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Die Top 7 KIS-Anbieter 2017

Fulminante Übernahmen sind in den vergangenen zwei Jahren zwar ausgeblieben – der KIS-Markt ist dennoch kräftig in Bewegung. Hier stellt kma die sieben großen Anbieter von Krankenhausinformationssystemen (KIS) vor.

KIS-Markt 2017

Foto: kma Montage

Agfa: Der Marktführer
Agfa Healthcare DACH – oder genauer das deutsche, österreichische und Schweizer Klinik-IT- sowie Imaging-Geschäft des Unternehmens, das als „DACH“ bezeichnet wird – ist mit einem Umsatz von nahezu 200 Millionen Euro KIS-Marktführer in der Region. Agfa Healthcare bietet sein Krankenhausinformationssystem Orbis zusammen mit dem PACS-System Impax, mit dem Dokumentenmanagementsystem HydMedia und den Agfa Managed Services (AMS) an. Hinzu kommen Spezialsysteme etwa für die Kardiologie, die Pflegedokumentation und die Intensivmedizin. Marktführerschaft und Größe verführen Agfa aber nicht zur Aldi-Strategie. Ganz im Gegenteil: Sie beobachten in der Branche ein Preis-Dumping, dem sie sich ausdrücklich entziehen. Kritisch sehen einige Marktteilnehmer, dass Agfa mit seinem KIS Orbis ein Monolithen-Dasein anstrebe. „Das stimmt nicht: Wir haben keinen monolithischen, sondern einen holistischen, ganzheitlichen Ansatz, der auch im Sinne der Krankenhäuser ist“, erwidert Geschäftsführer Winfried Post.


Cerner: Aufstieg des Giganten
Cerner steht stellvertretend für den rasanten Aufstieg der Health-IT-Industrie. Der Konzern ist derzeit knapp 18 Milliarden Euro wert, mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung von Fresenius. Cerner hat 2015 die Gesundheits-IT von Siemens für 1,3 Milliarden Dollar gekauft und ist damit zum zweitgrößten KIS-Hersteller in Deutschland aufgestiegen. Cerner baut auf ein breites KIS-Portfolio: Millennium ist die Lösung für Kliniken, die Forschungsdaten verarbeiten und in intersektorale Versorgungsszenarien investieren möchten – also Unikliniken und Maximalversorger, die die Versorgung in einer Region steuern möchten. ISH-Med eignet sich – als einziges KIS mit vollintegrierter SAP-Lösung – besonders für größere Ketten sowie Verbünde mit mehreren Häusern. Und Medico ist der Allrounder im Portfolio. In Deutschland arbeiten mehr als 500 Krankenhäuser mit den Lösungen des Unternehmens. Das Unternehmen sieht sich als Transformationspartner, der mittels Technologie Veränderungen und neue Wege im Gesundheitswesen vorantreibt.


CompuGroup: Weiterhin akquisitionshungrig
Die CompuGroup ist ein börsennotiertes Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von derzeit rund zwei Milliarden Euro. 2013 war die Aktie 15 Euro Wert, heute sind es 35 Euro. Das Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von Praxissoftware und seit 2008 KIS-Anbieter. Die CompuGroup hat bisher die KIS Fliegel Data und Systema gekauft und führt zur conhIT das Krankenhausinformationssystem „CGM Clinical“ in Deutschland ein. Es handele sich um eine „völlig neue KIS-Suite für umfassende Ablöseszenarien von Altsystemen“, erklärt das Unternehmen. Für Bestandskunden gilt: „Bisher getätigte KIS-Investitionen in CGM-Systeme sind geschützt und können mit den neuen Komponenten erweitert werden“, erklärt Michael Franz, Prokurist und Vice President Business Development bei der CompuGroup. Für Aufsehen sorgte in den vergangenen Monaten das Interesse der CompuGroup, den deutschen KIS-Marktführer Agfa zu übernehmen. Ausgang bei Redaktionsschluss: ungewiss.

i-Solutions Health: Konzernunabhängig
Die Ursprünge der KIS-Schmiede gehen auf die IT-Firmen Laufenberg und Gap zurück, die zwischen 2001 und 2003 mit der britischen Firma Torex fusionierten. Torex ging 2004 unter dem Namen I-Soft an die Börse. Nach einer Bieterschlacht, an der sich auch Cerner und die CompuGroup beteiligten, ging I-Soft 2007 an den australischen Konzern IBA, der den Software-Hersteller 2011 an den US-amerikanischen IT-Konzern CSC veräußerte. CSC verschmolz I-Soft erst mit seinen Produktlinien und verkaufte I-Soft Deutschland im Juli 2014 an das deutsche Unternehmen Radiomed. Seit vergangenem Jahr präsentiert sich das Unternehmen unter dem neuen Namen i-Solutions Health als konzernunabhängiges mittel­ständisches deutsches Unternehmen. Mit 770 Installationen vorwiegend im deutschsprachigen Raum zählt das Unternehmen zu den führenden Anbietern für Krankenhaus-, Radiologie- und Laborinformationssysteme. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2016 betrug 28,9 Millionen Euro, für 2017 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz über 30 Millionen Euro. Seit dem 1. April 2017 hat i-Solutions Health mit der Aruba Holding einen neuen Mehrheitsgesellschafter.


Meierhofer: Inhabergeführt

Die Meierhofer AG ist das letzte inhabergeführte Unternehmen im deutschen KIS-Markt. Wichtigstes Produkt im Portfolio des Software-Spezialisten ist das KIS Medical Control Center (MCC), das in seiner ersten Version von Matthias Meierhofer selbst entwickelt worden war. Heute zählen mehr als 250 medizinische Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Meierhofers Kunden. Den weitaus größten Anteil stellen weiterhin Häuser mit 150 bis 500 Betten, allerdings hat die Firma auch Konzernkunden wie Sana, die private Schweizer Klinikkette Hirslanden oder die katholische Contilia Gruppe in Essen gewonnen. Die sieben Hamburger Asklepios-Häuser und die Uniklinik Greifswald sind die jüngsten Coups des Unternehmers Meierhofer. Doch völlig unabhängig ist der Software-Hersteller auch nicht mehr, nachdem die Klinikkette Asklepios Anfang vergangenen Jahres 40 Prozent Anteile an Meierhofer erworben hat. Auf der conhIT stellt Meierhofer eine neue mobile App vor, die auf allen Geräten und Betriebssystemen eingesetzt werden kann.


Nexus: Europa im Blick
Der börsennotierte IT-Hersteller aus Villingen-Schwenningen hat seine Anleger in den vergangenen Jahren mit teils zweistelligen Wachstumszahlen belohnt. Die Marktkapitalisierung von Nexus beläuft sich derzeit auf knapp 300 Millionen Euro. Das KIS von ­Nexus war 2016 laut Angaben des Unternehmens 232 Mal in Deutschland installiert, weltweit ist das KIS 462 Mal im Einsatz. Der Fokus des Unternehmens liegt auf Europa, kürzlich hat das Unternehmen den spanischen KIS-Hersteller Sinsif (Barcelona) gekauft. In den vergangenen zwölf Monaten hat Nexus mit seinem KIS drei neue Märkte betreuten: Bulgarien, Spanien und Ungarn. „Wir haben mittlerweile in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Frankreich, den Niederlanden und Spanien Entwicklungsstandorte. Der Austausch von Know-how zwischen den Landesgesellschaften funktioniert inzwischen sehr gut“, erklärt das Unternehmen. Bereits 2015 hat Nexus einen holländischen und einen französischen KIS-Hersteller erworben.


Telekom setzt auf Health-IT
Die Deutsche Telekom ist seit 2010 im Gesundheitsmarkt aktiv und mittlerweile eine feste Größe. Die Telekom Healthcare Solutions ist Marktführerin im Bereich SAP für Krankenhäuser in Deutschland und im Bereich des mobilen Arzt- und Pflegearbeitsplatzes. Das KIS (iMedOne®) ist in über 200 Kliniken installiert. „Durch die Kombination von iMedOne mit dedizierten SAP- und Betriebslösungen haben wir unseren Footprint in den letzten 24 Monaten deutlich erweitert“, sagt Arndt Lorenz, Geschäftsführer Telekom Healthcare Solutions. Insbesondere punktet der Bonner Kommunika­tionskonzern im KIS-Markt mit mobilen Anwendungen. Täglich arbeiten rund 15.000 Ärzte und Pflegekräfte auf mehr als 5.000 mobilen Endgeräten. Und das ist laut Lorenz noch nicht alles: „Wir haben eine Reihe von Lösungen wie zum Beispiel das sichere Patientenportal oder IT-Security-Pakete entwickelt, mit denen wir organisch weiter wachsen wollen.“

 

Dieser Artikel erscheint im kma guide conhIT in Ausgabe 4/17 am 12. April 2017 oder digital auf der Thieme Zeitschriftenplattform Thieme Connect.

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