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Digitalisierung bei AsklepiosVorsprung durch ein zentrales Datenmanagement

Henning Schneider treibt als CIO die Digitalisierung des Asklepios Konzerns konsequent voran. Ziel ist es, Strukturen und klinische Abläufe zu standardisieren und damit die Behandlungsqualität zu erhöhen. Ein zentrales Projekt ist die konzernweite Einführung der digitalen Patientenaufklärung.

Henning Schneider
Asklepios

Henning Schneider, CIO beim größten deutschen privaten Klinikbetreiber Asklepios.

Mit rund 170 Gesundheitseinrichtungen und 67.000 Mitarbeitenden ist Asklepios einer der größten privaten Klinikbetreiber in Deutschland. Vor rund viereinhalb Jahren übernahm Henning Schneider die Leitung des Konzernbereichs Informationstechnologie. Seitdem treibt er als CIO zusammen mit dem Management-Team des Konzernbereichs IT die Digitalisierung konsequent voran, mit dem Ziel, Strukturen und klinische Abläufe zu standardisieren und damit die Behandlungsqualität zu erhöhen. Für die bessere und digitale Einbindung der Patienten in die medizinischen Abläufe gründete er 2016 eigens die Abteilung eHealth. Hier arbeitet ein Team an der Umsetzung zentraler Projekte wie beispielsweise der konzernweiten Einführung der digitalen Anamnese und Patientenaufklärung, die Asklepios gemeinsam mit Thieme umsetzt.

Herr Schneider, wo steht Asklepios heute in Sachen Digitalisierung?

Schneider: Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stehen aktuell die Vereinheitlichung und Harmonisierung der Systeme, Daten und Prozesse. Derzeit wird im Konzern mit rund 400 unterschiedlichen IT-Systemen und Applikationen gearbeitet. Hier müssen wir deutlich reduzieren und Systeme in Plattformen zusammenfassen, um zu schlanken, effektiven Prozessen zu kommen. Unser Ziel ist es, die Dokumentationsaufgaben für die Mitarbeitenden zu reduzieren und die Behandlungsqualität für unsere Patienten weiter zu verbessern.

Dafür etablieren wir drei Plattformen. Für den administrativen Bereich lösen wir bis Ende Q1 2022 die 36 unterschiedlichen Systeme, die bisher im Einsatz sind, ab. Finanzen, Warenwirtschaft, Logistik, Personal und andere Verwaltungsthemen werden dann an allen Standorten mit SAP S4 Hana organisiert.

Die medizinische Dokumentation vereinheitlichen wir auf Basis unserer beiden etablierten Krankenhaus-Informationssysteme Orbis von Dedalus und M-KIS von Meierhofer. In Hamburg haben wir bereit sechs der sieben Maximalversorger auf M-KIS umgestellt und so das größte KIS-System in Deutschland aufgebaut. An den weiteren Standorten stellen wir die medizinische Dokumentation sukzessive auf eine standardisierte Orbis-Umgebung um - jeweils drei Kliniken parallel in drei Monaten. Ziel ist es, an allen Standorten einheitliche Strukturen, Funktionalität und Prozesse zu schaffen, sodass Daten aus allen Häusern gemeinsam zum Beispiel für zentrale KI-Systeme zur Entscheidungsunterstützung genutzt werden können.

In einem medizinischen SAP Data Warehouse werden sämtliche relevanten Daten zusammengeführt. Schon jetzt erfolgt das Finanz- und Personalreporting über dieses Tool. Unsere beiden KIS sind bereits mit der Datenplattform verknüpft. Ein erster konzernübergreifender Anwendungsfall ist beispielsweise die Bettenlogistik. Zu Beginn der Corona-Pandemie haben wir in kürzester Zeit ein eigenes Dashboard geschaffen, über das wir Kapazitäten und Auslastung der Intensivbetten und Plätze für Corona-Patienten sämtlicher Asklepios-Häuser überblicken und steuern konnten.

Wie bringen Sie die neuen Systeme und die damit verbundenen angepassten Prozesse in die Fläche?

Schneider: Wir haben eine zentrale IT, die für alle Häuser verantwortlich ist. Es hat sich bewährt, den Digitalisierungsprozess zentral zu entwickeln, zu pilotieren und dann nach und nach auszurollen. Ein Beispiel hierfür ist die digitale Patientenaufklärung. Gemeinsam mit Thieme Compliance implementieren wir aktuell das neue systemgestützte Verfahren in der Asklepios Klinik Wandsbek. Wir richten die neue Software ein und entwickeln und erproben abteilungsweise den darauf abgestimmten neuen Anamnese- und Aufklärungsprozess. In dieser Pilotphase ergeben sich oft noch Fragen und Herausforderungen, die konzentriert bearbeitet werden. Wenn der neue Prozess an der Pilotklinik rund läuft, starten wir mit der Einführung in den nächsten Kliniken. Mobile Teams ziehen im Zuge des Roll-outs von Klinik zu Klinik. So profitiert jede Klinik unmittelbar von den Erfahrungen, die an den bereits umgestellten Häusern gemacht wurden. Nach diesem Blueprint-Prinzip gehen wir bei sämtlichen System- und Prozessanpassungen vor. Für Kliniken ist das sehr komfortabel, denn sie können sich darauf verlassen, dass intensiv geprüfte und erprobte Systeme und Prozesse zügig eingeführt werden. Dafür müssen sich die Häuser mitunter etwas gedulden. Bei 170 Einrichtungen braucht es seine Zeit, bis wir alle sukzessive umgestellt haben.

Welche Rolle spielt das KHZG für die Digitalisierungs-Aktivitäten von Asklepios?

Das Krankenhauszukunftsgesetz hat noch einmal einen spürbaren Impuls gegeben. Die Förderung ist eine wertvolle Hilfe! Ich finde jedoch, die Bezeichnung "Zukunfts"-Gesetz hier nicht ganz passend. Denn wir sind aktuell an einem Punkt, an dem es weitgehend immer noch um die digitale Grundausstattung geht: WLAN in allen Kliniken, Netzwerke, Konnektivität, IT-Sicherheit, Datenströme. Wir könnten die 10-fache Summe in die digitale Zukunft unserer Krankenhäuser investieren. Unser Wunsch-Szenario mussten wir deshalb auf die Must-have-Projekte für die nächsten Jahre zusammenstreichen. Cloudbasierte Lösungen, der breite Einsatz von KI - dafür reicht das Budget bei Weitem nicht. Es geht im Rahmen des KHZGs also eher um die digitalen Basics, nicht um ein Zukunftsszenario mit modernster Robotik im OP.

Wo sehen Sie Asklepios in fünf Jahren?

Patientenportale werden in fünf Jahren in der Breite etabliert sein. Neben der stationären und ambulanten Behandlung wird auch die digitale Betreuung der Patientinnen und Patienten eine wesentliche Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen. Wir verstehen uns perspektivisch als digitaler Gesundheitsdienstleister, der die ambulante, stationäre und rehabilitative Behandlung auf der Basis digitalisierter, sektorenübergreifender Patientendaten und Prozesse flexibel orchestriert. Dabei bieten wir mit unseren in der Fläche verfügbaren Einrichtungen auch die unmittelbare Nähe zu den Patientinnen und Patienten. Expertenwissen werden wir standortunabhängig für eine bestmögliche Behandlung nutzen können, dank digitaler und virtueller Möglichkeiten des Austauschs und der Zusammenarbeit. Unser Ziel ist es, unabhängig vom Standort überall flexibel die gleiche, sehr gute Behandlungsqualität gewährleisten zu können.

Zur Person:

Henning Schneider treibt seit Oktober 2016 als CIO die Digitalisierung des Asklepios Konzerns voran. Zuvor war er in vergleichbarer Position am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) tätig, wo er die Verantwortung für die medizinischen IT-Systeme und die Umsetzung der elektronischen Patientenakte trug. Henning Schneider wurde im Jahr 2015 mit dem Preis "CIO of the Year" in der Kategorie "Innovation" vom CIO-Magazin und der Computerwoche ausgezeichnet.

Thieme Compliance

Thieme Compliance ist mit über 30 Jahren Markterfahrung ein verlässlicher Partner rund um Patientenaufklärung und -kommunikation. Neben einem breiten Angebot an medizinisch und juristisch fundierten Aufklärungsprodukten bieten wir maßgeschneiderte Lösungen zur Optimierung Ihrer Prozesse rund um die Patientenaufnahme, Patientenaufklärung und Dokumentation. Thieme Compliance ist eine 100% Tochtergesellschaft der Thieme Gruppe.