Krankenhaus-Controlling

Integration von Risiko-Reportings und Qualitätsindikatoren

Die Entscheidungsfindung in Krankenhäusern beruht immer noch stark auf vergangenheitsorientierten und sehr leistungsbezogenen Daten. kma Gastautor Björn Maier beschreibt, wie Kliniken ihr Controlling in Zukunft ausrichten müssen.

Krankenhauslogistik der Zukunft

Foto: kma Montage

Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) hat zu neuen Anforderungen an die Entscheidungsunterstützung des Top Managements in Krankenhäuser geführt. Neben Kosten-, Leistungs- und Ergebnisdaten werden Qualitätsinformationen in Zukunft verstärkt an Bedeutung gewinnen. Doch auch dies ist nicht der Endpunkt der Entwicklung der Informationstechnologie in Krankenhäusern. Die Entscheidungsunterstützung im Management mittels IT wird sich in den nächsten Jahren im Zeichen der Digitalisierung immer mehr zu einer Entscheidungsdeterminierung mittels IT verwandeln. Die IT in vielen Krankenhäusern ist häufig noch ein Flickenteppich mit vielen Insellösungen. Daten werden zwar erfasst, stehen aber nur an bestimmten Stellen zur Auswertung bereit.

Das Management hat sich schon vor einigen Jahren auf den Weg gemacht. Die Studie zum Stand und zur Umsetzung des Controllings in deutschen Krankenhäusern belegt Jahr für Jahr, dass die Zahl der Kliniken, die DataWarehouse-Lösungen einsetzen, steigt. Fast zwei Drittel aller Häuser haben inzwischen diesen Ausbaustand in der IT-Infrastruktur erreicht. Damit besteht zumindest einmal potenziell die Möglichkeit, die vorhandenen Daten in ein System zu integrieren und dann auch entsprechend für die anstehenden Entscheidungen zu benutzen. Diese Möglichkeiten werden allerdings nicht immer im vollen Umfange genutzt. Die Entscheidungsfindung beruht häufig immer noch auf stark vergangenheitsorientierten und sehr leistungsbezogenen Daten. Die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung und damit die Ergebniswirkungen werden häufig nicht gesehen. Außerdem nutzt der Blick in den Rückspiegel nur bedingt.



Erfolgsfaktor Strategie
Doch der Wunsch nach belastbaren und für die Leistungsplanung nutzbaren Zahlen wächst. Martin Gösele, der Vorstand der Wertachkliniken, hat für seine Häuser eine klare Philosophie und fasst diese wie folgt zusammen: „Strategie first – ein erfolgreiches Unternehmen braucht eine klare Strategie und konkrete Ziele.“ Aufbauend auf diesen konkreten Vorgaben für die Zukunft liefern dann Erfolgs- und Bilanzkennzahlen, Liquiditäts- und Controllingkennzahlen, Personal-, und Prozesskennzahlen wichtige Informationen zur Steuerung eines Unternehmens. Für ihn ist das die Grundlage des Erfolgs seiner Kliniken. Mit dieser klaren Philosophie sind auch kleinere Häuser überlebensfähig und die IT leistet durch automatisiertes Auswerten der Daten einen echten Mehrwert.

Andreas Göpfert, Vorstand des Städtischen Klinikums Braunschweig, hat für die Zukunft noch eine weitere Aufgabe identifiziert: „Wir haben uns 2016 intensiv mit dem Thema Klinikführung 4.0 auseinandergesetzt. Getrieben von einer zukünftigen qualitätsorientierten Krankenhausplanung gilt es, Qualität und Ökonomie in sinnvollen Einklang zu bringen.“ Für ihn steht das Leistungsversprechen für ein Produkt bezüglich Kosten, Terminen und Qualitäten im Mittelpunkt. Bei Erfüllung resultiere daraus Vertrauen und Weiterempfehlung. Dies stellt sicherlich einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer neuen und fortschrittlichen Nutzung des Informationsmanagements und damit der IT dar. Klassischen Reportingsysteme werden entsprechend ergänzt und Qualitätsdaten spielen eine immer wichtigere Rolle. Dabei geht es natürlich einerseits um Fragestellungen der Versorgungsqualität und Versorgungssicherheit, wie sie gesetzlich abgefordert werden, aber auch die sekundären Qualitäten rücken immer mehr in den Fokus. Social Media und andere Trends der Digitalisierung werden die Krankenhäuser dazu zwingen, Patienten-, Einweiser- aber auch Mitarbeiterzufriedenheit (Stichwort: Fachkräftemangel) aus Unternehmenssicht ganz anders zu beleuchten als bisher. Neben auf wirtschaftliche Kennzahlen adjustierte Management Dashboards werden mehrdimensionale Balanced Scorecard-Ansätze an Relevanz gewinnen.



Die großen Herausforderungen
„Das Krankenhausstrukturgesetz macht das Thema Qualität zu einem bestimmenden Faktor im Krankenhausbereich“, unterstreicht auch Bernhard Ziegler, Kaufmännischer Direktor des Klinikums Itzehoe. Er sieht darin vor allem eine Chance: „Die Qualität ist als Begriff unbestimmt und bedarf der Definition – ist aber positiv besetzt und deswegen als Vehikel für viele Dinge nutzbar.“ Insgesamt sieht er aber auch Probleme bei der „Konkretisierung“ von Qualität – insbesondere bei der Ergebnisqualität – und stellt fest, dass die Aufgabe darin besteht, dem Management Informationen zu Themen zur Verfügung zu stellen, die zum Teil noch gar nicht richtig greifbar sind und noch nicht vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bearbeitet sind.

Dies macht aber einen wichtigen Schritt deutlich, in dem die Zukunft der IT im Gesundheitsbereich auch liegt: Data Mining, Analytics und letztlich Prediction, also systematische Datenanalyse aus unterschiedlichsten Quellen zur Vorhersage zukünftiger Unternehmensumwelten und daraus resultierender Reaktionen der Krankenhäuser. Der Status quo ist natürlich von Interesse, aber die Simulation zukünftiger Zustände ist hoch relevant zur Unterstützung der Entscheidungen. Dies gilt etwa für Erlöse, Ergebnisse, aber auch für die Berechnung von Marktveränderungen und demografischer Entwicklungen.

 

Die zukünftigen Herausforderungen fürs Krankenhausmanagement und die Klinik-IT heißen: Entstofflichung, Drohnen-Logisitk, Robotisierung, Gig Economy und Deep Learning.

 
Ein entscheidender Punkt, der für die Zukunft des Managements von außerordentlicher Bedeutung ist, stellt darüber hinaus die nächste Stufe der digitalen Revolution dar. Sie ist in den Krankenhäusern bis zum heutigen Tag noch äußerst Bruchstückhaft angekommen. Denn hinter den Begrifflichkeiten „Industrie 4.0“ und „Digitalisierung“ stecken noch ganz andere Herausforderungen die entsprechend im Krankenhausmanagement und in den IT-Abteilungen zu bewältigen sind: Entstofflichung, Drohnen-Logisitk, Robotisierung, Gig Economy   (meint derzeit vor allem neue flexible und kurzfristige Arbeitsformen in der Digitalwirtschaft) und Deep Learning. All diese Bereiche müssen in ihren Auswirkungen auf die Krankenhäuser möglichst zielsicher und auch ergebnisoffen untersucht werden.

Beispielhaft soll hier das Thema Drohnen-Logistik kurz angerissen werden: Die Drohnen-Logistik kann schon heute zur Belieferung mit Blutprodukten auf einem Klinikcampus eingesetzt werden. Diese Belieferung ist schneller und birgt weniger Hindernisse. Es wird also deutlich, dass die Behandlungs-, Unterstützungs- und auch Entscheidungsprozesse immer mehr verschmelzen. Die Planung und die Kontrolle entsprechender Systeme sowie ihrer Steuerung werden immer relevanter und muss gleichzeitig auch dezentraler aufgestellt sein. Eine ähnliche Entwicklung ist wohl auch beim Thema Entstofflichung vorstellbar, wo 3D-Drucker zukünftig Logistikketten verändern und vielleicht sogar Lieferanten-, aber auch Know-how-Beziehungen auflösen können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Risiko-Reporting. Speziell das Thema  IT-Security ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Auch dieser Aspekt muss eingepasst werden in ein ganzheitliches und proaktives Risikomanagement von Krankenhäusern. Für alle Bereich müssen Frühwarnsysteme aufgebaut werden. Dies ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch eine Notwendigkeit für die Überlebensfähigkeit eines Krankenhauses. Für Bernhard Ziegler ist klar: „Das sich in vielen Fällen erst entwickelnde klinische Risikomanagement muss eine Gesamtschau auf die unterschiedlichen Entwicklungen, Risiken und Aktionsfelder für das Management bieten.“ Dabei bestehe das Kunststück darin, hochkomplexe Sachverhalte und Zusammenhänge in überschaubarer Form abzubilden.



Risiko-Reportings und Qualitätsindikatoren integrieren
Fasst man diese Entwicklungen alle zusammen, so wird deutlich: Die Informationstechnologie und das
Informationsmanagement wird ähnlich wie in vielen anderen Lebensbereichen auch im Krankenhaus eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Die Geschäftsführer müssen sich dabei aktuellen Aufgaben stellen, wie zum Beispiel der verbesserten Integration des Risiko-Reportings oder der Qualitätsindikatoren. Sie müssen aber auch die ganz großen Herausforderungen im Auge haben, die zu einem komplett veränderten Markt führt und zum großen Thema Digitalisierung zusammengefasst werden.

 

Dieser Artikel erschien in der kma Ausgabe 4/17.

  • Schlagwörter:
  • Krankenhaus-Controlling
  • Qualitätsindikatoren
  • KHSG
  • Strategie

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren