Bei der Abstimmung an diesem Dienstag bangt die Partei von US-Präsident Barack Obama um ihre Mehrheit von 60 zu 40 Stimmen im Senat, die unter anderem nötig ist, um die Gesundheitsreform durchzubringen. Erwartet wird ein Kopf- an-Kopf-Rennen zwischen der demokratischen Kandidatin Martha Coakley und dem Republikaner Scott Brown. Gewinnt Brown, ginge der Senatorensitz des traditionell demokratischen Bundesstaates erstmals nach 56 Jahren aus der Kennedy-Familie in die Hände eines Republikaners über.
"Hier in Massachusetts entscheidet sich, ob wir vorwärts oder rückwärts gehen", erklärte Obama am Sonntag (Ortszeit) auf einer Wahlkampfveranstaltung an der Northeastern Universität in Boston. In letzter Minute versuchte der Präsident dort, das Ruder für die Kandidatin seiner Partei herumzureißen.
Denn pünktlich zum Jahrestag von Obamas Amtsübernahme am Mittwoch entscheidet sich in Massachusetts, wer in Amerika den erbitterten Kampf um die von ihm angestoßene Gesundheitsreform gewinnt. Obamas Parteifreundin Coakley hatte noch vor wenigen Monaten deutlich die Nase vorn. Die etablierte Generalstaatsanwältin, die Obamas politisches Kernanliegen unterstützt, führte ursprünglich mit 30 Prozentpunkten vor ihrem Rivalen, dem konservativen Scott Brown. Doch der bis dahin weitgehend unbekannte Republikaner zog mit seiner Ablehnung der Reform viele Wählerstimmen auf seine Seite.
Setzt Brown sich durch, hätten die Demokraten nicht mehr die 60 Stimmen, mit denen sie Dauerblockaden der Opposition abwehren können. Ein Sieg des Konservativen wäre für die Demokraten auch ein verheerendes Signal für die im November anstehenden Kongresswahlen. Für die Republikaner wiederum wäre Browns Wahlsieg eine Sensation. Der Senatorensitz des nordöstlichen Bundesstaats wird seit 56 Jahren von einem Demokraten besetzt. Nach dem späteren Präsidenten John F. Kennedy hatte sein Bruder Edward (Ted) Kennedy den Sitz übernommen. Ted Kennedy, ein vehementer Verfechter der Gesundheitsreform, war im August vergangenen Jahres an den Folgen eines Hirntumors verstorben.
Neben Obama haben sich auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und der Demokrat John Kerry, der den zweiten Senatorensitz von Massachusetts belegt, für ihre Kandidatin stark gemacht. Letzte Umfragen am Montag gingen nach Berichten amerikanischer Medien von einem knappen Sieg der Demokratin Coakley aus. Den relativierte der Chef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, am Sonntag im TV-Sender Fox News. "Ungeachtet des Ergebnisses am Dienstag wissen wir, dass die Wahl in Amerikas liberalstem Bundesstaat knapp wird, weil die Menschen in Massachusetts gegen die Gesundheitsreform sind", sagte er.


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