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Interview mit Eckhard Oesterhoff, Philips GmbHEnthusiasmus und eine klare Roadmap machen den Unterschied

kma Klinik Management aktuell im Gespräch mit Philips: Der Druck, mit dem das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) den digitalen Wandel im Gesundheits­wesen vorantreibt, ist nötig, fordert aber auch heraus: Große Fördersummen wollen eingesetzt werden und Fachleute sind Mangelware. Für Eckhard Oesterhoff, seit Anfang des Jahres Strategic Digital Solution Leader bei Philips, funktioniert dieser Spagat nur, wenn Zielsetzung, Wille und die nötige Flexibilität auf dem Weg gegeben sind.

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Über die cloudbasierte Plattform HealthSuite wird zukünftig eine wachsende Anzahl klinischer Applikationen im nutzungsabhängigen Modell „Software-as-a-Service“ (SaaS) verfügbar sein.

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Eckhard Oesterhoff, Strategic Digital Solution Leader, Philips GmbH Market DACH

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Die Stärke cloudbasierter Plattformen liegt unter anderem in der Datenverfügbarkeit. Über die Cloud ist der Zugriff jederzeit und standortunabhängig gegeben.

Herr Oesterhoff, womit beschäftigen Sie sich seit Ihrem Antritt bei Philips?

Wie in meiner vorherigen Rolle im health innovation hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit steht auch jetzt das KHZG ganz oben auf der Agenda. Nur die Perspektive ist eine andere. Ich bin jetzt industrieseitig für die Umsetzung dessen verantwortlich, was im hih erdacht wurde. Aufgabe ist die strategische (Weiter-)Entwicklung von IT-Lösungen, die das Gesundheitswesen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ins digitale Zeitalter überführen.
 

Was sind für Sie hier die wichtigsten Schlagworte?

Wir brauchen digitale Datenströme, die dem Patientenweg – unabhängig von den Sektoren – folgen. Die Basis dafür bilden interoperable Systeme, die Informationen austauschen und an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit verfügbar machen. Autorisiert wird dies von der Patientin oder dem Patienten. Einfach ausgedrückt heißt das für mich, dahin zu kommen, dass sich die Gesundheitsversorgung­ sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Mitarbeitende nicht mehr so anfühlt, als wäre sie aus der Zeit gefallen. Zu Interoperabilität und sektorenübergreifender Vernetzung wäre mein drittes Schlagwort cloudbasierte Plattformen. Wir sehen sie als eine große Chance für kommende Digitalisierungsinitiativen.
 

Spannen wir den Bogen zum Hier und Jetzt.

Dazu empfehle ich einen Blick in den jüngst veröffentlichten DigitalRadar Krankenhaus. Ich gehe davon aus, dass niemand in der Branche von den Ergebnissen überrascht ist. Wahrscheinlich sind sich auch alle einig, dass es bis zur zweiten Evaluation des Reifegrades der Krankenhäuser Ende 2023 noch viel zu tun gibt.

Was wir haben, sind gut digitalisierte Fachabteilungen, die ihre Patientendaten allerdings meist ohne Zugriffs- und Weiterverarbeitungsmöglichkeit verwahren. Dazu haben wir eine zunehmende Kommunikation in den ambulanten Sektor hinein, beispielsweise über das Entlassmangement. Hier wären die Daten der Fachabteilungen in standardisierter Form von großem Nutzen. Mal sehen, wie schnell wir die mangelnde Weiter­gabe strukturierter Daten im Krankenhausbereich auflösen und die Interoperabilität zwischen den vorherrschenden Softwarelösungen tatsächlich ausbauen können.
 

Wie geht man das konkret an?

Da bei jedem Haus die digitale Absprungbasis eine andere ist, braucht es individuelle Lösungen. Allerdings gibt es auch Aspekte, die für alle gleichermaßen gelten und die insbesondere unsere Kundinnen und Kunden mit einem hohen digitalen Reifegrad verinnerlicht haben: Ohne digitale Agenda, die von der Geschäftsführung getragen wird, lässt sich keine nachhaltige Transformation erreichen. Neben den entsprechenden IT-Set-ups und tragfähigen Technologien machen die Prozessbeteiligten, insbesondere Ärzteschaft und Pflege, den Unterschied. Von ihrer Akzeptanz und Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten und zukünftige Strukturen mit zu entwickeln, hängt am Ende alles ab.

Im Umkehrschluss heißt das, einfach nur nach einzelne Fördertatbeständen umzusetzen, ­sobald die Fördermittel fließen, bloß um ­Pönalen zu verhindern, ist nicht zu empfehlen. Man läuft Gefahr, beispielsweise rein auf Software zu setzen, deren Lizenzkosten dann auch nach 2024 weitergetragen werden müssen. Trotz des Zeitdrucks ist es sinnvoll, noch einmal zurück­zutreten und zu schauen, welche Anteile des KHZGs zu meinem Haus passen. So fällt dann vielleicht eher auf, dass für mich keine digitale Medikation infrage kommt, wenn die Pflegedokumentation derzeit papierbasiert läuft.
 

Wo findet sich Philips in den Prozessen wieder?

Wir können zu fast allen Fördertatbeständen des KHZGs digitale Lösungen anbieten, die ­immer auch auf das Thema Interoperabilität einzahlen. In den vergangenen Jahren hat Philips zu diesem Zweck zielgerichtete ­Investitionen getätigt. Mit Forcare, VitalHealth und Capsule Technologies ist ein Portfolio entstanden, dass die Leistungserbringenden sektorenübergreifend vernetzt und Daten horizontal, den Patientinnen und Patienten folgend, fließen lässt. Dazu bieten wir Beratungsleistungen an. Sie sind ebenfalls förderfähig und können zusätzlich zum IT-Vorhaben abgerufen werden. Wir unterstützen bei der fristgerechten Umsetzung von Projekten und begleiten sowohl im Prozessdesign, der Projektsteuerung als auch beim Change Management mit dem nötigen klinischen und organisatorischen Prozess-Know-how.
 

Stichwort DMEA, was dürfen wir erwarten? 

Sie dürfen ein Team erwarten, dass sich sehr auf den persönlichen Austausch freut. Und das große Thema, das dort alle beschäftigt, ist natürlich das KHZG. Im Fokus der ­Gespräche stehen förderfähige IT-Lösungen wie das ­Patientenportal, die Interoperabilitätsplattform, die digitalen Pathologie oder unsere Lösungen für die (Tele-)Intensivmedizin. Ein weiterer Themenblock werden die vielfältigen Möglichkeiten cloudbasierter Anwendungen im Gesundheitswesen sein. Denn mit der HealthSuite hat Philips eine cloudbasierte Plattform speziell für Anwendungen im Gesundheitswesen entwickelt. Auf dieser Plattform wird Philips zukünftig eine wachsende Anzahl an klinischen Applikationen im nutzungsabhängigen Modell Software-as-a-Service (SaaS) anbieten.
 

Welches Potenzial sehen Sie in der Cloud?

Kurz gesagt, es nimmt vor allem Druck aus dem System. Der fragmentierte Mix von Hard- und Software, den die meisten Krankenhäusern heute besitzen, nutzen und pflegen müssen, verursacht einen enormen Verwaltungs- und Wartungsaufwand. Mehr als 80 Prozent der ­Ressourcen werden hierfür eingesetzt. Stellt man auf „as-a-Service“-Lösungen um, lässt sich der Arbeitsumfang für solche Tätigkeiten deutlich verringern. Das setzt Ressourcen frei, die für die Prozessbegleitung von Digitalisierungsinitiativen, die auch jetzt im Zuge des KHZGs abzuarbeiten sind, genutzt werden können. Nicht unerheblich ist in diesem Zusammenhang die Frage nach der lokalen IT-Infrastruktur. Ob und in welchem Umfang zukünftig mehr Speicherkapazitäten und Rechenleistung benötigt wird, ist oft schwer zu kalkulieren. Über die Cloud-Technologie können diese ­Services nachfrageabhängig bereitgestellt und bezahlt werden. Es gibt noch viele weitere gute Argumente für cloudbasierte Plattformen und darum sind wir hier aktiv. Die erste Lösung, die wir auf unserer für das Gesundheitswesen optimierten Cloud-Plattform HealthSuite anbieten, ist unser Patientenportal Engage. Weitere Lösungen werden folgen.

 

Mehr Informationen dazu, wie Philips Daten, Technologien und Menschen vernetzt, finden Sie unter www.philips.de/healthcare/innovation-wissen/zukunftsprogramm-krankenhaeuser.

 

Philips GmbH Market DACH

Philips vernetzt Daten, Technologien und Menschen

Die Medizin macht täglich Fortschritte. Damit steigen auch die Anforderungen. Gefragt sind neue Wege der Zusammenarbeit. Bei Philips entwickeln wir integrierte Lösungen, die Menschen, Technologien und Daten zusammenbringen.

Gemeinsam mit Kunden und Partnern treiben wir Innovationen im Gesundheitssystem voran. Denn Gesundheit hört nicht an Abteilungs- oder Sektorengrenzen auf. Das muss auch für die Versorgung gelten.

philips.de/healthcare