Georg Thieme Verlag KG

Reihe: Zukünftige Umwälzungen in der GesundheitsversorgungTelekonsile zum Schließen von Versorgungslücken

Das Virtuelle Krankenhaus (VKH) NRW versteht sich als Wegbereiter für innovative und zukunftsorientierte telemedizinische Versorgungstrukturen im Rahmen der Regelversorgung. Eigentlich sollte das VKH seine Arbeit im Sommer 2020 aufnehmen. Aber durch die Corona Pandemie kam alles anders: Auf Drängen der Landesregierung Nordrhein-Westfalens startete das VKH bereits im Märt 2020 mit einer Vorstufe zu den Indikationen Intensivmedizin und Infektiologie.

Karolina Grabowska, pexels

Nadja Pecquet, Geschäftsführerin, VRH NRW gGmbH, erinnert sich: „Bei Ausbruch der Pandemie waren wir noch in der konzeptionellen Umsetzungsphase, konnten jedoch direkt auf Strukturen des Telnet@NRW aufsetzen. Binnen einer Woche konnten sich Intensivmediziner aller Krankenhäuser in NRW per Telekonsil von Kollegen der Expertenzentren der Unikliniken Aachen und Münster zu schweren COVID-Fällen Rat einholen. Eine Studie, die die Effektivität der anfänglichen Konsile zwischen März und November 2020 untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass die Sterblichkeit des beatmeten Patientenkollektivs knapp 20 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt lag. Pecquet räumt dabei ein, dass das Resultat aufgrund der geringen Stichprobengröße statistisch nicht signifikant sei. „Es zeigt aber eine starke Tendenz, dass der Austausch zwischen den behandelnden Ärzten mit der speziellen universitätsmedizinischen Expertise einen großen Beitrag zur Versorgungsverbesserung leistet“, betont sie. Ein weiterer positiver Aspekt der Telekonsile ist, dass Patienten nur in Ausnahmefällen von Krankenhäusern der Allgemeinversorgung in Spezialzentren verlegt werden müssen.


Nachdem die Vorstufe des VKH erfolgreich gestartet ist, wird nun am Ausbau der Plattform und des Leistungsspektrums gearbeitet. „Während der Pilotphase, die bis Ende 2023 läuft, werden wir beschäftigt sein, dass die Plattform rund läuft. Das rechtskonforme Umsetzen der Prozesse der reinen Arzt-Arzt Kommunikation ist ausgesprochen komplex“, findet Pecquet. „Die Plattform basiert auf InterSystems HealthShare mit der Spezifikation der elektronischen Fallakte (EFA), wie sie aus NRW heraus entwickelt wurde“, ergänzt sie. Die IT-Abteilungen der teilnehmenden Krankenhäuser erhalten über die Telematikinfrastruktur Zugang zur EFA. Diese war nie als Primärdokumentationssystem gedacht, sondern nur, um Dokumente und Daten aus anderen Primärsystemen gemeinsam dort einsehen zu können. Obwohl Konsilberichte direkt strukturiert in Formulare der Fallakte eingegeben werden, können sie bislang nur als PDF ausgelesen und in die Primärsysteme der behandelnden Ärzte eingehen.


Seit Mitte März 2022 bietet VKH Konsile für die Therapie refraktive Herzinsuffizienz an. Dafür wird die Expertise des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen eingeholt. Das Portfolio soll bald durch seltene Erkrankungen und resektable Lebertumore ergänzt werden und Einrichtungen im ambulanten Bereich miteinbeziehen.
Pecquet begrüßt, dass das VKH als gemeinnützige Gesellschaft mit dem Ziel gegründet wurde, Versorgungslücken zu schließen: „Wir können rein vom Versorgungsnutzen aus denken und müssen in der Pilotphase keinen Gewinn erzielen“, unterstreicht sie. Deshalb können die Krankenhäuser das Telekonsilnetzwerk während dieser Zeit kostenfrei nutzen. Sie hält es für gut möglich, dass sowohl das Serviceangebot als auch das Geschäftsmodell einer staatlichen Plattform weiter modifiziert werden.

 

Organisation
Virtuelles Krankenhaus NRW gGmbH. Die Organisation ist die gemeinnützige Trägergesellschaft des Virtuellen Krankenhaus NRW und eine hundertprozentige Tochter des Landes Nordrhein-Westfalens. Sie ist für den Aufbau und Betrieb eines telemedizinischen Netzwerks und einer virtuellen Vermittlungsplattform (VKh-Portal) für Telekonsile verantwortlich. Seit dem Start im März 2020 bis Ende Dezember 2021 wurden 3.229 Konsile abgehalten, mit deren Hilfe die Behandlung von 530 schwerst an COVID-19 Erkrankten unterstützt wurde. Mittlerweile beläuft sich die Zahl der Telekonsile auf mehr als 3.600 und circa 140 Krankenhäuser haben sich dem telemedizinischen Netzwerk angeschlossen. Die VKH gGmbH ist mit dem Ziel angetreten, eine elektronisch gestützte Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern erstmals in eine regelhafte Struktur zu überführen und das spezifische Fachwissen der medizinischen Spitzenzentren des Landes qualitätsgesichert, bedarfsorientiert und ortsunabhängig verfügbar zu machen.


Repräsentant der Organisation
Nadja Pecquet, Geschäftsführerin VKH NRW gGmbH.


InterSystems Produkt
InterSystems HealthShare


Quelle
Die Aussagen von Nadja Pecquet können in der Aufzeichnung des E-HEALTH COM Experttalk „Traditionelle Gesundheitsversorger erfinden sich neu. Wie passen hybride Modelle zum Routinebetrieb?“ vom 24.03.2022 hier nachgehört werden.

InterSystems GmbH

InterSystems ist ein internationaler Softwareanbieter, der vernetzte Gesundheits- und Versorgungsgemeinschaften ermöglicht. Wir begleiten seit vielen Jahren Gesundheitsdienstleister und -netzwerke weltweit. Durch unseren Fokus auf Interoperabilität können sich Gesundheitseinrichtungen flexibel an den sich beständig ändernden Gesundheitsmarkt anpassen. Wir helfen, die nächste Generation datenintensiver Gesundheitsapplikationen schnell und unkompliziert zu entwickeln und zu skalieren.