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Interview mit Frans van HoutenWeg vom Silodenken

Philips hat sich den Wandel von einem reinen Produktentwickler zum Lösungsanbieter auf die Fahnen geschrieben. Was das für Klinikkunden bedeutet, erläutert Konzernchef Frans van Houten im Gespräch mit kma am Beispiel der Innovationspartnerschaft mit dem Städtischen Klinikum München. 

Laut Frans van Houten, dem CEO von Royal Philips, ist die Fokussierung auf die Handhabbarkeit und bereichsübergreifende Prozessoptimierung von Gesundheits-IT essenziell für die Big-Player der Gesundheitswirtschaft. Foto: Philips / Alena Zielinski

Das Städtische Klinikum München und Philips haben eine Innovationspartnerschaft für die diagnostische Medizintechnik vereinbart. Das Projektvolumen beträgt 50 Millionen Euro; die Laufzeit beträgt acht Jahre. Foto: Philips / Alena Zielinski

Auf dem Hauptstadtkongress haben das Städtische Klinikum München und Philipseinen Vertrag über eine Innovationspartnerschaft unterzeichnet. Was sind die Hauptmerkmale dieser Partnerschaft?

Wir werden das Städtische Klinikum München über acht Jahre hinweg bei der grundlegenden Weiterentwicklung des Geräteparks und der damit verbundenen Digitalisierungsstrategie begleiten. Die Innovationspartnerschaft setzt auf ein abgestuftes Technologiekonzept, das Systeme der neuesten Generation intelligent mit etablierten Lösungen kombiniert. Insgesamt werden über 200 diagnostische Systeme erneuert, das Volumen des Projekts beläuft sich auf 50 Millionen Euro. Durch die Installation von Software und klinischer IT bieten wir Ärzten und Personal Entscheidungsunterstützungen, die deren Arbeitsabläufe, Diagnoseprozesse und die Behandlungsqualität verbessern.

Über das Städtische Klinikum München


An den fünf Standorten des Städtischen Klinikums München lassen sich jährlich rund 140 000 Menschen stationär und teilstationär behandeln. Auch in der Notfallmedizin ist Deutschlands zweitgrößtes, kommunales Klinikunternehmen weit vorne: Rund 170 000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht über 40 Prozent aller Notfälle von München. Die Kliniken sind alle Lehrkrankenhäuser.


Können Sie uns die Zusammenarbeit näher erläutern?

Erklärtes Ziel der Partnerschaft ist es, im Städtischen Klinikum München kontinuierlich Innovationen zu implementieren, und zwar genau dort, wo sie einen konkreten patientenrelevanten Nutzen stiften. In der bildgebenden Diagnostik sind das zum Beispiel unsere Angiografieplattform Azurion oder der IQon Spectral CT für die spektrale Computertomografie. Darüber hinaus unterstützen wir das Klinikum unter anderem bei der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie. Neben der Technik stehen aber auch die Prozesse im Fokus der Innovationspartnerschaft. Denn ein wesentliches Ziel der Zusammenarbeit ist die Steigerung der medizinischen Versorgungsqualität im Sinne der Patienten. In gemeinsamen Beratungsprojekten werden wir Strukturen und Prozesse analysieren. Letztendlich geht es darum, gemeinsam mit dem Klinikum Möglichkeiten zu finden, die Effizienz zu verbessern und klinische Prozesse neu zu gestalten.

Die Lösungen von Philips werden also passgenau für den klinischen Anwender bereitgestellt?

Richtig, wir entwickeln maßgeschneiderte Lösungen, die sich konsequent am Bedarf der Anwender orientieren. Es geht um die Frage, welchen Mehrwert wir mit unseren Innovationen für die Versorgung schaffen können. Modernste Geräte allein sind nicht mehr genug. Software hat Hardware längst als Innovationstreiber abgelöst. Die Aufgabe lautet, die wachsende Datenflut fließen zu lassen und die verschiedenen Bereiche eines Krankenhauses dadurch näher zusammenzubringen. Digitale Prozesse haben das Potenzial, überkommene Strukturen aufzubrechen und die Fragmentierung und das Silodenken im Gesundheitswesen zu überwinden. Die Innovationspartnerschaft mit dem Städtischen Klinikum München ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Ist das auch ein Merkmal der Umstrukturierung von Philips – der Wandel von einem reinen Produktentwickler zum Lösungsanbieter?

In der Tat. Stichwort Digitalisierung: Relevante klinische Informationen müssen auf Modalitätsebene abrufbar sein. Genauso wichtig ist die Interoperabilität von Systemen, damit Daten jederzeit und überall zusammengeführt und optimal genutzt werden können. In strategische Partnerschaften bringen wir deshalb Anwendungen ein, die Daten zusammenführen und sich problemlos in die IT-Infrastruktur eines Hauses integrieren lassen. Geschlossene, proprietäre Systeme mit heterogenen Schnittstellen sind nicht mehr zeitgemäß. Ein weiteres wichtiges Zeichen unseres Wandels zum Lösungsanbieter ist der Charakter der Kundenbeziehungen. In einer echten Partnerschaft tragen beide Parteien Verantwortung für das Erreichen der gesteckten Ziele und beteiligen sich an Chancen und Risiken. Deshalb sieht die Innovationspartnerschaft mit München für Beratungsleistungen auch ein erfolgsabhängiges Vergütungsmodell vor.

Bei jenen Innovationspartnerschaften wie in München wird das Thema Consulting ganz groß geschrieben. Entfernen Sie sich damit nicht vom eigentlichen Kerngeschäft von Philips?

Wir werden auch weiterhin ein Systemanbieter sein. Aber um Innovationspotenziale voll auszuschöpfen, Workflows zu optimieren und Möglichkeiten zur Kostensenkung zu identifizieren, ist ein neutraler Blick von außen sinnvoll. Philips kombiniert klassische Beratung mit der Design-Thinking-Methodik. Das heißt, dass wir neben klinischen und betrieblichen Aspekten auch die Patienten- und die Mitarbeiterperspektive in das Consulting einbeziehen. Gemeinsam mit unseren Kunden erarbeiten wir individuelle Lösungen und schulen die Mitarbeiter, um die definierten Maßnahmen nachhaltig zu etablieren.

Könnte dieser Wandel einer sein, der in Zukunft von allen großen Playern in diesem Umfeld vollzogen werden muss, um wettbewerbsfähig zu sein?


Natürlich wird es immer Platz für spezialisierte Nischenanbieter geben. Wenn wir Herausforderungen wie Ressourcenknappheit und demografischen Wandel aber wirklich annehmen und die Versorgung gemeinsam mit den Leistungserbringern zukunftsfähig gestalten wollen, dann braucht es einen ganzheitlichen Ansatz.

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Philips vernetzt Daten, Technologien und Menschen

Die Medizin macht täglich Fortschritte. Damit steigen auch die Anforderungen. Gefragt sind neue Wege der Zusammenarbeit. Bei Philips entwickeln wir integrierte Lösungen, die Menschen, Technologien und Daten zusammenbringen.

Gemeinsam mit Kunden und Partnern treiben wir Innovationen im Gesundheitssystem voran. Denn Gesundheit hört nicht an Abteilungs- oder Sektorengrenzen auf. Das muss auch für die Versorgung gelten.

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