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Medizinische ForschungBundesforschungsministerium setzt auf Künstliche Intelligenz

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert mit 9,6 Millionen Euro das Projekt „Cancer Scout“, ein Gemeinschaftsvorhaben der Georg-August-Universität Göttingen und der Siemens Healthineers. Die Wissenschaftler arbeiten an einer „digitalen Biopsie“, die mithilfe Künstlicher Intelligenz molekuläre Veränderungen in Tumoren erkennen soll.

Förderung von Cancer Scout durch das BMBF
BMBF/Hans-Joachim Rickel

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, Christian Wolfrum, Leiter „New Business Development and Planning“ bei Siemens Healthineers und Prof. Philipp Ströbel, Direktor der Pathologie am Universitätsklinikum Göttingen, bei der Pressekonferenz

Jeder Mensch ist anders, hat seine eigenen körperlichen Besonderheiten und seine eigene genetische Ausstattung. Deshalb spricht auch jeder Krebspatient anders auf eine Chemotherapie an. Um eine Krebstherapie für Patienten maßschneidern zu können, muss das Tumorgewebe molekular-genetisch untersucht werden.

Molekulare Kategorisierung von Tumorzellen durch KI

Dabei wird nach charakteristischen Veränderungen der Tumorzellen, sogenannten Biomarkern, gesucht. Sie erlauben eine Vorhersage darüber, welche Behandlungsmethode wirkt, bilden also die Angriffspunkte für eine zielgerichtete oder personalisierte Krebstherapie. Eine solche personalisierte Tumortherapie ist das Ziel des BMBF-Projektes Cancer Scout. Im Kern geht es um ein Vorscreening von Tumorzellen. Dabei werden mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) Tumorzellen in bestimmte Raster, sogenannte molekulare Subgruppen, eingeordnet und die Therapie darauf abgestimmt. Herkömmliche molekulare Tests sind aufwendig und kostenintensiv.

„Es gibt in Deutschland 1200 Pathologen und jährlich 500 000 Krebsneuerkrankungen“, erklärt Professor Philipp Ströbel, Direktor der Pathologie am Universitätsklinikum Göttingen. Eine flächendeckende Diagnostik aller Krebspatienten sei so nicht machbar. Die „Digitale Biopsie“ von Cancer Scout soll Abhilfe schaffen. Histologische Tumorpräparate werden mit einer KI auf molekulare Veränderungen untersucht. Diese KI wird von Siemens Healthineers entwickelt. „Wir trainieren ein künstliches neuronales Netz anhand pathologischer, genomischer sowie proteomischer Daten“, erläutert Christian Wolfrum, Leiter New Business Development and Planning bei Siemens Healthineers.

„Der Ansatz von Cancer Scout ist einzigartig“

Das Unternehmen verfüge bereits über eine Datenbank mit einer Milliarde radiologischer Aufnahmen, mit denen KI-Systeme trainiert werden können. Diese werde nun um histologische Bilder erweitert. „Der Ansatz von Cancer Scout ist einzigartig“, sagt Wolfrum. In den nächsten zehn bis 15 Jahren seien Medikamente zu erwarten die die Krebstherapie revolutionieren werden. „Doch für diese Revolution ist das Zusammenspiel mit einer gezielten Diagnostik unabdingbar.“ Cancer Scout ist eins von derzeit 62 BMBF-Förderprojekten zum Thema Künstliche Intelligenz in der Medizin. Insgesamt knapp 90 Millionen Euro stellt das BMBF dafür zur Verfügung. „KI leistet einen großen Beitrag, die Diagnostik in der Medizin zu verbessern. Uns ist jedoch bewusst, dass viele dieser Ansätze noch in den Kinderschuhen stecken und erforscht werden müssen“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek anlässlich der Projektvorstellung in Berlin. Diese Investitionen in die Zukunft, so die Ministerin weiter, sollen künftig möglichst noch ausgeweitet werden.

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