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MRT-TruckKlinikgruppe Ernst von Bergmann startet mobiles MRT in Brandenburg

Mit dem Projekt „Mobiles MRT für Brandenburg“ hat die Klinikgruppe Ernst von Bergmann ein deutschlandweit einmaliges Konzept umgesetzt, um Facharztkompetenz und High End-Diagnostik in die ländlichen Regionen zu bringen. Es hat das Potential, die ambulante Versorgung zu revolutionieren. 

Die Vorteile der mobilen Lösung liegen auf der Hand: Sie ermöglicht es, in ganz Brandenburg zeitnah MRT-Diagnostik anzubieten, ohne dass jedes Krankenhaus dafür ein eigenes Gerät inklusive Infrastruktur vorhalten muss. Foto: Klinikum-Ernst-von-Bergmann-gGmbH

Wer derzeit in Brandenburg unterwegs ist, dem ist er vielleicht begegnet: Ein großer hellblauer LKW, der des Öfteren auch von einem PKW mit dem Schriftzug „Radiologe im Einsatz“ begleitet wird. „Mobiles MRT für Brandenburg“ ist auf dem weißen Trailer zu lesen, und tatsächlich ist in dem 16,5 Meter langen 40-Tonner ein kompletter Magnetresonanztomograf (MRT) untergebracht. „Das ist wirklich unglaublich platzoptimiert, auf diesen 35 Quadratmetern ist eine komplette Arztpraxis: Wenn Sie dort drin sitzen, glauben Sie, in einem ganz normalen Krankenhaus zu sein“, schwärmt Alexander Huppertz, der Geschäftsbereichsleiter Medizinische Tochtergesellschaften, Ambulante Versorgung und Kooperationen der Klinikum Ernst von Bergmann gGmbH.

Tatsächlich steckt in dem Trailer weit mehr als nur ein MRT – hier wurde ein Projekt in die Tat umgesetzt, das landesweit einmalig ist und des Potential hat, die ambulante Versorgung zu revolutionieren. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Satt die Patienten zum MRT kommen zu lassen, kommt der MRT zu den Patienten.

Mobiles MRT-Sharing  

Seit dem Projektstart am 2. Juli fährt der Truck wöchentlich das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, die Klinik Ernst von Bergmann Bad Belzig und die Lausitz Klinik Forst an. Außerdem macht er Station im Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf und an der Universität Potsdam, wo das MRT in der Forschung und Lehre zum Einsatz kommt. „Wir bewegen den LKW im Tages- oder maximal im Zweitagesrhythmus. Nachts wird der LKW an den jeweiligen Standort gebracht, die lokalen MTRA´s schließen am nächsten Tag die Tür auf und dann können sie loslegen, zwischen 7 und 19 Uhr finden die Untersuchungen statt“, ergänzt Huppertz.

In Zeiten des Landärztemangels, der stetig sinkenden Anzahl von Krankenhäusern und der knappen Klinikbudgets wird die medizinische Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten für immer mehr Patienten zum Spießrutenlauf. Wer einen MRT-Termin hat, wird damit schon heute konfrontiert, denn die Wartezeit für eine MRT-Untersuchung dauert in der Regel 8 bis 10 Wochen. Auf dem Land dauert die Wartezeit noch länger, denn die Krankenhäuser müssen auch ihre stationären Patienten untersuchen – zudem muss man oft sehr lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, denn nicht jede Klinik hat einen MRT. So war das bis vor kurzem auch in Brandenburg.

„Ich bin aufgewachsen an Unikliniken und da gehört MRT zum Standard. Dann habe ich vor zwei Jahren Teile eines Kassenarztsitzes in Bad Belzig übernommen, und da gab es auf einmal kein MRT mehr“, so der Privatdozent und praktizierende Radiologe Alexander Huppertz. Das hat den Initiator des mobilen MRT-Projektes der Klinikgruppe Ernst von Bergmann zum Nachdenken gebracht.

Geteilte Fachkompetenz

Statt an jedem Standort der Klinikgruppe Ernst von Bergmann ein eigenes MRT vorzuhalten, was jedes Mal nicht nur erheblichen Aufwand für die dafür nötigen Umbauten und hohe Investitionskosten für die Beschaffung eines MRTs bedeutet, sondern auch das nicht überall vorhandene radiologische Fachwissen für die Auswertung der MRT-Untersuchungen voraussetzt,  war Hupperts Idee, die radiologische Kompetenz und das MRT-Gerät zu teilen. Inspiriert wurde der Radiologe dabei von seinen Erfahrungen aus dem Ausland, denn sowohl in Australien als auch in England hat man bereits seit einiger Zeit die Flexibilitätsvorteile von transportablen MRTs per LKW erkannt.

Allerdings setzt man sie dort ausschließlich als standortgebundene Übergangslösungen ein. Zudem bieten dort eingesetzten MRTs nicht das Untersuchungsspektrum eines High End Gerätes. „Wir haben uns als Klinikgruppe auf die Fahnen geschrieben, nicht nur in Potsdam aktiv zu sein, sondern auch in ganz Brandenburg in die höchste medizinische Versorgungsqualität anzubieten. Daher kam für unsere mobile Lösung nur ein High-End MRT in Frage“, so Huppertz.

Sogar bettlägerige Patienten können untersucht werden

Die Klinikgruppe hat sich für das 1.5 Tesla-MRT „Ingenia“ von Philips entschieden – nicht zuletzt auch deshalb, weil der niederländische Medizintechnikhersteller durch die Übernahme des Unternehmens Agito Medical bereits Erfahrung mit dem Bau und Umrüsten solcher LKW-Trailer besitzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Innenbereich des vollklimatisierten, 28 Tonnen schweren Trailers sind neben dem MRT-System zwei Umkleideräume für Patienten, einem Kontroll- und Bedienraum und ein Raum für die Technik untergebracht.

Durch den Einbau einer ein- und ausfahrbaren Patientenliege können hier sogar bettlägerige Patienten untersucht werden. Die Beförderung von A nach B, die Kopplung und Entkopplung an den Standorten sowie den Anschluss an die Klinikinformationssysteme KIS, RIS und PACS via DICOM und einen 400 Volt Industriestromanschluss und erfolgt durch das auf Großraum- und Schwertransportlogistik spezialisierte Unternehmen Colossus.   

Radiologen müssen mobil sein

Betreut werden die Patienten durch die Fachärzte der radiologischen Praxen vor Ort. Hier erfolgt auch die Terminanmeldung und Koordination. „Wir arbeiten zurzeit an einer Onlineterminvereinbarung, die entweder ihr Arzt oder Sie selbst vereinbaren können“, so Huppertz. Am Tag der Untersuchung werden Patienten zunächst ganz normal in der Radiologie des Krankenhauses aufgenommen und dann zu dem Trailer geleitet, der vor der Tür steht. Die mobile MRT-Lösung erfordert allerdings auch von den beteiligten Radiologen ein Umdenken: Da das Fachwissen für die Auswertung und diagnostische Beurteilung der im Truck aufgenommenen MRT-Sequenzen nicht in jeder Klinik vorhanden ist, müssen sie den Truck mit dem Auto begleiten.

„Neben der Mobilität müssen sich unsere Radiologen auch daran gewöhnen, sich nicht mehr über die Anzahl ihrer medizinischen Geräte zu definieren, die in ihrem Flur stehen. Denn wird denken jetzt auf einmal in Untersuchungskontingenten“, erläutert Huppertz.

Zeitnahe MRT-Diagnostik ohne eigene Infrastruktur  

Die Vorteile der mobilen Lösung liegen auf der Hand: Sie ermöglicht es, in ganz Brandenburg  zeitnah MRT-Diagnostik anzubieten, ohne dass jedes Krankenhaus dafür ein eigenes Gerät inklusive Infrastruktur vorhalten muss.

„Wenn sich etwa das Krankenhaus Bad Belzig heute ein MRT kaufen müsste, würde es – abgesehen von der ungewissen Auslastung und den anfallenden Kosten – dort etwa 1,5 Jahre dauern, um dort alle Prozesse wirklich im Griff zu haben. Mit dem LKW ist dieses ganze Wissen schon da, das ist der eigentliche Vorteil“, erläutert Alexander Huppertz. Finanziert wird das Projekt durch die Ernst von Bergmann Klinikgruppe.

Rund 2 Millionen Euro hat das MRT inklusive LKW und Umbau gekostet, was laut Hupperts in etwa den Kosten für ein stationäres Gerät plus Baukosten entspricht. Dazu kommen innerhalb der nächsten 8 Jahre rund 3,5 Millionen für die Logistik. In Zukunft könnte man solchen MRT-Trailern gerade in ländlichen Regionen öfter begegnen, denn die mobile Lösung ist auch auf andere Kliniken übertragbar. Die Klinikgruppe Ernst von Bergmann plant bereits einen zweiten LKW. „Das mobile MRT ist nur der Anfang. Wir überlegen sogar, weitere diagnostische Modalitäten so mobil anzubieten“, ergänzt Huppertz.

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