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kma im InterviewIntelligente Pflaster als medizinische Wearables auf dem Vormarsch

Warum sind die smart patches bei den Herstellern so beliebt?

Weil sie vergleichsweise unkompliziert sind. Ein amerikanisches Unternehmen TracPatch, das üblicherweise Gelenkimplantate herstellt, hat zwei smart patches entwickelt, die jeweils ober- und unterhalb des Kniegelenks angebracht werden, um nach einer Operation den Heilungsprozess zu überwachen. Die Sensoren messen exakt, wie sich der Patient bewegt und wie er das Knie bewegt. Ebenso wird die Wärmeentwicklung überwacht, was Hinweise auf eine mögliche Entzündung geben kann. Außerdem erkennt das Pflaster wenn Reha-Übungen durchgeführt werden und gibt dem Patienten Feedback zur Übungsausführung in der dazugehörigen Patienten-App. Zusätzlich gibt es eine App für den betreuenden Mediziner. Das Unternehmen hatte ursprünglich auch über ein smartes Implantat nachgedacht, aber die Idee wieder verworfen. Die Anforderungen und Herausforderungen für die Zulassung wären zu hoch gewesen. Das intelligente Pflaster ist genau der richtige Weg.

Was halten Sie von Bettsensoren, beispielsweise auf einer Intensivstation?

Bettsensoren sind sehr interessant, gerade weil sie Vitalfunktionen sehr akkurat messen können. Die Technologie ist bereits verfügbar, aber ihr Einsatz scheitert derzeit, wie bei vielen Wearables, an den hohen Kosten für die Zulassung und der schwierigen Integration ins KIS. Im Kern geht es nicht darum, neue Technologien zu entwickeln, sondern die vorhandenen zu integrieren.Eine generell sehr spannende neue Technologie für den Medizinmarkt ist NarrowBand IoT, eine Technologie, die langsam flächendeckend zum Einsatz kommt. Komplett wird diese mit dem neuen LTE Standard verfügbar sein.

Was ist das Besondere an NarrowBand IoT?

NarrowBand IoT ist ein internationaler Standard, der auf LTE aufsetzt und in Gebäuden eine sehr gute Netzabdeckung bietet. Die Sensoren von Wearables können sich direkt mit dem NarrowBand IoT Netzwerk verbinden und ihre Daten in die Cloud senden. Eine WLAN-Infrastruktur oder ein dedizierter Hub werden nicht benötigt. Die NarrowBand IoT Technologie hat bei der Datenübertragung einen sehr geringen Stromverbrauch, sodass Wearables auch über einen längeren Zeitraum Daten von einem Patienten direkt in die Cloud senden können. Die Technologie erlaubt die Übertragung von kleinen Datenmengen – beispielsweise kann damit die Überschreitung gewisser Grenzwerte kommuniziert werden, nicht aber die Übertragung eines EKGs.

Werden sich Wearables in fünf oder zehn Jahren im Krankenhaus etabliert haben?

Manche smart patches wie das FreeStyle Libre von Abbott sind richtige „game changer“. Das Pflaster misst fortlaufend den Blutzuckerspiegel und sendet die Daten via NFC zu einer Auswerteeinheit. Wenn zum Beispiel ein Kind an Diabetes 1 erkrankt, muss zur Einstellung des Blutzuckers zunächst mehrmals am Tag und auch in der Nacht der Blutzuckerwert gemessen werden. Ein intelligentes Pflaster, das diese Arbeit abnimmt, erhöht die Lebensqualität aller Beteiligten. Wenn solche „game changer“ eine Begeisterung bei den Patienten auslösen, werden auch die Ärzte verstärkt mit diesen Produkten in Verbindung kommen. Dann setzt hoffentlich ein Umdenken ein.

Dieser Artikel ist in der aktuellen kma Special MEDICA 2018 erschienen.

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