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Globalisierung in der Gesundheits-IT

Das Gerücht, Philips steige in den deutschen KIS-Markt ein, kursiert seit Jahren. Jetzt ist es soweit. Die Holländer möchten ein KIS einführen, dass sie seit Jahren erfolgreich in Südamerika betreiben. Premiumpartner des Gesundheitskonzerns soll das Krankenhaus Düren werden.

Krankenhaus Düren

Foto: Philips

Keine Angst vor Neuem: Hartmut Nesselrath (Controlling), Geron Blum (Geschäftsführer) und Jürgen Naujocks (IT-Leiter, v.l.) wollen im Krankenhaus Düren ein KIS einführen, das bisher nur in Südamerika im Einsatz ist. Ob sie den Schritt wirklich wagen, bleibt vorerst offen – für Philips wäre es die erste KIS-Installation in Europa.

Von Düren nach Eindhoven fährt man nur eine Stunde mit dem Auto. „Die Nähe zu Philips hat zu einem sehr partnerschaftlichen Verhältnis geführt“, sagt Gereon Blum, seit 2011 Geschäftsführer des Krankenhauses Düren. Medizintechnik, Beleuchtung, Raumkonzepte – Philips hat schon viele Projekte in Düren realisiert und jetzt könnte ein bahnbrechendes hinzukommen: Die Einführung eines neuen Krankenhausinformationssystems (KIS) in Europa. Tasy heißt die Software, die laut Philips schon in 850 Krankenhäusern weltweit im Einsatz ist, v.a. in Brasilien und Mexiko.

„Philips hat 2016 gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, gemeinsam ein neues KIS zu entwickeln. Wir haben zu dieser Zeit gerade den KIS-Markt sondiert, insofern passte das“, erinnert sich Christoph Lammertz, Leiter Kommunikation und Mitglied der Geschäfts­leitung im Krankenhaus Düren. „Als ich Brasilien hörte, habe ich an Copacabana und Buschkrankenhaus gedacht“, gesteht Klinikchef Blum. „Aber was ich dort gesehen habe, war Highend-Medizin, ich war begeistert.“ Eine Delegation reiste im brasilianischen Winter nach Sao Paulo und Blumenau, dann entschied sich das Klinikum, einen Co-Design-Vertrag mit Philips zu schließen.

 

Entwicklungspartner auf Augenhöhe
Co-Design heißt, Philips bezieht Düren bei der KIS-Entwicklung für den deutschen Markt ein. Für Düren ist das eine komfortable Situation: Derzeit sind 20 Berater von Philips dauerhaft im Krankenhaus, durchforsten die Abläufe, erarbeiten Vorschläge für digitale Prozesse und schneidern Software auf die Dürener Bedürfnisse und damit auf den deutschen Markt zu. „Alleine von diesem Entwicklungsprozess erwarten wir uns bereits wertvolle Erkenntnisse.  Schon jetzt sehen wir positive Effekte durch die Zusammenarbeit, weil wir unsere Prozesse – zum Beispiel im zentralen Patientenmanagement – schon im Vorfeld so optimieren, wie wir sie in einem  neuen KIS digital abgebildet haben möchten“, sagt Lammertz.

Das Krankenhaus Düren investiert derzeit nur Arbeitskraft in das Projekt: IT-Leiter Jürgen Naujoks ist komplett für das Projekt abgestellt, Controlling-Chef Hartmut Nesselrath zu 50 Prozent. Außerdem gehören zwei Oberärzte und eine Mitarbeiterin aus der Pflegedienstleitung zum engeren Projektteam. „Wir suchen nach einer Lösung, die auch in 10 Jahren noch zukunftsweisend ist“, unterstreicht Blum. Von der Zukunft hat er – nicht zuletzt nach dem Brasilienbesuch – eine klare Vorstellung: „Gerade das Pflegepersonal muss von zeitraubenden Arbeiten entlastet werden, um mehr Zeit für die unmittelbare Patientenversorgung zu haben. Das funktioniert zum Beispiel durch die automatisierte Vitaldatenmessung und -dokumentation auch außerhalb der Intensivbereiche oder die  elek­tronische Medikamentenverordnung, die sog. „Closed Loop Medication“, die darüber hinaus zu einer deutlichen Verbesserung der Patientensicherheit führt.“  Blums Ziel: Er will die Klinik, die je zur Hälfte der Stadt und dem Kreis Düren gehört, in fünf Jahren papierlos machen. „Mein Büro ist bereits papierlos, mein Schrank steht nur noch aus optischen Gründen da“, erklärt er schelmisch.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel im kma guide conhIT (Ausgabe 4/17) oder digital auf der Thieme Zeitschriftenplattform Thieme Connect.

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