Die Klinik hat als eine der ersten in Deutschland sämtliche schriftlichen Dokumente aus Bettenstationen, Untersuchungszimmern und Operationstrakten verbannt. Von der Aufnahme der Patienten bis zu ihrer Entlassung werden alle Befunde in einer elektronischen Krankenakte, der sogenannten EPA, gesammelt. Die Besonderheit: Die Ärzte haben die EPA selbst entwickelt. "Als wir uns vor sechs Jahren zur elektronischen Dokumentation entschlossen, gab es kein geeignetes oder bezahlbares Produkt", erinnert sich Konrad Kastl, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm. "Deshalb haben wir die elektronische Patientenakte kurzerhand selbst programmiert." Kein leichtes Unterfangen an einer modernen Universitätsklinik mit vier OP-Sälen und Untersuchungsabteilungen, zwei Stationen und einem Intensivbereich sowie einer stark frequentierten Ambulanz. Mehr als 12.000 Patienten werden jährlich ambulant und stationär versorgt. Doch das Basiskonzept war bereits 2005 fertig. Schon im darauffolgenden Jahr wurden die ersten Aufgaben wie Dienst- oder Operationspläne an den Computer "delegiert". Danach erweiterten die Ulmer die elektronische Patientenakte nach und nach.
Seit Kurzem ist auch die Ambulanz papierfrei. Alle Dokumente, die der Patient in die Klinik mitbringt, werden bei der Anmeldung gescannt und dem Patienten sofort zurück gegeben. "Das nächste Schriftstück, das bei uns erstellt wird, ist der Entlassungsbrief an den weiterbehandelnden Arzt", so Kastl. Innerhalb der Klinik werden sämtliche Informationen, vom Ergebnis im Hörtest über die Ultraschalluntersuchung bis zum OP-Bericht, nur noch elektronisch gespeichert und weitergeleitet.
Das hat Vorteile für Ärzte und Patienten. "Es gibt keine unleserlichen Einträge und doppelten Untersuchungen mehr", erläutert Kastl. Auch die nervenaufreibende Suche nach verlegten Unterlagen entfalle, da jederzeit alle Informationen in der elektronischen Krankenakte eingesehen werden können. Das spart nicht nur Zeit, in der sich der Arzt wieder mehr dem Patienten zuwenden kann. Es würden auch weniger Fehler gemacht.
Nicht überall haben Mediziner gute Erfahrungen mit elektronischen Krankenakten gemacht. "Es gibt Kliniken, in denen weder Zeit noch Kosten gespart werden", weiß Kastl. "Auch in Ulm waren die Widerstände innerhalb der Klinik deshalb nicht unerheblich." Inzwischen seien aber auch weniger computerbegeisterte Mitarbeiter überzeugt. Kastl führt dies darauf zurück, dass die Ärzte die Akte selbst konzipiert haben. Es sei kein Produkt, das am Reißbrett fernab jeglicher Praxisrealität entstanden sei, so Kastl. Es sei ein Programm von Ärzten für Ärzte sowie Pflegepersonal und andere Klinikmitarbeiter. Auch die Verwaltung profitiere, da alle erbrachten Leistungen zeitnah erfasst und ohne zusätzliche Büroarbeit für Ärzte über das System abrechenbar seien. "Unsere elektronische Krankenakte zeichnet sich durch eine einfache Struktur, intuitive Bedienbarkeit und eine ‚aufgeräumte’ Oberfläche aus." Es gebe kaum Einarbeitungsphasen und keinen relevanten Schulungsbedarf. Vergleichbare käufliche Produkte suche man bislang am Markt vergebens.


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