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KlinikmarktÜbernahmewelle nimmt Fahrt auf

Mit der größten Übernahme seit mehreren Jahren kommt wieder Bewegung in die deutsche Krankenhaus-Branche.

Der Fresenius-Konzern mit seiner Kliniksparte Helios will knapp 95 Prozent an der im Norden starken Damp-Gruppe, dem siebtgrößten privaten Klinikbetreiber in Deutschland, übernehmen. Branchenkenner gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten Krankenhäuser in Kiel, Offenbach, Wiesbaden oder auch Duisburg voll oder teilweise privatisiert werden, um Geld in die leeren Kassen der Kommunen zu spülen.

Als Interessenten für solche Objekte werden neben Fresenius vor allem die Konkurrenten Rhön-Klinikum sowie Asklepios und Sana gehandelt. Derzeit seien mehr Projekte auf dem Markt als im vergangenen Jahr, sagte der Rhön-Klinikum-Chef Wolfgang Pföhler jüngst. Der Transaktionsmarkt scheint wieder Fahrt aufgenommen zu haben, denn auf die deutschen Krankenhäuser kommen magere Jahre zu. Bis zum Jahr 2020 werden ohne Gegenmaßnahmen voraussichtlich etwa zehn Prozent von derzeit rund 2.000 deutschen Kliniken ihre Pforten schließen, heißt es in einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Seit dem Jahr 1991 hat sich in den Kliniken nach RWI-Berechnungen ein Investitionsstau von mittlerweile 14 Milliarden Euro angehäuft. Besonders für kleine Häuser in kommunaler Trägerschaft werden die nächsten Jahre wirtschaftlich hart.

Bei dem Verkauf kommunaler Kliniken an private Klinikbetreiber schlagen die Emotionen hohe Wellen. Befürworter sprechen von einer Erfolgsgeschichte und verweisen auf den Verkauf des Klinikums Gießen und Marburg an die Rhön-Klinikum AG. Kritiker warnen hingegen vor Arbeitsplatzabbau und hohem Arbeitsdruck. Schon seit dem zweiten Jahr in privater Hand schreibt das Klinikum schwarze Zahlen. 2009 machte das Klinikum einen Umsatz von 500,3 Millionen Euro und fuhr einen Gewinn von 4,8 Millionen ein. 2005 hatte es noch einen Verlust von 15 Millionen Euro ausgewiesen.

Rhön-Klinikum hatte 2009 eine Finanzspritze über 460 Millionen Euro aufgezogen. Doch die Mittel aus der Kapitalerhöhung wurden von dem MDax-Konzern bisher kaum genutzt. Damals rechnete die Führungsriege um Rhön-Chef Pföhler damit, dass Kommunen rasch ihre Kliniken verkaufen, um mit den Erlösen ihre Kassen zu füllen. Geschehen ist bisher wenig. Dies dürfte sich nach Einschätzung von Fachleuten nun ändern: Bei den zum Verkauf stehenden Salzlandkliniken soll die Schweizer Ameos-Gruppe den Zuschlag erhalten haben. Und in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden wird seit Juni eine Lösung für die Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) gesucht. 49 Prozent sollen an einen Investor verkauft werden.

Mit der jetzigen Übernahme der Damp-Gruppe entsteht der mit Abstand größte deutsche Klinikverbund mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Den Kaufpreis schätzen Branchenbeobachter auf etwas weniger als einen Jahresumsatz der Damp-Gruppe. Im Markt kursiert ein Barkaufpreis von 290 Millionen Euro. Einschließlich der Übernahme von Schulden wird mit rund 450 Millionen Euro gerechnet. Nach Umsatz ist Helios fünf Mal so stark wie die Damp-Gruppe. Damp hatte 2008 noch rote Zahlen geschrieben und im vergangenen Jahr ein Sanierungsprogramm eingeleitet.

Helios will nach dpa-Informationen auch beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mitmischen, dem einzigen Kranken-Maximalversorger im Norden. Zwar ist die lange Zeit von der schwarz-gelben Koalition mit ins Kalkül gezogene Vollprivatisierung des Klinikums mit 10.600 Beschäftigten in Kiel und Lübeck inzwischen vom Tisch. Das Land hält an der öffentlich-rechtlichen Trägerschaft fest. Die Gebäude der Krankenversorgung sollen aber verkauft und von Privaten saniert werden. Das Klinikum, das bis 2010 ein Defizit von 130 Millionen Euro angehäuft hat und nach Einschätzung des Landesrechnungshofes im Grundsatz pleite ist, mietet sie dann zurück.

Insgesamt 17 Unternehmen haben sich am Markterkundungsverfahren beteiligt, darunter Krankenhausbetreiber wie Helios. "Wir sind dabei, die Ausschreibung für einen sogenannten wettbewerblichen Dialog vorzubereiten", sagte der Sprecher des Wissenschaftsministeriums in Kiel, Harald Haase. Dieses Verfahren ist eine Premiere im Norden und wird angewandt, weil für das beschlossene Projekt keine hinreichenden Erfahrungen vorliegen. Anders als bei einer klassischen Ausschreibung mit klaren Vorgaben bis ins Detail bleibt hier Spielraum für den weiteren Verlauf, um gemeinsam mit den Bewerbern den besten Weg zu finden. Anfang 2014 ist als Baubeginn im Visier. Wer zum Zuge kommt, wird einen dicken Fisch an der Angel haben: Es geht zunächst um einen Sanierungsbrocken von 340 Millionen Euro.

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