KRITIS

Gesundheitswesen besonders im Hackerfokus

Bisher profitiert die Medizintechnik enorm durch neue Technologien - seitdem Gesundheitseinrichtungen allerdings im Fokus internationaler Hacker stehen, sieht die Lage anders aus.

Schreiben auf Tastatur

Foto: Pixabay

Symbolfoto

"Während sich manch Krankenhaus zum digitalen Vorzeigeprojekt entwickelt hat, wurde die Bedeutung der IT-Sicherheit in den Infrastrukturen deutlich unterschätzt", sagt Andreas Schlechter, Geschäftsführer von Telonic. Laut Lagebericht zur IT-Sicherheit des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) liegt die Gesundheitsbranche auf dem vierten Platz bezogen auf das Meldeaufkommen von Hackerangriffen auf kritische Infrastrukturen (KRITIS).

Digitale Viren greifen an

Während Ärzte direkt am Krankenbett über Tablet-Computer auf virtuelle Patientenakten, Diagnosen, Blutwerte, Röntgenaufnahmen und vieles mehr zugreifen können, zeigen sich die Risiken der digitalen Viren um so drastischer. Eine geschlossene Notaufnahme und Probleme bei der Patientenbehandlung waren erst im September die Folge eines Angriffes auf die Ameos-Klinik in Bremerhaven, der 24 Stunden andauerte. "Es war schlicht Glück, dass nur ein Krankenhaus dieser Gruppe betroffen war. Durch Vernetzungen innerhalb eines Kliniknetzes können auch leicht mehrere Krankenhäuser über eine Sicherheitslücke angegriffen werden", warnt Andreas Schlechter von Telonic. Tatsächlich betreibt die Ameos-Gruppe nach eigenen Angaben 77 Einrichtungen an 41 Standorten, betroffen war jedoch nur der Standort Bremerhaven.

Grundversorgung in Gefahr

Bei anhaltenden Attacken, die das Ausmaß von Wannacry & Co erreichen könnten, ist eine Gefährdung der medizinischen Grundversorgung nicht auszuschließen. Bereits 2016 brach der gesamte Betrieb eines Krankenhauses im nordrhein-westfälischen Neuss zusammen. Die Klinik war Opfer eines Trojaners, der im Krankenhausnetzwerk Daten verschlüsselte. Statt digitaler Führungsposition wurde der Betrieb schlagartig ins Papierzeitalter zurückgeworfen.

Auch die Unternehmensberatung Roland Berger warnt mit der "Krankenhausstudie 2017" und gibt alarmierende Daten aus: Von 500 befragten Krankenhäusern gaben 64 Prozent an, schon einmal Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein. Doch die tatsächlichen Zahlen könnten noch höher liegen: "Die Intensität und verdeckte Operation solcher Attacken wird noch deutlich zunehmen. Das Gesundheitswesen muss sich und die Daten schützen, um die Patienten vor Schaden zu bewahren", sagt Andreas Schlechter von Telonic.

  • Schlagwörter:
  • Hacker
  • KRITIS
  • Medizintechnik

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren