Georg Thieme Verlag KG

kma 10/2021Versorgungspuzzle

Der Druck für eine grundlegende Strukturreform der Krankenhauslandschaft steigt. Während sich die Republik in Ballungsregionen eine teure Überversorgung leistet, geraten viele kleine Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung in wirtschaftliche Nöte. Die auf reine Zahlen reduzierte Debatte, wie viele Kliniken tatsächlich notwendig sind, weicht immer mehr einer Diskussion über eine neue Rolle der Kliniken in der Versorgung. „Das aktuelle Versorgungssystem ist nicht für dieses Jahrzehnt aufgestellt. Wenn wir nichts machen, wird es in bestimmten Regionen zum Kollaps kommen“, warnt etwa der Gesundheitsökonom Boris Augurzky. In der Oktober-Ausgabe der kma gehen wir daher der Frage nach, wie sich diese Aufgabe meistern lässt – und stellen einige zukunftsfähige Beispiel vor. Wir informieren zudem, was hinter dem Konzept Value-based Healthcare steckt. Im Interview mit dem Helios-CEO Dr. Francesco De Meo und Frau Dr. Sabine Richard vom AOK-Bundesverband sprechen wir außerdem über ihr Positionspapier zur Reform der medizinischen Versorgungsstrukturen.

kma Ausgabe 10/2021
Thieme Group

Zunehmende Ambulantisierung, steigende Qualitätsanforderungen, hohe Defizite – kleine Krankenhäuser in ländlichen Regionen haben es schwer. Alle Experten sind sich einig, dass hier eine grundlegende Strukturreform der Krankenhauslandschaft in der neuen Legislaturperiode endlich angegangen werden muss und nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden darf. Neu ist an dieser Zustandsbeschreibung wenig, die wesentlichen Strukturprobleme sind hinlänglich seit Jahren bekannt. Die Erstarrung sorgt dafür, dass die Diskussion im Grundsatz lange Zeit zwischen den Extrempositionen „Kliniken schließen“ und „Kliniken unbedingt erhalten“ pendelte. Inzwischen setzt sich jedoch die Erkenntnis durch, dass es intelligenter, flexibler und auch kleinteiliger Lösungen bedarf, um die medizinische Versorgung zu verbessern. Selbst der Gesundheitsökonom Reinhard Busse, dem die Klinikbranche fälschlicherweise das Image eine „Klinikschließungsfetischisten“ verpasst hat, will keineswegs wahllose Schließungen nach rein ökonomischer Logik, sondern stellt die Qualität der klinischen Versorgung als wichtigstes Kriterium einer neuen Kliniklandschaft in den Mittelpunkt. Wir stellen Beispiele zukunftsfähiger Konzepte, von denen es durchaus einige in der Republik gibt, vor.

Zur Bundestagswahl haben AOK, Helios und weitere Klinikträger ein Positionspapier für eine Reform der medizinischen Versorgungsstrukturen vorgestellt. Helios-CEO Francesco De Meo und Dr. Sabine Richard vom AOK-Bundesvorstand sprechen im Interview mit kma über längst überholte Versorgungsstrukturen, die Vorteile regionaler Modelle – und erklären, warum pauschale Klinikschließungen nicht weiterführen. Für Francesco De Meo etwa muss das bisherige Versorgungssystem mit seinen erstarrten Strukturen niedergerissen werden – für mehr Flexibilität auf regionaler Ebene.  

Woran wird der Wert einer medizinischen Behandlung gemessen? An der Dauer des Krankenhausaufenthalts oder der Zahl der Todesfälle? Aus ökonomischer und klinischer Perspektive sind diese sicher wesentlichen Faktoren, aus Patientensicht nicht unbedingt. Für Patienten – gerade in der Krebsbehandlung – spielt es eine Rolle, was sich zum Beispiel durch eine Therapie für sie ändert, ob sie dadurch im Alltag zurechtkommen oder weniger Schmerzen haben. Das Konzept von Value-based Healthcare (VBHC) setzt an einem Punkt an, der bislang wenig beachtet wurde – Patienten und das, was ihnen wichtig ist, rücken in den Fokus. Nach Ansicht vieler Experten ist es an der Zeit, dass VBHC auf breiter Ebene in die Kliniken kommt. Wir gehen den Fragen nach, was genau dahinter steckt und warum sich dieser Ansatz nicht nur für Universitätskliniken mit Onkologie-Schwerpunkt oder spezialisierte Fachkliniken mit großen Fallzahlen, sondern selbst für kleinere Klinken lohnen kann.

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