Georg Thieme Verlag KG

SuchtEin Kraut gegen die Nikotinsucht

Wer auf Tabak verzichtet und stattdessen die Blätter von Haselnuss-Sträuchern, Papaya- und Eukalyptusbäumen raucht, kann seine Nikotinsucht besiegen. Das sagen zumindest die Hersteller von Entwöhnungszigaretten aus Kräutern.

Für Raucher, die mit dem festen Vorsatz ins Neue Jahr starten, ihre Sucht nun endlich zu besiegen, mag sie vielversprechend klingen: die Kräuterzigarettenmethode. Bekannt geworden ist dieser Weg der Tabakentwöhnung durch Christine Engelbrecht. Die deutsche Songwriterin, die selbst zwölf Jahre lang geraucht hat, versuchte lange vergebens, vom Nikotin loszukommen. Vor acht Jahren hat sie es geschafft - mithilfe von Kräuterzigaretten. Ihren persönlichen Weg zum Erfolg schrieb sie vor sechs Jahren auf, den Text veröffentlichte sie im Internet. Wenig später erschien ihr Buch "Leben ohne Nikotin". Blätter von Haselnusssträuchern.

Das Prinzip der Methode ist einfach: Anstatt sich gewöhnliche Zigaretten anzuzünden, greift der Raucher ausschließlich zu Glimmstängeln aus nikotinfreien Kräutermischungen - zum Beispiel getrocknete Blätter von Haselnusssträuchern, Papaya- oder Eukalyptusbäumen. In deutschen Apotheken gibt es vom französischen Unternehmen Arkopharma fertig gedrehte Zigaretten unter dem Namen NTB Kräuterretten zu kaufen. Eine Packung kostet zwischen 7 und 10 Euro. In loser Form vertreibt die Firma Zentauri im saarländischen Völklingen unterschiedliche nikotinfreie Kräutermischungen. Zum Entwöhnen empfiehlt Christine Engelbrecht auch Mixturen aus dem eigenen Kräutergarten. Huflattich, Lavendel, Thymian, Pfefferminze und Rosenblätter hält sie für besonders geeignet. "Die Kräuterzigarettenmethode ist ein äußerst effektives psychologisches Trainingsprogramm", schreibt die Autorin. Besonders geeignet sei sie für starke Raucher.

Ohne die süchtig machenden Substanz Nikotin zu sich zu nehmen, könnten sie mit dem Rauchen erlernte Verhaltensweisen beibehalten - wie beispielsweise die Zigarette nach dem Essen oder zum Bier in der Kneipe. Unter Experten umstritten Ob Kräuterzigaretten tatsächlich ein erfolgreiches Instrument zur Tabakentwöhnung sind, ist unter Experten allerdings umstritten. Beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg stoßen die Ersatzglimmstängel auf Ablehnung. "Kräuterzigaretten enthalten ebenso wie Tabak Krebs erregende Substanzen", sagt Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im DKFZ. Denn auch beim Verbrennen von Kräutern entstünden chemische Stoffe wie Formaldehyd oder Cyanwasserstoff, die dem Körper schadeten. In diesem gesundheitlichen Risiko sieht Christine Engelbrecht jedoch das kleinere Übel. Ihre Methode geht davon aus, dass Kräuterzigaretten ohne Nikotin nicht abhängig machen und nur ein vorübergehendes Hilfsmittel sind - in der Regel für vier bis sechs Monate.

"Früher oder später vergisst der Raucher immer öfter, zur Kräuterzigarette zu greifen", berichtet die Autorin aus eigener Erfahrung. Womöglich enthalten aber auch die von ihr empfohlenen Kräuter Substanzen, die süchtig machen können. "Wir wissen heute, dass nicht nur Nikotin, sondern auch andere im Tabak enthaltene Stoffe bestimmte Hirnareale stimulieren und einen Raucher auf diese Weise abhängig machen", sagt Hans Rommelspacher, Leiter der klinischen Forschergruppe zur Neurobiologie der Abhängigkeit an der Berliner Charité.

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