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Klinikum StuttgartKI-basiertes System zur Hochpräzisionsbestrahlung

Das Klinikum Stuttgart hat als erstes Krankenhaus Deutschlands ein KI-basiertes System zur Hochpräzisionsbestrahlung bösartiger Tumore in Betrieb genommen. Es wird vor allem für die adaptive Strahlentherapie eingesetzt.

Ethos System
Silicya Roth/Klinikum Stuttgart

Ein Team aus Radioonkologen, Medizinphysikern und Medizinisch-technischen Assistent*innen behandelt die Patienten mithilfe des Ethos Systems gemeinsam.

Das Klinikum Stuttgart hat als erstes Krankenhaus in Deutschland das modernste Gerät zur Hochpräzisionsbestrahlung bösartiger Tumoren in Betrieb genommen. Das Ethos System der Firma Varian ist Bestrahlungsgerät, Bestrahlungsplanungssystem und Computertomograph (CT) in einem.

Möglichst hohe Wirksamkeit mit möglichst wenig Nebenwirkungen

Es ist ein Bestrahlungsgerät der neusten Generation und wird vor allem für die modernste Form der intensitätsmodulierten (VMAT) und bildgeführten Strahlentherapie (IGRT), die adaptive Strahlentherapie (Adaptive Radiation Therapy, ART)  eingesetzt. Das System ermöglicht einen für den Patienten stark verbesserten Ablauf der Behandlung, indem das Volumen der Bestrahlung täglich neu, hochpräzise und individuell auf die jeweils aktuelle Situation des Patienten abgestimmt und ein optimaler Bestrahlungsplan errechnet wird. Mit der adaptiven Strahlentherapie kann der Radioonkologe den Tumor noch exakter behandeln, gleichzeitig die Dosis im umliegenden Normalgewebe reduzieren und damit die Heilungsrate weiter verbessern.

Ziel der Therapie sei die höchst mögliche Wirksamkeit kombiniert mit möglichst wenigen Nebenwirkungen. Die adaptive Strahlentherapie leiste dazu einen enormen Beitrag, erklärt Prof. Jan Steffen Jürgensen, medizinischer Vorstand des Klinikums Stuttgart. In interdisziplinären Tumorkonferenzen des Stuttgart Cancer Center (SCC) – Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl im Klinikum Stuttgart wird die Therapie von Krebspatienten auf die jeweiligen Bedürfnisse des Patienten hin optimiert.

Die adaptive Strahlentherapie wird beispielsweise in der Behandlung von gynäkologischen Tumoren sowie beim Bronchialkarzinom und beim Prostatakarzinom angewendet. Zudem wird wissenschaftlich gemeinsam mit führenden Zentren weltweit untersucht, welche weiteren Tumorerkrankungen von der ART profitieren. Häufig erfolgt die radioonkologische Bestrahlung ergänzend zu chirurgischen Eingriffen. Mit der hohen Wirksamkeit und Präzision kommt diese Form der Therapie mit hoch komplexer Hard- und Softwaresysteme aber auch als alleinige Heilung in Frage.

Täglich bis zu 40 Patienten

Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) werden bei jeder einzelnen Bestrahlungssitzung die relevanten Organe erkannt und ein exakt auf den Patienten abgestimmter Bestrahlungsplan errechnet. Dadurch wird die Medizin in der Radioonkologie für die Patienten am Klinikum Stuttgart noch stärker personalisiert und individuell angepasst.

Das neue Gerät, mit dem zukünftig täglich bis zu 40 Patienten behandelt werden können, wiegt allein ca. 5 Tonnen. Die  notwendige IT-Infrastruktur im Rechenzentrum des Klinikums ist extrem leistungsfähig und ermöglicht somit erst die Anwendung von Methoden der KI durch diese Gesamtinvestition von mehr als 4 Millionen Euro.

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