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Interview mit Dino GiesenDie Abrechungslücke im Visier

Ob alle erbrachten Leistungen immer zeitnah und vollständig abgerechnet werden, kann durch eine Honorarsicherung der medipa überprüft werden. Dabei handelt es sich um einen neuen Service zum regelmäßigen Check von Dokumentationen und Abrechnungen. Dino Giesen, Assistent der  Geschäftsführung der medipa GmbH, im Gespräch

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Warum bieten Sie als Abrechnungsdienstleister Krankenhäusern diesen Service an?

Viele Krankenhäuser haben sich inzwischen entschieden ihre Abrechnungen auch an die medipa auszulagern. Der überwiegende Teil lässt die Leistungen weiterhin durch eigene Mitarbeiter erstellen. Diese Krankenhäuser wollen wir mit unserem Service unterstützen.

Was hat Sie bewogen einen solchen Service anzubieten?

Die medipa bietet seit vielen Jahren sogenannte Vergleichsabrechnungen an. Wir werten Unterlagen zu bereits abgerechneten Fällen noch einmal aus und stellen unsere Ergebnisse denen des  Krankenhauses gegenüber. Hierbei hat sich unsere Vermutung bestätigt, dass durchschnittlich 10 Prozent der erbrachten Leistungen nicht abrechnet werden.

Worin liegt der Grund für diese Abrechnungslücken?

Häufig werden nicht alle Leistungen dokumentiert. Dokumentationslücken, wie ein fehlendes Röntgenprotokoll oder extern beauftragte Leistungen werden übersehen oder nicht nachgefragt. Sachkosten werden mit veralteten Beträgen oder gar nicht in Rechnung gestellt. Aus verschiedenen Gründen hat sich ein Abrechnungsstau ergeben.

Können Sie diese Punkte durch Zahlen konkretisieren?

Nehmen wir zwei Beispiele zum ambulanten Operieren, gemäß Paragraph 115 b, SGB V: Bei 1.000 ambulanten Operationen pro Jahr und einem Durchschnittshonorar von 350 Euro pro Eingriff, ergibt eine Honorarlücke von 10 Prozent schon 35.000 Euro. Sollte sich durch Erkrankung ein Rückstand von circa einem halben Jahr aufgebaut haben, würde man in dem Fall rund 175.000 Euro Honorar nicht zeitnah abrechnen.

Wie tragen Sie mit dem Service „Honorarsicherung“ dazu bei, dies zu verhindern?

Im ersten Beispiel überprüfen wir die komplette Abrechnung und bieten hausinterne Schulungen an und unterstützen durch Abrechnungscoaching. Um sicher zu stellen, dass trotz Personalwechsel oder Vertragsänderungen die Abrechnungsqualität erhalten bleibt, werden wir nach Ablauf von ein oder zwei Jahren erneut tätig. Durch Personalausfälle kann es auch zu einem Abrechnungsstau nicht selten von einem halben Jahr kommen. Dem Krankenhaus fehlen dann, nach unserem Beispiel, circa 175.000 Euro.

Für welche Abrechnungsbereiche bieten Sie den Krankenhäusern diesen Service an?

Für Kassennotfallscheine, ambulantes Operieren, hochspezialisierte Leistungen, Konsilbehandlungen, BG- sowie ambulante und stationäre Behandlungen von Privatpatienten.

Wer nutzt den Service „Honorarsicherung“?

Wir werden speziell von Häusern beauftragt, die ihre Abrechnungsqualität nachhaltig verbessern wollen. So wird sichergestellt, dass auch zukünftig, unabhängig von Vertrags- und  Personaländerungen, alle erbrachten Leistungen komplett abgerechnet werden.