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Uniklinikum MannheimBewährungsstrafe für Ex-Geschäftsführer im Hygieneskandal

Im langen Verfahren um einen Hygieneskandal am Mannheimer Klinikum hat das Landgericht Mannheim den ehemaligen Klinik-Geschäftsführer zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Justizia
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Symbolfoto

Der ehemalige Geschäftsführer des Universitätsklinikums Mannheims, Alfred Dänzer, wurde im Hygieneskandal-Prozess jetzt zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Er habe als Betreiber von Medizinprodukten gegen das Medizinproduktegesetz in besonders schwerem Fall verstoßen und zwischen 2007 und 2014 die Gesundheitsgefährdung von Tausenden Patienten in Kauf genommen, argumentierte das Gericht am Montag.

Der Verwaltungswirt habe Aufgaben für die Beseitigung vom Regierungspräsidium Karlsruhe zu Recht monierter gravierender Mängel bei der Sterilisierung an Untergebene delegiert. Diese hätten kaum Ahnung gehabt, seien nicht eingewiesen, nicht kontrolliert und nicht mit den nötigen Mitteln ausgestattet worden. Um das Abarbeiten einer behördlichen Mängelliste von 2007 habe er sich nicht gekümmert. «Er hat als Geschäftsführer einer sehr großen Klinik seine Hausaufgaben vorsätzlich nicht gemacht», resümierte der Vorsitzende Richter Ulrich Bunk. Die Uniklinik nimmt im Jahr rund 18 000 Eingriffe vor.

Drei Monate der Strafe gelten als vollstreckt. Überdies soll der 72-Jährige 75 000 Euro an verschiedene Projekte des Uniklinikums zahlen. Dänzer habe Aufgaben für die Beseitigung gravierender Mängel bei der Sterilisierung an Untergebene delegiert, die davon kaum Ahnung hatten und die er nicht kontrollierte.

Verteidiger ist unzufrieden mit Urteil

Der Verteidiger des Ex-Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft kündigte Rechtsmittel an. «Das Urteil ist so falsch wie ein Urteil nur sein kann.» Das Gericht habe den Fokus auf Vorsatz zuungunsten der Fahrlässigkeit gelegt, kritisierte er. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Urteil, hatte sie doch auf zwei Jahre auf Bewährung plädiert.

Er hatte beantragt, das Verfahren einzustellen, da seinem Mandanten nur Fahrlässigkeit vorzuwerfen sei und die fahrlässige Tat verjährt sei. Der Angeklagte hatte sich damit gerechtfertigt, dass er von den ihm unterstellten Führungskräften nicht über Missstände informiert worden sei. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Urteil, hatte sie doch auf zwei Jahre auf Bewährung plädiert. Sie sieht als eines der Motive für die sträfliche Untätigkeit des Ex-Klinikmanagers den Kostendruck im Gesundheitswesen an.

Erste Berichte tauchten schon 2014 auf

Erstmals gelangten gruselige Details 2014 aus dem Universitätsklinikum Mannheim an die Öffentlichkeit. Jahrelang hatten Chirurgen dort offenbar mit verschmutzten Instrumenten operiert, an denen angeblich sogar Blut und Knochensplitter klebten. Diese Berichte hatten die Uniklinik Ruf, Patienten und Millionen-Einnahmen gekostet. Überdies wurden hohe Investitionen in die Sterilisation fällig. Auch die Suche nach Personal gestaltete sich für das Haus der Maximalversorgung nach der Affäre schwierig.

Wundinfektionen nach Operationen hatten nicht zweifelsfrei mit Versäumnissen in der Sterilgutaufbereitung in Verbindung gebracht werden können. Hinzu komme die fehlende Fachkunde eines Großteils der damaligen Mitarbeiter in der Abteilung für Sterilgutaufbereitung, auf die der Ex-Manager schon 2002 als Vize-Geschäftsführer aufmerksam gemacht worden sei.

Das Mannheimer Universitätsklinikum mit rund 5000 Mitarbeitern ist nach eigenen Angaben bundesweit das einzige in kommunaler Hand: Während die Fakultät der Universität Heidelberg und damit dem Land zugerechnet wird, gehört die Krankenversorgung zur Stadt.

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