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Digital Change Managerin der Unimedizin Essen

„Wir brauchen dringend qualifizierte Informatiker“

Wo werden wir mittelfristig die größten Veränderungen sehen?

Ein Fokus liegt auf der Optimierung von Abläufen und der Effizienzsteigerung zur Entlastung des Personals. So führte beispielsweise die Einführung von Robotik in der Arzneimittelherstellung unserer Krankenhausapotheke zur deutlichen Arbeitsentlastung bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität. Diese Entlastung bringt mehr Zeit für Patienten, für Gespräche, für Pflege – für Dinge eben, die nicht durch Digitalisierung ersetzt werden können und auch nicht ersetzt werden sollen.

Weitere Beispiele sind automatisierte Befundungen in der Radiologie oder der Pathologie, wo dann die Befunde durch die Mitarbeiter nur noch kontrolliert und freigegeben werden müssen.

Wie werden sich diese Veränderungen auf die Patienten auswirken?

Patienten sind heute viel besser informiert – schon bevor sie überhaupt ins Krankenhaus kommen. Patienten wählen ihr Krankenhaus aktiv aus und informieren sich über Behandlungsmöglichkeiten und Qualitätsmerkmale. Gleichzeitig wächst der Anspruch an eine ‚Smart ­Hospitality‘, also intelligente Lösungen zur Verbesserung der Unterbringung und des Komforts, ähnlich wie etwa in der Reisebranche: Wenn ich beispielsweise heute einen Flug buche, dann buche ich meine Mahlzeiten im Voraus – über unser Patientenportal wird es solche Möglichkeiten künftig auch geben.

Stehen auf Ihrer ‚To-do-Liste‘ auch sektoren­übergreifende Projekte?

Wir setzen auf durchgängig digitale Prozesse, die nicht durch die Mauern eines Krankenhauses begrenzt sind. Letztlich müssen Patienten und ihre Krankengeschichte im Vordergrund stehen. Wichtige Voraussetzungen dafür sind einheitliche Standards, die durchgängige Prozesse erst möglich machen. Wir dürfen nicht länger in Einzelsystemen und Sektoren denken, sondern in Netzwerken und Allianzen – der Netzwerkgedanke entspricht schließlich auch viel mehr dem, was wir zunehmend im Alltag erleben.

Welche Faktoren behindern bzw. begünstigen in besonderem Maße den digitalen Wandel im Krankenhaus?

Unsere Gesundheit und der Schutz unserer persönlichen Gesundheitsdaten sind ein hohes Gut – und genießen einen besonderen Schutz. Man kann nicht einfach drauf los testen und einführen. Mögliche Konsequenzen müssen akribisch abgewogen werden. Haben sich alle Teilnehmer am Versorgungsprozess dann auf die Einführung eines neuen Systems geeinigt, dauern die Beschaffung der Hardware, die Konfiguration der Systeme und die Schulung der Mitarbeiter oft so lange, dass am Ende die nächste Version bereits im Umlauf ist. Auch binden solche Investitionen bei einem Konzern unserer Größe beachtliche Mittel.

Warum eine Medizinerin als Digital-Change-Managerin und nicht ein IT-Manager als CIO? Was wollen Sie vielleicht anders machen?

Ohne unseren hervorragenden IT-Leiter wäre meine Arbeit hier unmöglich. Mit ihm arbeite ich sehr eng zusammen, auch wenn sein Ansatz ein völlig anderer ist: Er betrachtet in erster Linie die technischen IT-Prozesse, bei mir ist der Fokus auf der klinischen Umsetzung. Das ergänzt sich hervorragend. Nach 15 Jahren ärztlicher Tätigkeit in verschiedenen Abteilungen habe ich ein tiefes Verständnis dafür, wie ein Krankenhaus funktioniert. Konfrontiert mit immer schnelleren Innovationszyklen ist es mein Job zu beurteilen, welche dieser Entwicklungen medizinisch die gewollte Transformation unterstützt. 

Dieser Artikel wird in der nächsten Ausgabe der kma Klinik Management aktuell erscheinen. 

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