Asklepios

Klinikkonzern mustert Langarmkittel für Ärzte aus

Der Klinikkonzern Asklepios kleidet Ärzte und Pflegepersonal in seinen rund 100 Einrichtungen deutschlandweit neu ein. Der klassische langärmlige Arztkittel wird von April an ausgemustert, kurze Ärmel sind angesagt.

Es gibt in Deutschland bisher nicht viel mehr als eine Handvoll Kliniken, in denen Ärzte aus Hygienegründen auf etwas verzichten müssen, das ihren Kollegen in Großbritannien und Holland schon vor über fünf Jahren genommen wurde: der traditionelle, langärmelige Arztkittel. In der Ubbo-Emmius-Klinik in Ostfriesland entschied die damalige hygienebeauftragte Ärztin 2012: An den beiden Standorten Aurich und Norden (insgesamt 580 Betten) dürfen Ärzte keine langärmeligen Kittel mehr tragen. "Ein harter Kampf", resümiert Susanne Nolte. "In Einzelfällen wurden auch Abmahnungen ausgesprochen." Ende 2015 folgte die Roland-Klinik (160 Betten) in Bremen. Die Ärzte hätten das Langarmkittel-Verbot gelassen hingenommen, hieß es im "Weser Kurier".

Neue Kleidung auch für Krankenschwestern
Weil diese Krankenhäuser aber so klein sind und große PR vermutlich nicht ihre Sache ist, blieben kurzärmelige Arztkittel in der Branche bisher Randnotiz. Das dürfte sich nun ändern: Im April beginnt der Klinikkonzern Asklepios die 4.000 Ärzte in seinen bundesweit rund 100 medizinischen Einrichtungen nach und nach mit Kurzarmkitteln auszustatten – als erstes sind die Klinik Hamburg und die Kliniken Schildautal in Seesen dran.

In diesen Häusern werden die langärmeligen Arztkittel im April durch kurzärmelige ersetzt – im Zuge einer kompletten Wäsche-Neuausstattung. Es wird dann nur noch für Chefärzte einen Kittel für repräsentative Zwecke geben. Auch Krankenschwestern und Pfleger erhalten neue Kleidung, die sich in der Farbgestaltung von den Kasacks und Hosen der nicht examinierten Kräfte unterscheiden wird.

Patienten haben Angst vor Ansteckung
Asklepios begründet seinen Vorstoß mit einer eigenen repräsentativen Befragung. Nach dieser fürchten sich 65 Prozent der Antwortenden vor einer Ansteckung mit einem multiresistenten Keim während eines Krankenhausaufenthalts. "Mit unserem Vorstoß zeigen wir, dass wir die Sorgen ernst nehmen und an dem Thema Hygiene arbeiten", sagt Konzerngeschäftsführer Kai Hankeln. Außerdem folgt Asklepios damit den Empfehlungen der WHO und der beim Robert-Koch-Institut (RKI) ansässigen Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko).

Es gibt laut WHO bisher zwar nur wenige Belege für eine wirkliche Gefahr – weshalb übrigens auch Helios nach eigener Aussage noch keine Veranlassung zum Umschwenken sieht. Doch Arne Simon vom RKI ist überzeugt, dass eine Übertragung von Krankheiten durch langärmelige Kittel sehr leicht möglich ist. Hygiene-Expertin Susanne Nolte gibt ein Beispiel: "Da braucht doch der Arzt nur mal mit dem Ärmel über die Haut des einen Patienten zu schleifen, später über den Arm eines anderen – und schon besteht die Gefahr einer Übertragung."

Großzügige Interpretation der Vorschriften
Rüdiger Herbold, Vorstand der Beratung ZeQ führt noch ein ganz anderes Argument ins Feld: "Allgemein beobachten wir in vielen Krankenhäusern, dass der ärztliche Dienst die Hygienevorschriften besonders großzügig interpretiert. Insofern ist die Initiative von Asklepios nicht nur Erfolg versprechend im Sinne einer besseren Hygiene: Sie fördert auch das Bewusstsein insgesamt für das Thema Hygiene im ärztlichen Dienst."

In der Februarausgabe der kma (Erscheinungstermin 10.2.) lesen Sie die komplette Titelgeschichte: Wie Mediziner durch elektronische Zeiterfassung und Kurzarmkittel ihren Nimbus verlieren und  ganz normale Arbeitnehmer werden.

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Kommentare (1)

  1. Kittel als Repräsentation

    02.02.2016, 09:43 Uhr

    Mag sein, dass der Arztkittel eine Art Statussymbol ist oder war. Es wurde ja auch schon viel dazu geschrieben, dass man den Rang eines Mediziners am Inhalt seiner Kitteltaschen ablesen kann. Je mehr in den Taschen ist, um so niedriger der Rang. Ich kann die Mediziner verstehen, dass sie um ihren sichtbaren Status trauern. Wenn man aber mal öfters in einer Krankenhauskantine war und sieht wie dort die Kittel gerne mal über den Stuhl gehängt werden und dann auf dem Boden den sichtbaren und unsichtbaren Dreck aufnehmen, dann ist es mir doch lieber, wenn die Mediziner auf ihren Kittel verzichten. Und es gibt ja durchaus durch die Farbauswahl die Möglichkeit, zwischen Pflegekräften und Medizinern zu unterscheiden.

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