
Der Ausbruch des Coronavirus am größten Potsdamer Krankenhaus, dem Klinikum Ernst von Bergmann, hat personelle Konsequenzen. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) entschied nach eigenen Angaben, die beiden Geschäftsführer Steffen Grebner und Dorothea Fischer vorerst zu beurlauben.
RKI unterstützt Krisenstab
Seit Mitte März hatten sich Corona-Infektionen in dem Klinikum gehäuft, das rund eine halbe Million Menschen versorgt. Experten des RKI eilten zu Hilfe und kritisierten unter anderem, dass Umzüge ganzer Stationen die Virusübertragung begünstigt haben könnten. Bisher starben 39 Covid-19-Patienten in der Klinik. Seit 1. April gilt ein Aufnahmestopp für neue Patienten außer für Notfälle.
Die personelle Entscheidung gelte bis zur abschließenden Bewertung, ob jenseits der vom Robert Koch-Institut (RKI) benannten Mängel weitere organisatorische und hygienische Defizite den Ausbruch und die Verbreitung des Coronavirus begünstigt hätten, sagte Schubert am Donnerstag. Die Beurlaubung gelte ab kommendem Samstag für ein halbes Jahr. Fischer bleibe aber Chefärztin der Frauenklinik. Eine unabhängige Kommission soll die Krise aufarbeiten.
Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz?
Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft, ob sich drei leitende Ärzte und die Geschäftsführer strafbar gemacht haben - dabei geht es um Meldepflichten. Sie untersucht auch eine Strafanzeige der Deutschen Stiftung Patientenschutz gegen die Geschäftsführung und Ärzte des Klinikums zum Verdacht des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und der fahrlässigen Tötung.
Alles müsse getan werden, „damit das Klinikum Ernst von Bergmann als Maximalversorger wieder ans Netz gehen kann“, sagte der Oberbürgermeister. Die Geschäftsführer hätten zugesagt, einen Zwischenbericht zum Virusausbruch wie von der Landesregierung gefordert bis Freitag vorzulegen. „Dies ist eine Grundlage, um wieder Patienten aufnehmen zu können“, sagte Schubert.
Kommissarische Geschäftsführer sind Schmidt und Stecke
Zweite Voraussetzung sei ein Konzept zur Wiederaufnahme, für das die künftigen kommissarischen Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt und Tim Steckel sowie Berater von Kienbaum bis Ende kommender Woche einen Vorschlag machen wollten. Potsdams Linksfraktionschef Stefan Wollenberg sagte, er habe sich die Beurlaubung schon vergangene Woche gewünscht.
Der künftige kommissarische Geschäftsführer Schmidt sagte: „Wir haben nach wie vor Covid-Befall und -Infektionen überall.“ Er leitet das Lausitz Klinikum Forst, das mehrheitlich von der Klinikgruppe Ernst von Bergmann betrieben wird. Steckel, kaufmännischer Direktor des Bergmann-Klinikums, zeigte sich zuversichtlich: „Wir wollen zügig, wenn wir es dürfen, wieder hochfahren.“ Die Klinik soll in drei Bereiche aufgeteilt werden: in weiß als coronafreie Stationen, in grau mit Verdachtsfällen und in schwarz für Infizierte.
Kommission zur Aufklärung
Am vergangenen Wochenende hatte die Geschäftsführung erstmals Fehler eingeräumt. Eine unabhängige Expertenkommission soll nun Hintergründe untersuchen - unter Leitung von Brandenburgs Ex-Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) als Teil einer Doppelspitze. Der Marburger Bund Berlin/Brandenburg hält eine umfängliche Aufklärung für nötig. „Jetzt gibt es die Chance, durch externe Gutachter aufzuklären, wie es zu dieser Situation kommen konnte und auch mehr Transparenz in das Verfahren zu bringen“, sagte Geschäftsführer Reiner Felsberg.
Kommissarische Geschäftsführer
Der neue Übergangsgeschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt übernahm nach Stationen als Klinikpflegedienstleitung in einer Universitätsklinik und Verwaltungsdirektor eines konfessionellen Krankenhauses ab 2016 die Geschäftsführung der Lausitz Klinik Forst. Er war zudem von 2014 bis 2019 unter anderem Kaufmännischer Direktor des Klinikums Westbrandenburg, welches ebenfalls zur Klinikgruppe Ernst von Bergmann gehört. Der gelernte Krankenpfleger und Gesundheitsökonom Hans-Ulrich Schmidt verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Management.
Tim Steckel ist seit Januar 2017 Kaufmännischer Direktor des Klinikum Ernst von Bergmann. Der studierte Wirtschaftsingenieur gehört der Klinikgruppe seit 2008 an und hat seit Anfang 2020 auch die Geschäftsführung des Klinikum Westbrandenburg und seit 2014 die Geschäftsführung der Cateringgesellschaft am Klinikum Ernst von Bergmann inne. Tim Steckel verantwortet darüber hinaus seit 2014 die Geschäftsbereichsleitung Finanzen, Controlling und strategische EDV des Klinikum Ernst von Bergmann. Kurz nach seinem Start in der Klinikgruppe übernahm er die Kaufmännische Leitung der Poliklinik Ernst von Bergmann und leitete diese bis 2010. Zuvor war er am Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg, in verschiedenen Managementpositionen tätig.




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