Podcast Medizin und Recht

Das Krankenhaus der Zukunft

Thema heute ist das Krankenhaus 4.0, also das Krankenhaus der Zukunft. Wo liegen die hauptsächlichen rechtlichen Probleme bei der Digitalisierung? Ist es wirklich nur der Datenschutz?

(v.l.n.r.) Prof. Dr. Alexandra Jorzig, Frank Sarangi und Dr. Lars Blady im Podcast "Medizin und Recht".

Dr. Lars Blady: Thema heute ist das Krankenhaus 4.0., also das Krankenhaus der Zukunft. Am 14.12.2018 findet in Düsseldorf im Haus der Universität ein Kongress zu dem Thema statt mit dem Titel: „Krankenhaus 4.0 - Sind wir bereit?“ Veranstalter ist das vor kurzem gegründete Innovationsforum Medizin und Recht. Welche Highlights können die Teilnehmer denn am 14.12.2018 erwarten?  

Prof. Dr. Alexandra Jorzig: Sehr viele Highlights! Konkret möchte ich hierzu den Referenten Prof. Dr. Jochen Werner nennen. Er ist ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen. Das Universitätsklinikum Essen ist das erste Smart-Hospital Deutschlands und nimmt dementsprechend eine Vorbildfunktion eines solchen Hospitals ein.

Dr. Lars Blady: Das Silicon Valley haben wir auch hier im schönen Düsseldorf zu Gast. Wir haben nämlich eine Managerin des Herstellers der da-Vinci-OP-Roboter für den Kongress gewonnen. Sie alle wissen: Was im Silicon Valley erdacht wird, das kommt früher oder später auch nach Deutschland. Die Roboter haben es schon geschafft. Viele andere Sachen sind auf dem Weg und Frau Dr. Beatrice Podtschaske wird uns berichten, was wir in den nächsten Jahren erwarten können. Frank Sarangi, haben Sie noch ein oder zwei Highlights für den Kongress?  

Frank Sarangi: Es gibt noch ein weiteres Highlight, nämlich Prof. Rainer Kimmig, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe vom Uniklinik Essen, der uns einen Einblick geben wird über die Robotik im Klinikalltag. Denn er ist einer der Vorreiter, der heute schon jeden Tag Robotik im Klinikalltag anwendet.  

Dr. Lars Blady: Die Teilnahme an dem Kongress am 14.12.2018 ist kostenlos. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten im Internet unter folgender Adresse: www.inno-forum.de. Stichwort Digitalisierung: Warum benötigen wir denn im Gesundheitsbereich über Digitalisierung? Was bringt es denn den Patienten?  

Prof. Dr. Alexandra Jorzig: Digitalisierung wird auch im Gesundheitsbereich Einzug halten. Und konkret bedeutet es eine deutlich präzisere und individualisierte Medizin, d. h. Medizin kann konkret auf den Patienten zugeschnitten werden. Darüber hinaus wird auch das Stichwort „patient empowerment“ eine Rolle spielen - also das Selbstbestimmungsrecht des Patienten wird durch die Digitalisierung noch einmal sehr viel mehr in den Vordergrund gerückt und soll dadurch deutlich gestärkt werden.  

Frank Sarangi: Ein weiterer Gesichtspunkt ist die mögliche Interoperabilität der Digitalisierung. Wir haben heute Reibungsverluste an den Sektorengrenze und durch eine Interoperabilität aller Leistungserbringer durch die digitale Medizin können wir dieses Problem lösen. Medizin wird durch Digitalisierung einfach mobiler und portabler und kommt letzten Endes besser beim Patienten an.  

Dr. Lars Blady: Stichwort Problem: Wo liegen die hauptsächlichen rechtlichen Probleme? Ist es der Datenschutz? Sind es die Haftungsfragen bei den OP-Robotern, wenn der also z.B. daneben schneidet? Oder gibt es andere Rechtsprobleme?  

Frank Sarangi: Ich möchte gar nicht nur von Problemen reden sondern ich würde eher von Herausforderungen sprechen, die man aber lösen kann. Aus datenschutzrechtlicher Sicht haben wir unheimlich strenge Vorgaben, insbesondere seit Mai 2018. Man muss sich also als Leistungserbringer im Vorfeld klar machen, welches Datenschutzrecht Anwendung findet und was ich beachten muss. Man muss einfach straff und gut organisieren und dann bekommt man auch Digitalisierung unter Datenschutzgesichtspunkten gut organisiert.  

Prof. Dr. Alexandra Jorzig: Auch unter haftungsrechtlichen Gesichtspunkten bekommt man die Digitalisierung gut in den Griff, denn ich möchte hier als Beispiel Robotik und KI (künstliche Intelligenz) nennen. Nach unseren jetzigen rechtlichen Vorgaben können wir wunderbar damit umgehen. Es sind vielleicht einige Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben, aber diese sind bislang zumindest lösbar. Natürlich hat die Robotik einige Besonderheiten, die man auch zu berücksichtigen hat, aber die Robotik ist eigentlich nicht anders zu behandeln, als auch jetzt schon die Medizintechnik. Das heißt: Wenn mir mit medizintechnischen Geräten arbeiten in der Medizin - und das tun wir seit vielen Jahren - dann haben wir da rechtliche Vorgaben wie das Medizinprodukterecht, Produkhaftungsrecht, usw., und wir haben hier keine Besonderheiten, das heißt mit unserem jetzt bestehenden Rechtsystem lässt sich auch das regeln. Etwas anderes könnte in Zukunft für Künstliche Intelligenz (KI) gelten. Allerdings ist die momentan eingesetzte KI über das jetzige Rechtssystem abzudecken. Zu überlegen sein wird ein künftiges Roboterrecht, je nachdem, was uns die weitere Technik bringen wird. Aber auch das werden wir meistern.  

Dr. Lars Blady: Am Ende die obligatorische Frage: Daumen hoch oder Daumen runter für die Digitalisierung - insbesondere vor dem Hintergrund, dass eine alte Dame vielleicht gar nicht von einem Roboter gepflegt werden möchte.  

Prof. Dr. Alexandra Jorzig: Von mir klar Daumen hoch! Und der alten Dame würde ich gern entgegnen, dass ich nachvollziehen kann, dass Sie Berührungsängste mit den neuen Technologien hat und sich selbstverständlich nicht von einem Roboter pflegen lassen möchte. Aber wir dürfen uns das jetzt nicht so vorstellen, dass nur noch Roboter diese Tätigkeit übernehmen. Roboter können vielmehr zur Entlastung von Pflegekräften eingesetzt werden können - etwa mit einem Service-Roboter, der das Essen ausfährt. Entsprechend würde Zeit frei für Menschen, die sich um die zu Pflegenden kümmern könnten. Somit sehe ich hierbei einen klaren Vorteil.  

Frank Sarangi: Daumen hoch auch von mir! Denn digitale Medizin und Krankenhaus 4.0 sind ja auch eine kleine Revolution. Und da gilt für mich der Grundsatz: Disruption schafft Innovation! Wir sehen heute schon im Bereich der Entwicklung der digitalen Medizin, dass jeden Tag Produkte auf den Markt kommen und weiter entwickelt werden. Wir haben mit digitaler Medizin im Krankenhaus einfach den Vorteil, dass Medizin mobiler wird und auch bei den Patienten wieder ankommt und wir können natürlich Compliance beim Patienten unterstützen mit der Portabilität von digitaler Medizin.  

Dr. Lars Blady: Herzlichen Dank für die Diskussion. Am Ende sei noch darauf hingewiesen: Sie beide haben ein Buch verfasst mit dem Titel „Digitalisierung im Gesundheitswesen“. Es erscheint im ersten Quartal 2019. Ich darf mich bedanken bei Ihnen, Alexandra Jorzig. Herzlichen Dank auch Herrn Frank Sarangi. Mein Name ist Lars Blady und ich sage: Tschüss bis zum nächsten Mal!

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Im neuen Podcast „Medizin und Recht“ der Kanzlei Jorzig Rechtsanwälte beleuchten Prof. Dr. Alexandra Jorzig, Dr. Lars Blady und Frank Sarangi spannende Rechtsfälle im Klinikum. Mit ihrer beruflichen Expertise als Anwälte für Medizinrecht geben Sie einen fachlichen Einblick in aktuelle Diskussionen und bereiten komplexe juristische Fälle leicht verständlich auf.

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