
Der NHS sucht im Rahmen eines Programms zur Digitalisierung der Gesundheits- und Sozialversorgung grundsätzlich nach Möglichkeiten zur intelligenten Nutzung sprachgestützter Such-Technologien. Im ersten Schritt hatte die britische Gesundheitsbehörde im Sommer angekündigt, mit dem US-Technologiekonzern Amazon zusammenzuarbeiten, um seine Gesundheitsinformationen zu transportieren. Dafür möchte der NHS den 2016 eingeführten Amazon-Sprachassistenten Alexa einsetzen. Durch einfache Sprachbefehle sollen Patienten in Sekundenschnelle an NHS-geprüfte Gesundheitsinformationen kommen. Der Sprachbefehl wird dabei über spezielle Mikrofone empfangen, die Antwort durch den „Amazon Echo“-Lautsprecher ausgegeben. Die Patienten können Fragen stellen zu Krankheitsbildern und Behandlungsmöglichkeiten, etwa „Alexa, was sind die Symptome von Windpocken?“ Nach Angaben der NHS soll der Algorithmus von Amazon für die Beantwortung der Fragen Informationen von der NHS-Website verwenden. Das Angebot richte sich insbesondere an Ältere, Blinde und andere Menschen, die mit herkömmlichen Mitteln nicht auf das Internet zugreifen könnten, heißt es.
„Durch die Zusammenarbeit werden Menschen befähigt, von zu Hause aus auf professionelle NHS-Beratungsangebote zuzugreifen“, wird Gesundheitsminister Matt Hancock in britischen Medien zitiert. Das verringere zugleich den Druck auf stark belastete Hausärzte und Apotheker. „Durch die enge Zusammenarbeit mit Amazon und anderen Technologieunternehmen können wir sicherstellen, dass Millionen Benutzer, die täglich nach Gesundheitsinformationen suchen, auf Knopfdruck oder per Sprachbefehl einfache, validierte Ratschläge erhalten“, preist der zuständige NHS-Abteilungsleiter die Kooperation mit dem US-Technikkonzern.
Kritik von Datenschützern
Die medialen Wellen schlugen hoch, als der britische NHS die geplante Projektpartnerschaft im Juli bekannt machte. Die hoch sensiblen Gesundheitsdaten dürften nicht einem ausländischen Privatunternehmen überlassen werden, mahnten Kritiker schnell. Auch hierzulande kritisieren Datenschützer die geplante Kooperation und wiesen vor allem auf ungeklärte Fragen im Zusammenhang mit der Einwilligung zur Verarbeitung und Weitergabe von persönlichen Daten hin.
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat sich in einem Gutachten generell mit der „Zulässigkeit der Transkribierung und Auswertung von Mitschnitten der Sprachsoftware Alexa durch Amazon“ beschäftigt. Dabei ging es dem Gremium nicht ausschließlich um die Verwendung von Gesundheitsdaten, sondern auch um weitere Einsatzfelder. So kritisierte das Gremium, Nutzern sei beim Gebrauch von Alexa häufig nicht klar, wann und in welchem Zusammenhang Daten erhoben werden. Misstrauen wecken vor allem die Möglichkeiten, die Nutzer abzuhören, ohne dass ihnen das bewusst wird. Die Aktivierung der Sprachsoftware geschehe regelmäßig versehentlich, ohne dass der Nutzer dies bemerke, rügte der Wissenschaftliche Dienst. Alexa sendet aufgenommene Sprachdaten an die Server von Amazon, wo diese transkribiert und weiterverarbeitet werden. Der Sprachbefehl des Nutzers wird in der Amazon Cloud als Audiodatei gespeichert. Wie lange, darüber macht Amazon bislang keine Angaben. Auch seien künftige weitere Nutzungsabsichten nicht transparent.
Ausblick
In Zukunft könnte die Einbindung von Alexa in die Gesundheitsversorgung sogar noch einen Schritt weitergehen. Vor einem Jahr wurde dem Konzern in den USA ein Patent für eine neue Einsatzmöglichkeit seines Sprachassistenten zuerkannt: Ein Algorithmus soll den digitalen Sprachassistenten in die Lage versetzen, Krankheiten am Klang der Stimme zu erkennen. In Deutschland hat Amazon außerdem den Arzneimittelmarkt im Visier: Die Kölner Kooperation Pillentaxi probt den Einsatz von Alexa zur Unterstützung der Apothekensuche. Patienten können sich Öffnungszeiten vorlesen lassen oder sogar ein Pillentaxi zur Rezeptabholung bestellen.





Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen