Georg Thieme Verlag KG

kma 11/2021kma Special MEDICA 2021

Der Zwang zur Veränderung fördert oft Innovationen. Die sind auch nötig, um das umzusetzen, was vor Jahren schon gefordert wurde. Dazu gehört die Digitalisierung genauso wie die sektorenübergreifende Versorgung. „Die Zukunft der Krankenhauslandschaft wird von Netzwerken bestimmt“, postuliert etwa Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, der Geschäftsführer Medizin der BG Kliniken und Ärztlicher Direktor des BG Klinikums Berlin.

Die Novemberausgabe der kma widmet sich der weltweit führenden Medizintechnikmesse Medica. Wir berichten über die Entwicklung des Medizintechnikmarktes und stellen Neuerungen in den Bereichen der Diagnostik, Bildgebung, OP-Technik und Hygiene vor. Ein Trend: Die Geräte werden immer kleiner, wie ein Ultraschallgerät für die Kitteltasche zeigt, das Bonner Ärztinnen und Ärzte für die Lehre am Krankenbett verwenden.

Wofür künstliche Intelligenz bereits eingesetzt wird, zeigen wir ebenfalls auf. Auch die Robotik hat in den Operationssälen längst Einzug gehalten – so setzen Radiologen des Universitätsklinikums Würzburg zwei robotergestützte Röntgengeräte zur konventionellen Röntgendiagnostik ein. Zudem widmet sich unsere Novemberausgabe auch dem Thema der digitalen Reifegradmessung im Zuge des KHZG – und den Strukturprüfungen durch die Medizinischen Dienste, welche seit Monaten in der Kritik stehen.

kma Ausgabe 11/2021
Thieme Group

Die Messung des digitalen Reifegrades von deutschen Krankenhäusern ist angelaufen. Bis zum 17. Dezember 2021 haben teilnehmende Häuser Zeit, einen umfassenden Fragenkatalog zum Stand der eigenen Digitalisierung zu beantworten. Kliniken sollten die Frist unbedingt beachten, denn sie ist eine Voraussetzung für den KHZG-Antrag beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS).

Für Krankenhäuser, die auf jene Förderung verzichten wollen, ist die Teilnahme zwar freiwillig, wird aber vom Konsortium und auch anderen Experten dringend empfohlen. „Damit bekommen Krankenhäuser einen klaren Überblick über den Stand der Digitalisierung in ihrem Haus. Wir bieten auch für diese Häuser das volle Informationsprogramm an“, so Jörg Studzinski von HIMMS Europe. „Es ist extrem wichtig, dass wir eine hohe Rücklaufquote haben“, betont auch Prof. Dr. Volker Amelung, dessen Institut für angewandte Versorgungsforschung (INAV) die Reifegradprüfung neben anderen Instituten wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Dabei gilt es, die vorgegebenen Mindestanforderungen für die Datenqualität zu beachten. So müssen mindestens 95 Prozent der Fragen beantwortet werden, die Antwort „weiß nicht“ ist höchstens fünf Mal zulässig. Peter Gocke, CDO der Berliner Charité, appellierte hier im Gespräch mit kma zudem an alle Kliniken, „die Wahrheit zu sagen.“ Sich beim Digitalisierungsstand besser darzustellen als die reale Situation im Haus sei, „macht keinen Sinn“, so der IT-Experte. Zumal das spätestens bei der zweiten Datenerhebungsrunde auffallen würde.

Strukturprüfung sorgt für Frustration

Ein wenig merkt man Peter Merguet im Gespräch an, wie sauer und genervt er über das ist, womit er sich seit Monaten herumschlagen muss. Seit das Bundesgesundheitsministerium (BMG) Ende Mai mit zweimonatiger Verspätung die neue Richtlinie für Strukturprüfungen („Regelmäßige Begutachtungen zur Einhaltung von Strukturmerkmalen von OPS-Kodes nach § 275d SGB V“) freigab, kämpft der Leiter des Medizincontrollings an der Uniklinik Düsseldorf mit den Folgen der neuen Richtlinie. Er hat inzwischen wie gefordert Aktenberge mit tausenden Dokumenten für den Medizinischen Dienst zusammengestellt – und versucht, nicht eindeutige und interpretierbare Vorgaben zu entschlüsseln.

Sein Zwischenfazit über die bisher gemachten Erfahrungen ist ernüchternd: „Die Strukturprüfung ist ein irrsinniges Bürokratiemonster. Viele der Regelungen sind schwammig formuliert und damit streitbefangen. Man kann jetzt schon sagen, es wird mit Sicherheit zu vielen Prozessen kommen. Zudem bringt sie eine wahnsinnige Unruhe in die Krankenhäuser – mit ganz vielen Fragezeichen für die Wirtschaftsplanung sowie die Budgetverhandlungen, die ja fast alle retrospektiv erfolgen werden“, prophezeit er. Allein ist der Medizincontroller mit dieser Einschätzung nicht. „Viele Kollegen machen ähnliche Erfahrungen und sind frustriert“, schildert Dirk Hohmann, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling (DGfM).

Haus der Zukunft am ukb

Im Berliner Bezirk Marzahn hat das BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin ein Haus der Zukunft gebaut. Während der Maximalversorger im Erdgeschoss sein Zentrum für Notfalltraining eingerichtet hat, geht es im ersten Stock um allerlei Technik, die selbstbestimmtes Leben daheim möglich macht. Was in der Kombination zunächst verwundern mag, soll sich gleich mehrfach auszahlen. Mit der jüngsten Neuerung auf seinem Gesundheitscampus schließt das Unfallkrankenhaus (ukb) nach eigenen Angaben eine letzte Lücke in der Versorgung.

Das im Juni eröffnete Haus verbindet Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Anbieter von innovativen Hilfsmitteln, große Hersteller und Start-ups, Architekten und Wohnungsunternehmen, es sorgt mit einem integrierten Modell-Pflegestützpunkt zudem für passende Beratung – und verfolgt mit alldem nicht zuletzt die ureigenen Interessen des ukb. Künftig sollen hier regelmäßig Reha-Patienten mit ihren Therapeuten vorbeikommen, um sich zu informieren, Pflegeschüler sollen hier neue Technologien erleben und ausprobieren, und auch Vertreter aus dem stationären ukb-Bereich gehören zur Zielgruppe. Aus der Neurologie zum Beispiel, aus dem Zentrum für Rückenmarksverletzungen oder der Klinik für rehabilitative Medizin – Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte gleichermaßen. Die Wege sind schließlich kurz. Doch das Haus ist offen für alle – aus ganz Berlin und auch aus anderen Regionen.

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