
Im am 8. Februar 2021 vorgelegten Projektbericht beleuchten das RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung und die Technische Universität Berlin im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Erlössituation und das Leistungsgeschehen in den Kliniken von Januar bis September 2020. Der Fokus lag hierbei auf den Folgen der Corona-Pandemie, die die Kliniken vor große wirtschaftliche Herausforderungen stellte, unter anderem auch aufgrund der Freihaltung und des Ausbaus ihrer Intensivkapazitäten. Die ab dem 16. März 2020 geltende Freihaltepauschale wurde bei den Analysen berücksichtigt. Als Vergleichsgrundlage dienten unter anderem ebenfalls die krankenhausindividuellen Struktur‐ und Leistungsdaten des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) für die Monate Januar bis September der Jahre 2018 bis 2020.
Entwicklung des Leistungsgeschehens
Insgesamt ging in den ersten neuen Monaten des Corona-Jahres die Patientenzahl in Kliniken um 15,5 Prozent zurück, was einer Gesamtanzahl von 2,1 Millionen Patienten gleichkommt. Dieser Rückgang stellte sich ziemlich genau mit der 12. Woche ein (-24,6 Prozent zum Vorjahr) und verstärkte sich in den kommenden drei Wochen noch (-40,9 Prozent). Obwohl danach wieder mehr Patienten behandelt wurden, wichen die Zahlen noch bis zur Kalenderwoche 29 deutlich vom Vorjahr ab.
Erlössituation in den Kliniken
Der Case-Mix-Index belief sich im Beobachtungszeitraum auf 4,1 Prozent. Der Daymix-Index stieg in der gleichen Zeit um 1,5 Prozent, wobei das Daymix-Volumen sich um 12 Prozent reduzierte. Die Verweildauer in somatischen Kliniken erhöhte sich minimal um 0,6 Prozent, was mit dem CMI korrelieren könnte - wie die Forscher vermuten. Diese Entwicklung war in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken nicht zu beobachten. Hier sank die Verweildauer um 2,6 Prozent. In allen Bereichen ging die Auslastung um zehn bis 13 Prozent zurück.
In den somatischen Kliniken erhöhte sich der durchschnittliche Netto-Erlös um + 2,4 Prozent. Psychiatrische und psychosomatische Kliniken konnten ein Zuwachs um 14,4 Prozent verzeichnen – wobei jedoch nach Größe und Art der Kliniken differenziert werden muss. Je mehr Betten und größer die Klinik, desto geringer die Erlösänderungen. Plus: Je mehr schwerwiegende Fälle behandelt wurden, desto geringer die Erlöszuwächse. In den psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken zeigten gerade Kliniken mit 500 Betten und mehr überdurchschnittliche Erlöszuwächse auf.
Zusammenfassung
Im Untersuchungszeitraum wurden zum Teil deutlich weniger Patienten stationär behandelt als 2019. Dabei kam es in den ersten fünf Monaten des Jahres, während der sogenannten ersten Covid-Welle zu einem Rückgang um 30 Prozent. Auch in den kommenden Monaten hielt diese negative Tendenz an. Zwischen Juni und September betrug der Rückgang bei der Anzahl stationärer Behandlungen immer noch 10 Prozent.
Zurückzuführen war dies nicht ausschließlich auf den Einbruch bei elektiven Operationen. Vor allem ambulant-sensitive Indikatoren hatten eine größere Auswirkung auf das Geschehen.
Im Hinblick auf die Betrachtung der Gesamtsituation stellt der Bericht fest: vor allem das individuell-persönliche Risikovermeidungsverhalten spielte eine große Rolle. Hier war der Effekt deutlich größer als die Effekte der durch Kliniken initiierten Absage von Behandlungen.
Detaillierte Informationen zum Projektbericht finden Sie beim Bundesgesundheitsministerium.


Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen