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Rhön-Fresenius-DealEs dauert länger als gedacht

Commerzbank-Analyst Volker Braun rechnet damit, dass bis Jahresende der Übergang von 70 Prozent der 43 Kliniken Rhön-Kliniken zu Fresenius ausverhandelt ist. Die Gespräche mit einigen Kommunen verzögern den Deal.

Fresenius-Chef Ulf Schneider rechnet damit, dass ein Großteil der Kliniktransaktionen bis Ende 2013 abgeschlossen ist. Reibungslos läuft der Deal allerdings nicht ab. Probleme bereiten Fresenius die Fremdbeteiligungen an zehn der 43 zum Verkauf stehenden Rhön-Kliniken. Die Lage ist unübersichtlich, da die Anteilseigener – meist Kommunen – sehr unterschiedliche Verträge ausgehandelt haben. Am weitreichendsten sind die Rechte offenbar für Dachau. Die bayerische Stadt ist zwar nur mit 5 Prozent an den Amper Kliniken, die mit einem Jahresergebnis von 17 Millionen Euro ein Filet-Stück der Rhön Klinikum AG sind, beteiligt. Ein mehrere hundert Seiten dickes Vertragswerk sichert der Stadt aber bei einem Verkauf durch Rhön ein Rückkaufrecht zu. Auch die Stadt Pforzheim, ebenfalls mit 5 Prozent am ortsansässigen 500-Bettenhaus von Rhön beteiligt, verfügt über das Rückkaufrecht. Die hessische Stadt Wiesbaden hat dagegen trotz 51-prozentiger Beteiligung an den Horst-Schmidt-Kliniken kein Rückkaufrecht, könnte sich aber gegen einen Verkauf an Helios und für den Verbleib bei Rhön entscheiden. Das wäre für Rhön bindend.

Infotabellen zum Rhön-Deal

Einkaufsliste 1:43 Rhön-Kliniken
Einkaufsliste 2:MVZ, Servicegesellschaften, Sonstige
Fresenius-Angebote im Vergleich:April 2012 und September 2013
Kartellrecht:Rhön & Helios in einzelnen Regionen
Die Neue Rhön:Was bleibt übrig
Umsätze der Klinikriesen:Die Top 4

Einige Kommunen können schachern
Pforzheims Bürgermeister schätzt den Preis für die Rhön-Klinik in seiner Stadt auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Dass Kommunen Rhön-Kliniken zurückkaufen, schließen Experten aus, weil sich Kommunen die Akquisition nicht leisten können. Dennoch ist der Deal der zwei Klinikgiganten für sie eine Chance: Kommunen können nachverhandeln. In Wiesbaden laufen derzeit Gespräche zwischen Rhön, Helios und der Stadt. Die Grünen-Fraktion hat bereits einen Forderungskatalog aufgestellt. Neben der Verpflichtung auf Tarifverträge und Kündigungsschutz solle die Stadt für den geplanten Klinikneubau konkrete Vorgaben für eine "zukunftsweisende, multifunktionelle Bauweise" machen. So oder ähnlich wird derzeit an mehrere Standorten geschachert. Am längsten könnte es in Dachau dauern. Die Stadtverordnenten werden sich erst im Februar 2013 entscheiden, ob sie das Rückkaufsrecht wahrnehmen. Commerzbank-Analyst Volker Braun rechnet damit, dass bis Jahresende der Übergang von 70 Prozent der 43 Kliniken ausverhandelt ist.

Das Kartellamt hat eine schnelle Entscheidung innerhalb eines Monats angekündigt. Schließlich prüft die Behörde die Materie nicht zum ersten Mal. Das Amt hatte sich bereits Mitte letzten Jahres mit einer Rhön-Helios-Fusion beschäftigt. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass es an drei Orten in den neuen Bundesländern sowie in Cuxhaven kritische Überlappungen zwischen Helios- und Rhön-Kliniken gibt (siehe Infotabelle). Die Zuversicht bei Fresenius und seiner Kliniktochter Helios, dass der Deal diesmal klappt, ist aber schon jetzt groß: Helios schmiedet eifrig am neuen Konzern. Anfang Oktober lud Helios-Chef Francesco De Meo die Kaufmännischen Leiter der 43 Rhön-Kliniken in die Berliner Zentrale zum Kennenlernen ein. Kurz darauf durften die Ärztlichen und Pflegedirektoren ihren Antrittsbesuch machen. Zuvor hatte sich der Helios-Chef bereits in einer Mail an die Führungskräfte der 43 Kliniken gewandt.


Rest-Rhön: Über 200 Millionen zum Investieren
Fresenius will für die 43 Rhön-Klinken 3,07 Milliarden Euro bezahlen – fast genauso viel, wie der Konzern noch im April 2012 für die gesamte Rhön-Klinikum AG mit 54 Kliniken geboten hatte (3,11 Milliarden). 66 Prozent von Rhön gehen damit an Fresenius oder anders gesagt: zwei von drei Umsatzmilliarden. In der neuen Rhön AG bleiben nach dem Deal 10 Kliniken an fünf Standorten übrig: Bad Berka, Bad Neustadt, Frankfurt Oder sowie die Uniklinikstandorte in Gießen und Marburg (UKGM). "Geht man davon aus, dass Rhön 13,80 Euro pro Aktie ausschüttet und seine Nettoschulden von 800 Millionen Euro begleicht, blieben dem Konzern noch deutlich mehr als 200 Euro für Investitionen", erklärt Krankenhausexperte Hartmut Schmidt. Welche Strategie hinter dem Rest von Rhön steht, ist unklar. Die Häuser liegen alle in Mitteldeutschland sind aber sonst sehr unterschiedlich. Commerzbank-Analyst Braun malt dennoch eine positive Zukunft für Rhön: Die Kliniken Bad Berka (2012: 15 Millionen Euro) und Frankfurt Oder (2012: 6,3 Millionen Euro) liefern gute Jahresergebnisse, Bad Neustadt macht leichtes Plus und bei der defizitären Uniklinik Gießen Marburg geht Analyst Braun von einem Turnaround in den nächsten Jahren aus.

Zwei Aufsichtsratsposten werden in den nächsten Tagen neu besetzt
Schwer vorstellbar scheint derzeit allerdings, dass Rhön langfristig eigenständig bleibt. Zumal der Medizintechnikkonzern B.Braun angekündigt hat, er wolle seine Rhön-Anteile von derzeit über zehn Prozent aufstocken und sich so einen Aufsichtsratsposten bei Rhön sichern. Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es, dass zwei Aufsichtsratsposten bei Rhön in den nächsten Tagen neu besetzt werden. Spekulationen, dass B.Braun als Gegenspieler von Fresenius in den Klinikmarkt einsteigt und die zehn Rhön-Kliniken als Einstieg kauft, schießen ins Kraut. Auch die Variante, dass der Rest von Rhön vom Fresenius-Konkurrenten Asklepios übernommen werden könnte, wird gehandelt. Mehr als Gerüchte sind das aber nicht. Die nächste Hauptversammlung der Rhön-Klinikum AG ist am 12. Juni 2014.

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