erbrachte Genauigkeit auf einer Ebene mit menschlichen Experten. Das System stellt das Team um Kaissis kostenlos und open-source zur Verwendung.

Sonderpreis

Der Sonderpreis ging an Abdul Rahman Itani, welcher sich mit Problematiken der stationären Versorgung im Terminalstadium auseinandersetzt. Der 25-jährige Pflegefachmann hat nach seiner Ausbildung in mehreren Kliniken sterbende Menschen begleitet. Um ihre Versorgung zu verbessern, entwickelte er Konzept für einen interdisziplinären und multiprofessionellen palliativmedizinischen Konsiliardienst. Seine Arbeit befasst sich nicht nur mit einem Thema von hoher Bedeutung. Sie zeigt auch, über welche hohen fachlichen Kompetenzen Pflegefachpersonen verfügen und für eine Verbesserung der Patientenversorgung anwenden können.

Einsatz moderner Technologien

Boris Augurzky, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Münch, betonte, dass alle eingegangenen Bewerbungen das Potential der Digitalisierung erkannt hätten. Die ausgezeichneten Arbeiten nutzten moderne Technologien und setzten diese für eine Verbesserung der Versorgungsqualität ein. Ein Preisgeld von jeweils 20 000 Euro bekamen die Gewinner der Kategorien praktische Anwendung und Wissenschaft. Zudem erhielten alle Gewinner einen Film, der ihre Arbeit vorstellt.

Auch in diesem Jahr wurden die Gewinner unter mehr als 100 Einsendungen von der Jury ausgewählt, in der folgende Mitglieder saßen:

  • Daniel Bahr (Mitglied des Vorstands der Allianz Private Krankenversicherungs-AG)
  • Fraua Ferlemann (Redakteurin BR, Wissen und Bildung aktuell)
  • Marion Haubitz (Direktorin der Medizinischen Klinik III am Klinikum Fulda)
  • Helmut Schönenberger (Geschäftsführer Unternehmer TUM)
  • Ilona Köster-Steinebach (Geschäftsführerin Aktions- bündnis Patientensicherheit)
  • Leonie Sundmacher (Inhaberin des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften an der Technischen Universität München)
  • Staatssekretär Andreas Westerfellhaus (Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung)

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