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Big Data auf dem Gesundheitswirtschaftskongress

„Datenschutz ist was für Gesunde“

Big Data war lange Spielwiese von Informatikern. Doch jetzt interessieren sich immer mehr Klinikmanager für das Thema. Einer von ihnen ist UKSH-Chef Jens Scholz. Er diskutiert auf dem Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg (21. bis 22. September) unter anderem mit Barbara Böttcher von IBM über Digitalisierung.

UKSH

Jens Scholz ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Zuvor war der 57-Jährige in Kiel Klinikdirektor für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin.

Herr Professor Scholz, Sie sind in letzter Zeit häufig auf dem Podium zu sehen, wenn es um das Thema Health-IT und Big Data geht. Zuletzt auf dem Hauptstadtkongress und einer Veranstaltung von Philips am Rande des HSK. Und jetzt demnächst wieder auf dem Gesundheitswirtschaftskongress. Warum interessiert Sie das Thema so sehr?

Big Data und Robotik revolutionieren das Gesundheitswesen. Als Arzt freue ich mich darüber sehr. Denn wenn es bessere digitale und mechanische Chancen für kranke Menschen gibt, ist dies ein Segen. Mit Big Data schaffen wir eine personalisierte, extrem zielgerichtete Diagnostik und Therapie – das ist ein gewaltiger Fortschritt. Meistern müssen wir die Herausforderung des wichtigen Datenschutzes. Wer krank ist, dem hilft die Datenwelt und er ist dankbar, wenn der Arzt nicht nur die gesamte Medizinliteratur zum konkreten Fall abrufen, sondern seine Ergebnisse mit großen Fallmengen abgleichen kann. Wer Gesund ist, hat eher Interesse am Schutz seiner Daten.

 

Aber die Sicherheit der Health-IT hat in letzter Zeit sehr gelitten, ich möchte nur an die Cyber-Attacken in Nordrhein-Westfalen erinnern …

Gegen Kriminalität ist niemand gefeit – aber das UKSH stellt sich dieser Herausforderung. Vor wenigen Jahren haben wir eines der modernsten Rechenzentren Europas gebaut, um die Daten unserer Patienten bestmöglich zu schützen und die IT-Entwicklungen der Zukunft zeitnah zu antizipieren. Auf dem Weg zum digitalen Universitätsklinikum stehen wir auf dem hohen Sicherheitsstandard TIER 4, verfügen über Frühwarnsysteme und ein IT-Personal, das in der Lage zu akuten Eingriffen ist. Genauso schulen wir Mitarbeiter durch Computerhacker, um unsere Aufmerksamkeit zu erhöhen und verborgene Schwachstellen sichtbar zu machen.

 

Wie weit ist Big Data in deutschen Krankenhäusern gediehen? Gibt es bei Ihnen konkrete Projekte?

Ich schätze, dass nur ein Viertel aller Krankenhäuser in Deutschland eine hinlängliche IT-Strategie hat. Big Data ist in der Universitätsmedizin unmittelbar im Fokus: Bei uns verfügt die Biomedizin beispielsweise über Deutschlands größte Sequenzierplattform. Sie ermöglicht dem Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“, unserer Onkologie mit der molekularen Pathologie oder dem Komplex Gehirn, Hormone, Verhalten“ nicht nur neue Diagnostik- und Therapieverfahren zu entwickeln, sondern diese in Teilen auch zu individualisieren. Eine Kernkomponente ist die Forschung direkt am Patienten, die aufgrund der notwendigen großen Kohorten zu sehr großen Datenmengen führt. Gerade die Annotation von Big Data in den medizinischen Lebenswissenschaften sind wichtige inhaltliche Expansionszonen einer zukünftig erfolgreichen klinischen Forschung und Krankenversorgung.

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