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Katheter-assoziierte InfektionenFallzahlen deutlich reduzieren

Der Anteil von Katheter-assoziierten Infektionen bei nosokomialen Infektionen ist groß, die Kosten sind hoch. Häufigste Ursache ist dabei die Hygiene. Ist diese einwandfrei, können Sepsis-Fälle weitgehend verhindert werden.

Für rund 90 Prozent aller durch Gefäßzugänge verursachten Infektionen sind zentrale Venenkatheter verantwortlich. Auf 60.000 bis 90.000 Sepsis-Fälle jährlich schätzt das Kompetenznetz Sepsis die Zahl der Fälle, die durch einen Krankenhausaufenthalt bedingt sind. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht von rund 30.000 Sepsis-Fällen pro Jahr aus, die durch einen zentralen Venenkatheter im Krankenhaus verursacht werden. Die daraus resultierenden Kosten aufgrund der längeren Liegedauer der Patienten sind hoch. Auf mindestens 10.000 bis maximal 30.000 US-Dollar beziffern US-amerikanische Studien die Zusatzkosten. Eine italienischen Studie geht von 16.000 Euro pro Fall aus. Und nach einer deutschen Untersuchung, die von Martin Wernitz vom Berliner Vivantes Klinikum auf Basis des Krankenhaus-Vergütungssystems DRG durchgeführt wurde, verursachen Sepsis-Fälle durch MRSA einen zusätzlichen Aufwand für das Krankenhaus von durchschnittlich 8.500 Euro.

Fachgerechte Hautdesinfektion
„Gerade bei immunschwachen Patienten ist das Infektionsrisiko besonders hoch“, stellt Joachim Lösch fest.  Lösch ist Business Director Central Europe des Medizintechnologieunternehmens Becton Dickinson (BD). „Die fachgerechte Hautdesinfektion und Katheterpflege ist deshalb von größter Bedeutung, um den Therapieerfolg zu sichern und gefährliche Komplikationen wie Blutstrominfektionen oder postoperative Wundinfektionen zu vermeiden“,  fügt der BD-Experte hinzu. Becton Dickinson entwickelt und vertreibt unter anderem Gerätesysteme, medizinische Einmalartikel wie Einwegspritzen sowie intravenöse Katheter und Lösungen für die Hautdesinfektion. Ende 2014 übernahm Becton Dickinson den kalifornischen Rivalen CareFusion, der das Infektions-Präventionssystem ChloraPrep entwickelt hatte. „ChloraPrep reduzierte das Auftreten von chirurgischen Wundinfektionen um 41 Prozent und verminderte Zentralvenenkatheter-assoziierte Infektionen der Blutbahn um 62 Prozent“, wirbt Lösch mit den Ergebnissen einer medizinischen Studie für das Produkt. Das System zur Hautantiseptik ist einfach zu handhaben: Die sterile Lösung befindet sich bis zur Aktivierung in einer Glasampulle; eine Kontamination kann somit ausgeschlossen werden. Der Applikatorschwamm ermöglicht ein kontrolliertes Auftragen des Präparats, während selbst Bakterien in den unteren Zellschichten erreicht werden.

Denn die häufigste Ursache von Katheter-assoziierten Infektionen ist die Hygiene. Ist diese einwandfrei, können Sepsis-Fälle infolge von zentralen Venenkathetern weitgehend verhindert werden. So soll nach Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko) der Katheter täglich inspiziert und der Verband täglich gewechselt werden. Transparenzverbände soll man alle sieben Tage wechseln.

Um die Verbreitung von Keimen in der Klinik zu vermeiden und den Umgang mit Antibiotikaresistenzen zu verbessern, hat das Universitätsklinikum Heidelberg jetzt in Kooperation mit Becton Dickinson eine vollautomatisierte Laborstraße für das Patienten-Screening und die mikrobiologische Diagnostik eröffnet. Ziel ist, rund 26 Stunden nach Probeneingang ein Ergebnis liefern zu können. Bisher vergehen zwischen 48 und 72 Stunden, bis die Erreger identifiziert und mögliche Resistenzen ausgetestet sind.

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