Podcast Medizin und Recht

Der Physician Assistant und das Haftungsrecht

Die Idee des Physician Assistant ist nicht neu. In den USA oder den Niederlanden ist das Berufsbild seit vielen Jahren fest im Klinikalltag etabliert. Doch werden mit diesem Berufsbild die zulässigen Grenzen der Arbeitsteilung in der Medizin eingehalten? Grundsätzlich steht doch jedes medizinisches Handeln unter Arztvorbehalt.

(v.l.n.r.) Prof. Dr. Alexandra Jorzig, Frank Sarangi und Dr. Lars Blady im Podcast "Medizin und Recht".

Der Physician Assistant ist ein im Vordringen befindlicher akademischer Gesundheitsberufe, der den klinisch tätigen Arzt unterstützen, aber nicht ersetzen soll.

In Deutschland finden sich derzeit ca. 300 Physician Assistants im stationären Klinikalltag wieder. Seit 2015 befinden sich ca. 230 Physician Assistants in der akademischen Ausbildung. Die Rahmenbedingungen inklusive der Ausbildungsregelungen sowie der zu vermittelnde Ausbildungsinhalt sind bereits auf den 120. Deutschen Ärztetag in einem Konzeptpapier von der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung verabschiedet worden.

Das Konzeptpapier sieht das Erlernen und assistierende Durchführen auch bei solchen Maßnahmen vor, die in die Nähe des Arztvorbehalts rücken. Werden mit diesem Berufsbild die zulässigen Grenzen der Arbeitsteilung in der Medizin eingehalten?

Delegation und Substitution

Grundsätzlich steht jedes medizinisches Handeln unter Arztvorbehalt, so dass jede Tätigkeit ärztlicherseits zu erfolgen hätte. Allerdings lässt sich dies in unserem Gesundheitswesen nicht vollziehen. Wir haben ein fest verankertes arbeitsteiliges Geschehen und somit können Tätigkeiten delegiert oder sogar substituiiert werden. Der Begriff der Delegation ist nicht gesetzlich definiert. Es hat sich jedoch herausgebildet, dass Delegation definiert wird als Übertragung der Durchführung originär ärztlicher Tätigkeiten an ärztliche und nicht ärztliche Mitarbeiter mit gesonderter ärztlicher Anordnung und Überwachung und unter ärztlicher Verantwortung.  

Die Delegation ist deutlich von der Substitution abzugrenzen. Die Substitution bezeichnet die vollständige Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf nicht ärztliches Personal. Die Delegation ist nur in drei Fällen ausgeschlossen:

1.    Ausdrücklich geregelter Arztvorbehalt

2.    Grundsatz der persönlichen Leistungserbringung

3.    Kernbereich ärztlicher Tätigkeit

Der Kernbereich ärztlicher Tätigkeit ist regelmäßig dann betroffen, wenn gerade ärztliches Fachwissen erfordert wird. Dies bedeutet, dass die Durchführung der Maßnahme per se so gefährlich ist, dass ein Arzt notwendig ist oder, wenn das Komplikationsmanagement Maßnahmen zwingend erfordert, die nur durch Ärzte erbracht werden können. Sämtliche übrigen Tätigkeiten könnten delegiert werden.

Wenn eine Delegation vorgenommen wird, hat der Arzt die Auswahlpflicht, Anleitungs- und Überwachungspflicht. Anhaltspunkte für einen Arzt hinsichtlich der Auswahl und der Qualifikation eines Mitarbeiters kann die Ausbildungsordnung sein oder auch das Konzeptpapier der Bundesärztekammer und der KBV.

Konsequenzen für das Haftungsrecht  

Auch bei der Erbringung medizinischer Leistungen durch den Physician Assistant gilt, dass das Facharztstandard eingehalten werden muss. Für die Haftung ergibt sich daraus eine Dreiteilung.  

Bei dem Einsatz eines Physician Assitant, dieser ist in der Regel Angestellter des Krankenhausträgers, würde ein Fehlverhalten bzw. ein Verstoß gegen den Facharztstandard dem Krankenhausträger zugerechnet werden (§§ 278, 831 BGB).   

Der delegierende Arzt sieht sich mit dem Haftungsrecht konfrontiert, wenn er bei der Auswahl, Anleitung oder Überwachung des Physician Assistant gegen Sorgfaltspflichten verstoßen hat. Auch dieser Verstoß würde dem Krankenhausträger zugerechnet werden.   

Für den delegierenden Arzt verbleibt allerdings noch eine Eigenhaftung aus Deliktrecht. Der Physician Assistant selbst (Delegationsempfänger) haftet eigenständig nach deliktrechtlichen Grundsätzen. Er haftet insbesondere für eine fehlerhafte Durchführung der delegierten Maßnahme. Hier sind insbesondere Gesichtspunkte des Übernahmeverschuldens anzuführen.  

Beweisrechtlich steht zu diskutieren, ob bei der Durchführung ärztlicher Leistungen durch den Physician Assistant die Rechtsfigur der Anfängeroperation zur Anwendung gelangt. Demnach wird ein Verstoß gegen den Facharztstandard vermutet, wenn eine (delegierte) ärztliche Leistung durch nicht ausreichend qualifiziertes Personal durchgeführt wird.

  • Schlagwörter:
  • Physician Assistant
  • Podcast
  • Haftungsrecht

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren

Im neuen Podcast „Medizin und Recht“ der Kanzlei Jorzig Rechtsanwälte beleuchten Prof. Dr. Alexandra Jorzig, Dr. Lars Blady und Frank Sarangi spannende Rechtsfälle im Klinikum. Mit ihrer beruflichen Expertise als Anwälte für Medizinrecht geben Sie einen fachlichen Einblick in aktuelle Diskussionen und bereiten komplexe juristische Fälle leicht verständlich auf.

Thema vorschlagen

Dieses Thema möchte ich im nächsten Podcast „Medizin und Recht“ hören: