Startjahr

Barmer erwartet Zusatzbeiträge für alle

Nach dem Start des Gesundheitsfonds drohen allen Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen längerfristig Zusatzbeiträge.

Dies sagte der Vorsitzende der Barmer Ersatzkasse, Johannes Vöcking, am Freitag im Sender WDR 5. Die Verbraucherzentralen erwarten erste Aufschläge ab der Jahresmitte und sehen zugleich chronisch Kranke im Vorteil durch den Fonds. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verteidigte die Umwälzungen. Längerfristig schloss sie eine Anhebung des seit Jahresanfang geltenden Beitragssatzes von 15,5 Prozent nicht aus. Krankenversicherte müssen nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung für 298 weitere Medikamenten keine Zuzahlung mehr leisten.

Vöcking sagte, nach dem Startjahr des Fonds würden Kostensteigerungen im Volumen von rund acht Milliarden Euro "nur auf die Versicherten zukommen". Er gehe davon aus, dass "auf absehbare Zeit" alle Kassen Zusatzbeiträge erheben. Vöcking begründete das mit weiterem Ausgabenwachstum etwa durch den medizinischen Fortschritt. Der Gesundheitsfonds müsse die Kosten dann zunächst nicht mehr komplett abdecken, sondern nur noch zu 95 Prozent, erläuterte der Barmer-Chef. "Einstweilen" sei der Beitragssatz aber noch sicher.

Schmidt sagte im Deutschlandradio Kultur, die Kassen wüssten nun, wieviel Geld sie das ganze Jahr über zur Verfügung haben und könnten entsprechend besser planen. Längerfristig sind ihren Worten zufolge Beitragsanhebungen möglich. "Niemand sagt doch, dass bis zu 2020 oder wann die Beiträge nicht steigen." Das Ziel der Bundesregierung sei es aber, durch hohe Beschäftigung und normale Einkommenszuwächse die Beiträge stabil zu halten. Angesichts der teils scharfen Kritik am Fonds demonstrierte sie Gelassenheit: "Ich habe das erwartet, denn im Gesundheitswesen können Sie keine Reform machen, ohne dass alle die Katastrophe herbei beschwören."

Der Gesundheitsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, Stefan Etgeton, erläuterte im RBB-Inforadio, warum es bereits 2009 Zusatzbeiträge zulasten der Versicherten geben werde: Der Einheitssatz decke nur den Durchschnitt der Gesamtausgaben. "Da wird es einige geben, die darüber liegen und einige, die darunter sind." Kommt eine Kasse mit dem Geld aus dem Fonds nicht aus, kann sie Zusatzbeiträge bis zu einem Prozent des Einkommens ihrer Mitglieder erheben.

Der Vorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Rolf Hoberg, sagte im SWR eine "starke Fusionswelle" der Krankenkassen voraus. Das werde vor allem Betriebskrankenkassen betreffen.

Nach Darstellung von Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe machen Krankenkassen zunehmend Druck auf Ärzte, nur noch bestimmte Diagnosen zu stellen. Der Grund sei, dass die Kassen für 80 definierte Krankheiten deutlich mehr Geld aus dem Fonds bekämen, sagte Hoppe im Gespräch mit bild.de. "Da wird sogar mit Geld gewunken. Wir haben Angst, dass Ärzte korrumpierbar werden."

Der jüngste Wegfall der Zuzahlungen für 298 Medikamenten betreffe unter anderem Mittel gegen Bluthochdruck, Magenprobleme, hohe Cholesterinwerte und Medikamente für Diabetiker, berichtet "Bild" unter Berufung auf Firmenkreise. Dadurch könnten die Patienten bis zu zehn Euro pro Packung sparen. Grund seien zum Teil erhebliche Preissenkungen der Hersteller. Bundesweit sind derzeit knapp 11 000 Präparate von der Zuzahlung befreit.

Patienten müssen im neuen Jahr damit rechnen, andere verschreibungspflichtige Arzneimittel in der Apotheke zu erhalten als bislang. Darauf macht der Deutsche Apothekerverband (DAV) aufmerksam. Grund sei, dass Rabattverträge für bestimmte Wirkstoffe auslaufen oder neu in Kraft treten. Apotheker müssen dann in der Regel zu den günstigeren Mitteln mit den identischen Wirkstoffen greifen.

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