Otto Melchert hatte große Ziele. Schon 2011 wollte der frühere Sana-Manager in den drei Regio Kliniken Pinneberg, Elmshorn und Wedel eine schwarze Null schreiben. Melchert - inzwischen im Ruhestand – verordnete dem übernommenen Klinikbetrieb einen Spar- und Sanierungskurs, senkte den Verlust von rund 12 Millionen Euro (2009) auf 2,5 Millionen Euro (2010). Schwarze Zahlen schreibt Sana auch in diesem Jahr nicht. Auch eine Folge von Altlasten.
Im April 2009 übernimmt Sana 74,9 Prozent vom Kreis Pinneberg, führt das operative Geschäft. Der Klinikbetrieb stand vor der Pleite – eine Folge von Größenwahn, Missmanagement, Dilettantismus möglicherweise gepaart mit Bestechung, Bestechlichkeit und Verstöße gegen das Vergaberecht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt u. a. gegen den früheren Geschäftsführer. Im Dezember soll ein erstes Verfahren beginnen.
Das Drama der Regio-Kliniken begann 2006. Aufsichtsrat und Kreistag beschließen einen Masterplan mit integrierten Versorgungsketten. Unter Geschäftsführer Alexander Schlick kauft oder gründet das Unternehmen fast zwei Dutzend Firmen: Alten- und Pflegeheime, Altenzentrum, Hospiz, Sanitätshaus, Fitnessstudio, ambulante Pflegedienste, gründet zahlreiche MVZ. Bald schreibt der Betrieb Verluste, der Schuldenberg steigt 2008 auf über 75 Millionen Euro, das Eigenkapital schrumpft. Im April 2009 kommt Sana.
Melchert übernimmt das Ruder, kündigt eine schwarze Null an, doch das Haus –Umsatz zuletzt 149 Millionen Euro – kommt finanziell nicht aus dem Knick. Wurde die Aufgabe unterschätzt? Hauptproblem für Regio Sprecher Sebastian Kimstädt: „Die Kosten steigen schneller als die Leistungen.” Man stehe im harten Wettbewerb, auch zu Hamburger Kliniken, die höhere Fallpauschalen erhielten. Man strebe „ein Krankenhaus an drei Standorten” an: „Wir sind strukturell noch nicht aufgestellt wie gewünscht.”
Gleichzeitig lastet ein millionenschwere Altlast auf dem Betrieb, die Folge eines umstrittenen „Sales and lease back”- Geschäfts. Zur Beschaffung von Liquidität verkaufte der klamme Klinikbetrieb 2008 seine Immobilien für 102 Millionen Euro an Banken, um diese dann stückchenweise über 25 Jahren zurückzukaufen. Sana löste den Vertrag auf, zahlte noch Vorfälligkeitszinsen – und plötzlich lasteten 116 Millionen Euro auf dem Betrieb. Dieser Betrag plus Zinsen muss jetzt abgestottert werden, an Mutter Sana und dem Kreis Pinneberg als Minderheitsgesellschafter. Konkrete Zahlen nennt Kimstädt nicht, räumt aber offen ein, ohne diese Altlast stünde der Klinikbetrieb „besser” da.
In Duisburg müssten offenbar 100 Millionen Euro investiert werden
In Duisburg möchten die Ratsherren den Sana-Konzern offenbar loswerden. Die Aufstockung der Anteile um zwei auf 51 Prozent, von Sana mehrfach gefordert, lehnte der Rat kürzlich erneut. Man wolle kein Tafelsilber verscherbeln, Kliniken dienten der öffentlichen Daseinsvorsorge. Offenbar gibt es unterschiedliche Strategien zur Ausrichtung der Klinik, wie z. B. die Ausgründung medizinferner Bereiche.
Das operative Geschäft – Sana führt die Klinik per Managementvertrag – sorgt für Konflikte. Die der Stadt in dieses Jahr in Aussicht gestellte Dividende von einer Millionen Euro blieb aus, statt einem erwarteten Gewinn von 7,3 Millionen Euro rutschte das Klinikum 2012 in die roten Zahlen. Es muss dringend investiert werden, von 100 Millionen Euro ist die Rede. Die Stadt hat kein Geld, ohne eine Mehrheit will Sana offenbar kein Geld in den Klinikbetrieb schießen.
Jetzt flirtet die rot-rot-grüne Mehrheit im Rat der Stadt offen mit der Berufsgenossenschaftlichen Unfall Klinik (BGU). Sie soll die Anteile der Stadt (51 Prozent) übernehmen, und möglichst auch die von Sana. Das lehnt der private Klinikkonzern ab. Jetzt prüfen externe Anwälte im Auftrag des Rates, ob und wie eine Rückabwicklung des Einstiegs von Sana möglich ist. Dieser liegt sechs Jahre zurück.
Die Stadt Duisburg hatte Sana 2007 von einer schwarz-grünen Koalition unter dem früheren Bürgermeister Adolf Sauerland (2007) als Minderheitsgesellschafter geholt. Die Ratsmitglieder, die 2007 den Einstieg von Sana absegneten, kannten keine Details, sie wurden aus Wettbewerbsgründen unter Verschluss gehalten. Jetzt wissen die Stadtvertreter – zumindest nicht offiziell – ob ein Ausstieg möglich ist oder ob Sana sogar eine Option oder Vorkaufsrecht besetzt.
Auch am Rande des Spreewalds bleibt Sana Minderheitsgesellschafter im Klinikums Lübben. Der Landkreis Dahme-Spreewald lehnte eine Aufstockung der Gesellschafteranteile um zwei auf 51 Prozent ab. Der Kreis bleibt weiterhin Mehrheitsgesellter des Klinikums mit seinen zwei Standorten in Lübben und Königs Wusterhausen.


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