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Künstliche IntelligenzUnterstützung für Medizintechnik-Firmen

Die mittelständischen Medizintechnikunternehmen sollen ANIMMED vor allem nutzen, um ihre bestehenden Systeme um KI zu erweitern. Der gesamte Prozess beginnt mit einer Anwendungsbetrachtung, indem die ANIMMED-Ingenieure den Firmen aufzeigen, wie sie ihre Produkte mit KI verbessern können. Danach beginnt die eigentliche Weiterentwicklung zum KI-Produkt. „Wir kennen uns mit der Medizintechnik und KI-Methoden  so gut aus, dass wir in der Regel einen Testaufbau realisieren können, der die technische Machbarkeit und Funktionalität grundsätzlich abschätzen lässt“, stellt Stallkamp fest. Der Forscher betont, dass medizintechnische Geräte nicht nur mit einem neuen Algorithmus auskommen, sondern möglicherweise die Konstruktion oder auch weitere technische Komponenten wie zum Beispiel Sensoren verändert oder ergänzt werden müssen.

„Das Ganze kann sehr komplex werden.“Sobald der physikalische Testaufbau beispielsweise mit dem modifizierten medizinischen Gerät funktioniert, legen die Fraunhofer-Forscher einen Prozess an, mit dem sie die Algorithmen trainieren. Zunächst mit kleineren Trainingszyklen, und wenn die Ergebnisse gut sind, mit größeren Datenmengen. „Das Ganze erfordert viel Fingerspitzengefühl, auch wenn die Algorithmen und entsprechende Softwarebibliotheken zur Verfügung stehen“, sagt Stallkamp. Wie beim Katheterprojekt wird erwartet, das auch hier nicht ausreichend klinische Daten für das Training der Algorithmen zur Verfügung stehen. Deshalb versuchen die Forscher, mit mathematischen Simulationsmodellen und der Arbeit an Phantomen möglichst nah an den finalen Trainingsstatus der Algorithmen heranzukommen.

Ausblick

Noch haben die Forscher kein abgeschlossenes Referenzprojekt, das als Produkt in der Klinik getestet oder eingesetzt werden könnte. Für die Unternehmen stellt eine solche Entwicklung zwar ein Risiko dar, aber wenn „es funktioniert“, dann ist KI der Schlüssel für die nächste Generation an medizinischen Geräten und damit ein absolutes Wettbewerbsargument. 

ANIMMED ist erst im Sommer gestartet – mitten in der Pandemie. Die in Deutschland wohl einzigartige Nähe von Automatisierungsexperten mit KI-Erfahrung und den Datenprofis des Heinrich-Lanz-Zentrums zu einer Uniklinik ist ein attraktives Angebot, das der eine oder andere mittelständische Medizintechnikhersteller in den nächsten Jahren annehmen wird, um den internationalen Anschluss nicht zu verpassen.

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