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Gemeinsam fit für die digitale ZukunftMit dem KHZG die Digitalisierung vorantreiben

Welche Chancen bietet das Krankenhauszukunftsgesetz und wie kann es nachhaltig zu einem Digitalisierungsschub beitragen? Welche Lösungen und Projekte sind förderfähig und wie unterstützt Thieme Kliniken dabei? Wie unterstützen Partnerschaften? Diese und weitere Aspekte beleuchtet Dr. Oliver Gapp für Sie im Interview.

Dr. Oliver Gapp
Oliver Gapp

Im September 2020 wurde das Krankenhauszukunftsgesetzt (KHZG) verabschiedet, welches den Rahmen für die von Bund und Ländern geplanten Investitionen in Milliardenhöhe absteckt. Bis zum 31. Dezember 2021 können Kliniken und Krankenhäuser ihre Förderanträge stellen. Für die Bedarfsmeldung in einzelnen Bundesländern wurden inzwischen zum Teil frühere Deadlines bekannt gegeben. Förderungsfähig sind unter anderem Projekte zur Verbesserung der Patientenkommunikation, Anamnese und Patientenaufklärung, zur digitalen Pflege- und Behandlungsdokumentation, zur Entscheidungsunterstützung der Behandelnden und zur Notfallversorgung. Dr. Oliver Gapp steuert in der Thieme Gruppe die Entwicklung von Angeboten, die Krankenhäuser dabei unterstützen, verschiedene Digitalisierungsprojekte umzusetzen. Gemeinsam mit den Expertinnen und Experten für digitale Lösungen und Services der Thieme Gruppe und weiteren Partnern begleitet der promovierte Volkswirt Krankenhäuser bei der Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Digitalisierungsstrategien.

Herr Dr. Gapp, Krankenhäuser haben nur noch wenige Monate Zeit, um sich Fördergelder zu sichern. Worauf kommt es jetzt an?

Wir sehen, dass Klinikverbünde und Krankenhäuser ganz unterschiedlich reagieren. Die Aktivitäten reichen von der Erarbeitung umfassender Digitalisierungskonzepte bis zum Anstoßen einzelner, ganz konkreter Maßnahmen. Die eine ideale Strategie gibt es sicher nicht. Denn jede Einrichtung ist anders – insbesondere die Digitalisierungsreife reicht von Kinderschuhen bis zur professionell aufgesetzten IT-Architektur mit modernen digitalen Workflows.

Jede Einrichtung muss sich meines Erachtens genau überlegen: Wie ist die Ausgangssituation? Welche spezifischen Anforderungen haben wir? Was ist für unser Haus, für unseren Verbund passend? Wie gestalten wir künftig unsere Prozesse mit digitaler Unterstützung? Denn mit der Anschaffung moderner Systeme und Tools ist es nicht getan. Es braucht mitunter völlig neue Prozesse und gegebenenfalls auch neue Kompetenzen. Dabei müssen die Überlegungen auch über die eigene Einrichtung hinausweisen: Wie vernetzen wir unsere Aktivitäten mit denen der anderen Akteure in der Patientenversorgung? Das ist letztlich die zentrale Frage, wenn wir die Qualität der Patientenversorgung spürbar verbessern und gleichzeitig Kosten in Schach halten wollen. Die Entscheider müssen sich auch mit der Frage beschäftigen, mit welchen Partnern die Digitalisierung und auf lange Sicht zuverlässig umsetzbar ist. Schnellschüsse sind hier nicht gefragt, sondern Maßnahmen und Partnerschaften mit Perspektive. Es ist also viel zu klären, bevor ein konkretes Projekt aufgesetzt und schließlich Förderbedarf angemeldet werden kann. Übrigens auch, wie es mit den Ressourcen in den IT-Abteilungen aussieht. Gerade hier werden perspektivisch Engpässe entstehen, da umfassende Digitalisierungsvorhaben mit den vorhandenen Kapazitäten kaum zu stemmen sein werden.

Nicht nur Krankenhäuser sind jetzt gefordert. Wie stellen sich Systemanbieter auf die Digitalisierungsoffensive ein?

Klinikverbünde und einzelne Häuser, die jetzt zügig ihren Bedarf anmelden, können voraussichtlich schon in diesem Jahr von den ersten Fördergeldern profitieren und die dringend notwendige Digitalisierung weiter vorantreiben. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Monaten eine Vielzahl von Ausschreibungen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen erfolgen dürfte. Zahlreiche Beratungsfirmen bieten ihre Dienste an. Auf Seiten der Industrie entstehen neue Angebote und es bilden sich bereits vielfältige Partnerschaften – insbesondere dort, wo Fördertatbestände so umfassend sind, dass einzelne Anbieter jeweils nur Teilaspekte abdecken. Doch auch wenn jetzt viel in Bewegung kommt, ist bereits absehbar, dass die Umsetzungsphase aufgrund der vielfältigen Projekte lange dauern wird. Wir brauchen also alle einen langen Atem.

Wie unterstützt Thieme Krankenhäuser?

Thieme bietet für Projekte zur Verbesserung der Patientenkommunikation, Anamnese und Patientenaufklärung, zur digitalen Pflege- und Behandlungsdokumentation, zur Entscheidungsunterstützung der Behandelnden und zur Notfallversorgung ganz konkrete Lösungen an – etwa die digitale Patientenakte RECOM-GRIPS. Diese deckt alle „Muss-“ und „Kann-“ Kriterien des Fördertatbestands 3 vollumfänglich ab, nämlich „die Einrichtung einer durchgehenden, strukturierten elektronischen Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen sowie die Einrichtung von Systemen, die eine automatisierte und sprachbasierte Dokumentation von Pflege und Behandlungsleistungen unterstützen.“

Im Fördertatbestand 2, der Etablierung von Patientenportalen, ergänzt Thieme die Systemlösungen beispielsweise von m.Doc, BEWATEC, Dedalus HealthCare, icw, samedi und soffico. Gemeinsam mit diesen Partnern erfüllen wir sämtliche Anforderungen. Mit unseren Lösungen werden durchgängige digitale Informationsprozesse und Workflows von der Aufnahme, über die Behandlung bis hin zur Entlassung der Patienten geschaffen. Angereichert mit leitlinienorientiertem Patienten-Content von Thieme sind sie ein wichtiger Baustein für die Arzt-Patientenkommunikation.   

Mit den Wissensdatenbanken von Thieme etwa für Mediziner und Pflegende erfüllen wir zudem viele der Kriterien im Fördertatbestand 4, bei dem es um Systeme zur Entscheidungsunterstützung geht. Schnittstellen zu Klinikinformationssystemen und die Einbindung klinikeigener Dokumente ermöglichen die Bereitstellung kontextsensitiver, evidenzbasierter Informationen im Behandlungsprozess am Point of Care.

Mit dem Fördertatbestand 1 möchte der Gesetzgeber zudem insbesondere die informationstechnische Ausstattung der Notaufnahmen verbessern. Digital erfasste Notfallprotokolle, die direkt aus dem Rettungswagen über eine interoperable Schnittstelle an das KIS übermittelt werden, ermöglichen beispielsweise die Bereitstellung der passenden Ressourcen und Vorbereitung notwendiger Maßnahmen ohne Zeitverlust. Ein „Muss“-Kriterium ist zudem die Möglichkeit für Patienten, die Anamnese digital in der Notaufnahme erheben zu können. Thieme macht auch hier förderfähige Angebote.

Welche Leistungen umfassen die Angebote von Thieme?

Wir bieten einen umfänglichen Service, der bei der Bedarfsermittlung anfängt und bei der Installation digitaler Lösungen noch lange nicht endet. Denn ganz entscheidend für das Gelingen der digitalen Transformation ist auch die Akzeptanz durch diejenigen, die mit den neuen Lösungen arbeiten werden – von den Ärztinnen und Ärzten über die Pflegenden und Therapeuten bis hin zur Klinikverwaltung. Deshalb unterstützen wir auch intensiv bei der Einführung neuer Systeme und Workflows und stehen langfristig als Ansprechpartner zur Verfügung. Damit entsprechen wir dem im KHZG formulierten Anspruch, digitale Prozesse zu fördern und nicht etwa „nur“ die Anschaffung neuer Geräte und Systeme.

Worauf kommt es also an?

Eine gute IT-Architektur, strukturierte Daten, kluge Systeme mit interoperablen Schnittstellen, basierend auf einem schlüssigen Gesamtkonzept, sind die Voraussetzungen für durchgängige und ressourcenschonende digitale Prozesse. Dabei muss die Digitalisierung ganz konkreten Nutzen für den Patienten und die Patientin stiften, die Mitarbeitenden einbinden, die Leistung und den Erlös sowie die Effizienz steigern, die Kosten senken und auch neue Geschäftsmodelle eröffnen.


www.thieme.de/khzg


Dr. Oliver Gapp studierte Volkswirtschaftslehre und promovierte im Bereich der Gesundheitsökonomie. Er hat ein Unternehmen gegründet, war langjährig als Dozent tätig und verantwortete zuletzt als Unternehmensbereichsleiter Versorgung und Gesundheitsökonomie die Leistungsausgaben einer größeren Krankenkasse. Seit Februar 2020 leitet er das strategische Geschäftsfeld Patient Care bei Thieme. Dabei begeistert ihn vor allem, dass er mit seinen Teams die Angebote und Informationsprozesse so gestalten und weiterentwickeln kann, dass sie die verschiedenen Akteure in der Patientenversorgung bestmöglich unterstützen und damit zu einer besseren Medizin und mehr Gesundheit im Leben beitragen.

Thieme Compliance

Thieme Compliance ist mit über 30 Jahren Markterfahrung ein verlässlicher Partner rund um Patientenaufklärung und -kommunikation. Neben einem breiten Angebot an medizinisch und juristisch fundierten Aufklärungsprodukten bieten wir maßgeschneiderte Lösungen zur Optimierung Ihrer Prozesse rund um die Patientenaufnahme, Patientenaufklärung und Dokumentation. Thieme Compliance ist eine 100% Tochtergesellschaft der Thieme Gruppe.