Contra Outsourcing

Lean Management statt Fremdvergabe

Im Zuge schärferer Qualitätskontrollen konzentrieren sich deutsche Kliniken zunehmend auf das Kerngeschäft. Um Kosten zu senken, überlassen Klinikmanager die scheinbar weniger wichtigen Aufgaben daher gerne externen Dienstleisten. Nicht immer mit dem gewünschten Ergebnis, warnt der Geschäftsführer des Klinikums Ingolstadt.

Klinikum Ingolstadt

Heribert Fastenmeier ist Geschäftsführer der Klinikum Ingolstadt GmbH und seit dem Jahr 2003 Geschäftsleiter des Krankenhauszweckverbandes Ingolstadt.

Betrachtet man die Kliniklandschaft und auch die Gegebenheiten in vielen Kommunen und öffentlichen Einrichtungen, so stellt man sehr schnell fest, dass Gewerke wie die Reinigung, das Facility Management oder die Fuhrparkbewirtschaftung bereits seit Jahren an Dienstleister zur Aufgabenerledigung übertragen sind. Üblicherweise sehen auch viele Klinikverantwortliche das Outsourcing als strategische Lösung an, wenn die Analyse der innerbetrieblichen Kostenstruktur ergibt, dass sich die Leistungserbringung mit eigenen Mitarbeitern im eigenen Hause nicht mehr rechnet – das heißt, nicht mehr mit den marktkonformen Preisen einhergeht, sondern auch getrieben durch hohe Personalkosten weit darüber liegt.

Kontrollverlust birgt Risiken
In Kliniken werden deshalb typischerweise Bereiche wie die Hausreinigung, Zentralsterilisation, Küche, Ver- und Entsorgung, Hol- und Bringedienst, Schreibdienst, Technik außerhalb der eigentlichen medizinischen und pflegerischen Tätigkeit wie zum Beispiel auch die Servicetätigkeiten auf den Stationen als Dienstleistung von Dritten bezogen. Auf den ersten Blick handelt es sich hier um Tätigkeiten, die die eigentliche Expertise des Hauses nicht berühren und von denen man denkt, dass die eigene Erledigung keinen Mehrwert für das Haus generiert. Genau an diesem Punkt bin ich anderer Meinung. Die Aufgabenverlagerung nach außerhalb hat zum Nachteil, dass die Dienstleister ebenfalls einem Kostendruck unterliegen und ihre Dienstleistung nach eigenen Standards anbieten, ohne die individuellen Gegebenheiten des Hauses zu berücksichtigen. Selbstverständlich wird man sich einen gewissen Standard an Qualität in der Erledigung der Dienstleistung vertraglich zusichern lassen. Dennoch erliegt man hier einem gewissen Kontrollverlust, da man durch die Verlagerung an Dritte nicht mehr im direkten Zugriff auf die Art und Güte der Arbeitserledigung ist. In gewissem Sinne ist man abhängig von dem Dienstleister – etwa, dass dieser seine Prozesse und seine Qualitätsanforderung täglich erfüllt und sein Personal entsprechend auswählt, ausbildet und unterweist. Sollte es nun doch zu Qualitätseinbußen kommen, so kann man auch in der Außenwirkung nicht darauf verweisen, dass man als Klinik nicht selber für den Sterilisationsprozess oder für die Reinigung zuständig ist, sondern dies verlagert hat. Diese Verantwortungsexkulpation mag zwar rechtlich möglich sein, aber im Blickfeld der Öffentlichkeit und der Patientenbeurteilung steht man als Klinik weiterhin für die Ergebnisqualität ein. Daher glaube ich, dass ein guter Weg darin besteht, die eigenen Prozesse im Haus ständig zu evaluieren und im Sinne des Lean Management zu verbessern.

19 Prozent mehr für Qualität
Ein weiterer wichtiger Meilenstein war hier auch die Vereinbarung des Servicetarifvertrags für die bayerischen kommunalen Krankenhäuser. Das Klinikum Ingolstadt ist sich darüber bewusst, dass über den Flächentarifvertrag TVöD, im Vergleich zu den branchenüblichen gewerblichen Tarifverträgen, ein deutliches Delta entsteht und dem Grunde nach der öffentliche Dienst teurer ist. Die Vorteile in der Beschäftigung der Mitarbeiter liegen aber in deren Qualität, in der Beständigkeit der Ausübung der Tätigkeiten am Arbeitsplatz und in der Effektivität und Effizienz über eine reduzierte Fluktuationsquote. Im Übrigen ist bei den öffentlich-rechtlichen Einrichtungen die Personaldienstleistung dem Grunde nach umsatzsteuerpflichtig, so dass 19 Prozent für die oft diskutierte Unwirtschaftlichkeit zur Verfügung stehen. Dadurch, dass wir die Umsatzsteuer nicht entrichten, können wir uns im großen Maße höhere Löhne erlauben. Wenn den Mitarbeitern bewusst ist, dass der Träger sich mit diesem finanziellen Steuerungsfeld auseinandersetzt und im Ergebnis finanziell nur gerechtfertigt teurer ist – aber dafür eine steuerbare zuverlässige und nachhaltige Qualität erhält, die mindestens so gut ist als jene, die der Markt bietet – tun sie alles zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze.

Durch die Vergabe von Leistungen an Dritte haben wir gerade im Krankenhaus bei der heute bekannten Personalknappheit zunehmend Verstehens- und Verständigungsprobleme und oftmals enorme Schwierigkeiten, andere Arbeitnehmer in unseren Betrieb zu integrieren. Ob dies nun Gründe der Hygiene, der Arbeitssicherheit oder des Workflow-Managements sind, bleibt dahingestellt. Unter dem Strich bleibt jedenfalls festzuhalten: Mit den eigenen Beschäftigten ist man nicht nur effizienter, sondern im Ergebnis wohl auch effektiver als mit einer Vergabe dieser Leistungen an Dritte.