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kma Umfrage zur Krankenhaus-IT der Zukunft

Teil 3: Software as a service

In Teil 3 unserer Serie zur Zukunft der Krankenhaus-IT haben wir vier weitere interessante Visionen aus Kliniken und Industrie für Sie. Lesen Sie, was die Befragten in der Kristallkugel gesehen haben.

Krankenhaus-IT der Zukunft

Foto: kma Montage

Nadine Leicht, Geschäftsführerin, ClinicAll Germany GmbH:
„Krankenhäuser verfügen schon jetzt über eine sehr spezialisierte IT. Die Potenziale dieser Systeme, zum Beispiel zur Diagnose, sind aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Der Grund: Sie befinden sich in den verschiedenen Abteilungen und sind kaum oder nicht miteinander verbunden. Mit der Digitalisierung, die jetzt an Fahrt aufnimmt, können unterschiedlichste Systeme zusammengeführt werden. Das bedeutet, Krankenhäuser können wesentlich effizienter und effektiver arbeiten. Dem Arzt stehen direkt am Krankenbett alle wichtigen Informationen zur Verfügung, das Pflegepersonal muss keine Zettel mit handschriftlichen Notizen transportieren und nacherfassen, und Patienten bekommen – etwa über ein digitales Kommunikationssystem – einen besseren Service.“


Andreas Henkel, Leiter Geschäftsbereich Informationstechnologie, Uniklinik Jena:
„Die Zeiten, in denen Software auf lokalen Rechnern entwickelt und isoliert in abgeschirmten Firmennetzwerken betrieben wird, wird auch für die IT in den Krankenhäusern vorbei sein. Software as a Service, reine und hybride Trusted-Cloud-Dienste mit deren Vernetzungs- und Verbreitungsanforderungen werden ihren Platz neben den lokal betriebenen IT-Verfahren gefunden haben. Systemgestützte Entscheidungsunterstützung auf Basis von medizinischen Leitlinien findet Einzug in die Arbeit des Arztes – mit der Notwendigkeit, in anderer Qualität strukturiert zu dokumentieren. Prinzipien maschineller Assistenz, welche heute nur für Medizingeräte Geltung haben, werden direkte Anwendung in reinen Softwareverfahren finden. Die Integrationsfähigkeit von Schnittstellen wird sich in 10 Jahren für viele Krankenhäuser deutlich verbessert haben. Patienten werden sich vor, während und nach dem Krankenhausaufenthalt über digitale Portale austauschen. Über Patientenportale können dann auch der Aufnahmeprozess, Anamnese, Terminabstimmungen, Medikationsplan oder weitere Informationen vor oder während des stationären Aufenthalts abgeklärt werden. Generell wird es viel mehr digital unterstützte Interaktion mit Patienten geben.“


Markus Lück, Geschäftsfeldmanager Krankenhaus, RZV GmbH:
„Nach erfolgreicher Abbildung innerklinischer Prozessketten in die eigene IT-Architektur und der Integration mobiler Anwendungen in die KIS-Landschaft zeigen die gesetzplanerischen Bemühungen auf dem Feld der intersektoralen Kommunikation erste Früchte. Elektronische Medikationspläne sind intersektoral austauschbar und bilden mit dem eGK-gestützten Notfalldatenmanagement wichtige Bausteine im (IT-gestützten) Risikomanagement der Kliniken. Intersektoral nutzbare Aktensysteme lassen sich direkt an Primärsysteme von Kliniken, aber auch von ambulanten Leistungserbringern anbinden. Dabei wird nicht nur auf den Austausch von Dokumenten, sondern auch auf die Bereitstellung strukturierter Daten abgezielt. Diese Daten bilden auch die Grundlage für intelligente Retrievalmethoden zur Unterstützung klinischer Entscheidungsprozesse, aus denen Ärzte mittels relevanter Befunde valide Therapieempfehlungen ableiten können.“


Henning Janßen, Zentralbereichsleiter IT, Gesundheit Nordhessen Holding AG:
„Wünschenswert wäre, dass der Datenaustausch zwischen den Krankenhäusern und ihren Partnern verbindlich auf einer (bundes-)einheitlichen digitalen Plattform erfolgt. Die Auswertung großer Datenmengen zur Unterstützung der (z. T. automatisierten) Entscheidungsfindung wird sich in anderen Ländern sicherlich eher durchsetzen als in Deutschland. Des Weiteren denke ich, dass in zehn Jahren die einrichtungsbezogene elektronische Patientenakte Standard ist, auf den Stationen ausschließlich mit mobilen Endgeräten gearbeitet wird, die Gesundheitskarte mit einigen Anwendungen flächendeckend genutzt wird und jedes Krankenhaus seine Server- und Speicher- sowie Sicherheitsinfrastrukturen nicht selbst betreibt, sondern bei externen Anbietern einkauft.“

 

Lesen Sie weitere spannende Zukunftsvisionen in Teil 1 und Teil 2 der Serie.

Dieser Artikel erschien in der kma Ausgabe 4/17.

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