Es hatte sich abgezeichnet, heißt es in der "Stuttgarter Zeitung": Vor gut zwei Wochen war die geburtshilfliche Belegabteilung im Nagolder Krankenhaus "bis auf Weiteres" eingestellt worden. Akuter Personalmangel hatte die Geschäftsleitung des Klinikverbunds Südwest, zu dem die Kreiskliniken Calw-Nagold gehören, zu diesem Schritt veranlasst. Ein 24-Stunden-Betrieb sei aus arbeitsrechtlichen Gründen, insbesondere aber auch aus Verantwortung gegenüber den schwangeren Patientinnen und den Neugeborenen nicht mehr möglich.
Elke Frank: Gefahr von "Organisationsverschulden"
Laut einer Mitteilung seien zu wenig Belegärzte bereit gewesen, die geburtshilfliche Abteilung aufrecht zu erhalten, zudem gebe zu wenige Hebammen. Bei einer Weiterführung mit einer dünnen Personaldecke hätte man ein "Organisationsverschulden" riskiert, zitiert die "Stuttgarter Zeitung" die Geschäftsführerin des Klinikverbunds, Elke Frank. Der Aufsichtsrat, der Calwer Landrat Helmut Riegger, verwies darauf, dass den schwangeren Patientinnen innerhalb des Klinikverbunds die Krankenhäuser in Herrenberg sowie in Böblingen zur Verfügung stünden.
Jährlich 430 Neugeborene in Nagold und 356 in Calw
Mit dieser Schließung nimmt der Aufsichtsrat vorweg, was ein vor kurzem vorgestelltes Gutachten zur strategischen Weiterentwicklung der defizitären Krankenhäuser in Calw und Nagold unter anderem empfohlen hatte. "Die Geburtshilfe sollte bei allen drei Szenarien in Kooperation mit dem Krankenhaus Herrenberg erbracht werden", heißt es in der Zusammenfassung. 1.000 Geburten werden aus fachlicher und wirtschaftlicher Sicht für eine Klinik gefordert. 2012 wurden gerade einmal 430 Neugeborene im Nagolder und 356 im Calwer Krankenhaus gezählt. Der Fortbestand für die Calwer Geburtshilfe ist für den Aufsichtsratsvorsitzenden Riegger jedoch gesichert. Diese sei "völlig anders" aufgestellt und mit fünf Ärzten in einer gemeinsamen Praxis besser organisiert.


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