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Kliniken fordern KurswechselAppell an die Bundesregierung zum 44. Deutschen Krankenhaustag

Dr. Josef Düllings und Dr. Gerald Gaß verlangen von der neuen Bundesregierung einen „Kurswechsel in der Krankenhauspolitik?!“, getreu dem Thema des 44. Deutschen Krankenhaustags, der parallel zur Medica stattfindet. 

Change Management
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Symbolfoto

Anlässlich der Eröffnung des 44. Deutschen Krankenhaustags am 15.11.2021 in Düsseldorf, der parallel zur Medizinmesse Medica stattfindet, fordern Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), und Dr. Gerald Gaß, Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), einen Wechsel in der deutschen Krankenhauspolitik und appellieren an die neue Bundesregierung.

Die Politik solle auf die Wissenschaft hören

Die Krankenhausgesellschaft hat der Politik bei der Pandemie-Bekämpfung folgenschwere Versäumnisse vorgeworfen und eindringlich vor einer Überlastung der Kliniken gewarnt. „Die Lage in deutschen Krankenhäusern ist dramatisch in vielen Regionen", sagte Gaß in Düsseldorf. Schwerkranke Patienten müssten bereits regional und überregional verlegt werden. Auf den Intensivstationen würden aktuell 3100 Covid-19-Patienten versorgt und ein Spitzenwert von 4000 Patienten werde nicht zu verhindern sein. Man sei in großer Sorge, „dass es noch darüber hinausgeht". Der Frust in den Kliniken sei groß.

Er nannte es einen schweren Fehler, dass es noch immer keinen kontinuierlich tagenden Krisenstab mit Wissenschaftlern und Medizinern gebe. Eine neue Bundesregierung müsse das dringend nachholen, mahnte er mit Blick auf die aktuellen Koalitionsgespräche von SPD, Grünen und FDP für eine Ampel-Regierung.

Von akutem Handlungsbedarf angesichts einer Sieben-Tage-Inzidenz von 303 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche sprach auch der Präsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte (VLK), Michael Weber. Man werde dringende Operationen aufschieben müssen. Schwerkranke Patienten würden unverschuldet Schaden nehmen, weil sich andere Bürger nicht impfen lassen wollten. Die Politik solle auf die Wissenschaft hören.

Gaß fordert „Rettungsschirm 3.0"

In der neuen Legislatur müsse man schnell gegensteuern und investieren, das Pflegepersonal vor körperlicher und seelischer Überlastung schützen, sagte Sabine Berninger vom Bundesvorstand des Berufsverbands für Pflegeberufe. Gaß forderte einen „wirksamen Rettungsschirm 3.0" für die Kliniken. Da viele die Regelversorgung in der Pandemie zurückgefahren hätten, um für Covid-19-Patienten paratzustehen, seien teils erhebliche Verluste entstanden. Auch bei der Digitalisierung brauche es mehr Tempo und Investitionsmittel in Milliardenhöhe, schilderte der Verband der Krankenhausdirektoren bei der Online-Veranstaltung.

Ein neues Finanzierungssystem müsse her

„Ein Kurswechsel in der deutschen Krankenhauspolitik ist überfällig. Wenn wir eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung in Stadt und Land wollen, müssen die Weichen dafür zügig gestellt werden. Zügig, aber nicht mit Schnellschüssen, wie wir sie immer wieder erlebt haben. Strukturveränderungen, wie sie ohne Zweifel notwendig sind, werden allen Akteuren viel Kooperationsbereitschaft abverlangen. Etwas, das in den vergangenen Jahren häufig verlorengegangen ist“, erklärte der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Dr. Josef Düllings.

Wenn sich alle Beteiligten offenbar darüber einig seien, dass eines der großen Themen der nächsten Jahre die Vernetzung der Anbieter von Gesundheitsleistungen innerhalb der Sektoren und über die Sektoren hinweg ist, muss allen, auch der Politik, klar sein, dass es ohne erhebliche Investitionen nicht gehen wird. Investitionen in die Infrastruktur und vor allem auch in die Digitalisierung sind dafür zwingende Voraussetzungen.

Für die Krankenhäuser schließe sich hier die nächste Herausforderung an – das an seine Grenzen gekommene Finanzierungssystem. Das Fallpauschalensystem brauche zwingend einen Neustart, weil es mit seiner Durchschnittsorientierung vor allem kleine und große Häuser benachteilige, in finanzielle Schwierigkeiten bringe und damit inzwischen auch die flächendeckende Versorgung gefährde.

Masterplan Deutsches Krankenhaus in Angriff nehmen

Fazit des VKD-Präsidenten: „Die Komplexität des Gesundheitssystems macht es nicht einfach, einen Kurswechsel in Angriff zu nehmen. Viele gute Ideen und Projekte sind über die Jahre versandet, weil es kein gemeinsames Wollen gab, weil oft auch vom grünen Tisch entschieden wurde, ohne die Praktiker mit einzubeziehen. Deshalb ist die Forderung unseres Verbandes an die Politik seit Jahren, endlich einen Masterplan Deutsches Krankenhaus in Angriff zu nehmen, denn die Krankenhäuser sind ohne Frage die Anker der Gesundheitsversorgung“, betonte der VKD-Präsident.

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