Automatisierung

Arzneimittel-Logistik im Krankenhaus

Logistik, Gebäudetechnik und Effizienzsteigerung der Betriebsabläufe: Der wirtschaftliche Druck zwingt immer mehr Krankenhäuser dazu, die Optimierungspotenziale auszuschöpfen.

Medikamentenabgabe

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Symbolfoto

Eine fehlerhafte Dosis oder ein falsches Präparat – Zeitdruck und eine Unachtsamkeit bei der Medikation ziehen meistens gravierende Folgen nach sich. 20 000 Krankenhausaufenthalte lassen sich pro Jahr auf Probleme in der Medikation zurückführen, hat die Stiftung Patientensicherheit Schweiz ausgerechnet. Dabei ist die Arzneimittelabgabe in den meisten Kliniken nach wie vor ein manueller Prozess. Häufigste Fehlerquellen: falsche Beschriftungen oder eine missverständliche Liste von Präparaten. Besonders risikobehaftet sind außerdem die Schnittstellen wie die Patientenaufnahme und -entlassung, wenn es darum geht, die richtige Medikation einzuhalten.

Aber nicht nur die Patientensicherheit ist gefährdet, ökonomisch birgt der Medikationsbereich Optimierungspotenziale. Denn einerseits können Patienten gegen Irrtümer bei der Medikamentenabgabe klagen, was auch dem Ruf der Klinik schadet. Und andererseits sind die logistischen Prozesse bei der Verteilung von Arzneimitteln häufig ineffizient, wenn beispielsweise jede Station über ein eigenes Lager verfügt, anstatt Medikamente über eine zentrale Stelle zu beziehen.

 

Elektronische Patientenakte
Nicht zuletzt deshalb überlegen Kliniken inzwischen, ob und wie sie Prozesse in der Arzneimittel-Logistik verbessern können. Denn laut einer Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Gallen werden rund 7–12% der Sachkosten für die krankenhausinterne Logistik ausgegeben. Das Logistikunternehmen Swisslog hat deshalb automatisierte Ansätze für Krankenhäuser entwickelt Dabei steht das Konzept der Einzeldosis, Unit Dose, im Vordergrund: Klinikapotheken verpacken die ihnen gelieferten Arzneimittel zunächst selbst um Um sie in das gewünschte Verpackungsformat zu bringen und damit eine Feinverteilung zu ermöglichen, wird die jeweilige Tablette oder Ampulle in eine Tüte gelegt, die wiederum mit einem Barcode zur eindeutigen Identifikation versehen ist.

Jeder Patient erhält dann die individuelle Dosierung in Form von mehreren Plastiktüten, die an einem Ring befestigt seien, erläutert Volker Jungbluth, Leiter Strategic Research & Development Sobald der Patient ein Arzneimittel zu sich nimmt, scannt eine Pflegekraft den Vorgang ein. Damit lässt sich der Verbrauch lückenlos dokumentieren und außerdem die richtige Dosierung sicherstellen. Falls Tabletten nicht benötigt werden, können diese einfach wieder zurückgegeben werden. Erforderlich dafür ist allerdings eine elektronische Patientenakte mit einer entsprechenden Software, in der sämtliche Daten gespeichert sind.

Krankenschwestern und Pflegekräfte gewinnen dank der Prozessautomatisierung wieder mehr Zeit für Patienten Und je grösser das Krankenhaus ist, desto mehr Zeitspareffekte lassen sich über einen zentralen Einkauf sowie ein einheitliches Lager erzielen, was wiederum die Kosten senkt Neben diesen klassischen Einspareffekten steigert sich gleichzeitig die Effizienz, was sich an der Zahl der Arzneimittel ablesen lässt, die ein Angestellter verteilt. Und die Zahl der Patienten-Fälle, die sich auf unerwünschte Folgen einer fehlerhaften Arzneimittelabgabe zurückführen lassen, sinkt.

 

Supply-Chain-Management
Das Logistikunternehmen mit Erfahrung im Medikamenten- und Supply-Chain-Management im Gesundheitswesen hat jetzt vom Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil (SPZ), einer der renommiertesten Spezialkliniken in Europa für Querschnittgelähmte, den Auftrag erhalten, die Medikamentenlogistik im stationären und ambulanten Apothekenbetrieb zu automatisieren. Dadurch soll die Patientensicherheit verbessert und die Effizienz gesteigert werden.

Das zukünftige Versorgungskonzept besteht aus zwei Schwerpunkten: Erstens aus der stationären Medikamentenversorgung mit patientenspezifischen Einzeldosen (Unit-Dose) und zweitens aus der Versorgung der Krankenhausapotheke mit Originalpackungen. Realisiert wird es mit zwei Swisslog Robotertechnologien TheraPick kommissioniert, verpackt und versieht die Medikamente in Unit-Dose mit Barcode. Die Maßnahme stellt sicher, dass das richtige Medikament dem richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung steht. Und EvoTec ist ein Lagersystem, das eine platzsparende Lagerung der Medikamente unter optimalen Bedingungen ermöglicht und gleichzeitig den manuellen Arbeitsaufwand der internen Logistik sowie der ambulanten Versorgung reduziert.

„Die einzigartige Lösung für das stationäre und ambulante Medikamentenmanagement ermöglicht es dem medizinischen Personal, wieder mehr Zeit für Patienten und klinische Aufgaben zu haben, und verbessert so die Patientenversorgung“, ist Krankenhausapotheker Valentin Habermacher von den Vorteilen überzeugt.

 

Fortschrittliche Apothekenautomatisierung
Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil verfügt derzeit über 150 Betten und wurde seit der Eröffnung 1990 kontinuierlich ausgebaut „Innovation, Wirtschaftlichkeit und Qualität sind wesentliche Voraussetzungen für die Umsetzung unserer hochgesteckten Ziele“, umreißt Hans Peter Gmünder, Direktor des SPZ, die ökonomischen Rahmenbedingungen Mit dieser Automatisierungslösung wird das Schweizer Paraplegiker-Zentrum zu einer Referenz für fortschrittliche Apothekenautomatisierung in der Schweiz und in Europa ist der Mediziner überzeugt. „Wenn die Swisslog-Lösung im Oktober 2017 in Betrieb geht, wird das Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil die erste Schweizer Klinik mit einer vollständig automatisierten Medikamentenausgabe für stationäre und ambulante Patienten sein“, beschreibt Stephan Sonderegger, CEO von Swisslog Healthcare, den Prototypcharakter.

Prozessoptimierungspotenziale stellte auch das Krankenhaus St. Raphael Ostercappeln speziell in der Notfall- und Liegendaufnahme fest. Im regionalen Krankenhaus in Niedersachsen mit 174 Betten werden pro Jahr rund 6000 Patienten stationär und über 11 500 ambulant versorgt Als Kooperationspartner arbeitete die Klinik deshalb mit Hellmann Krankenhauslogistik zusammen. Verfolgt wurde das Ziel, das medizinische Personal von pflegefremden Tätigkeiten zu entlasten. „Denn die zentrale Patienten- und Notfallaufnahme wies sowohl Prozessdefizite als auch ineffiziente Arbeitsabläufe auf, die zu hohen Patientenwartezeiten führten“, fasst Lelio Arlt, Leiter bei Hellmann Krankenhauslogistik die Ausgangslage zusammen Der Logistikspezialist startete mit einer Analyse vor Ort. Dabei wurde der Arbeitsalltag in der Notfall- und Liegendaufnahme, im Hol- und Bringdienst sowie bei den Beteiligten am Belegungs- und Entlassungsprozess erfasst. Die Untersuchung zeigte auf, dass beispielsweise separat geführte Terminbücher für einbestellte Patienten die wirkungsvolle Koordination der Patienten im Klinikprozess erschwerten und somit zu ineffizienten Reibungsverlusten zwischen den Organisationsbereichen führten, analysiert Arlt Raumnutzungsanalysen in der zentralen Notfall- und Liegendaufnahme ergaben, dass sich das Aufkommen auf wenige Behandlungsräume konzentrierte, während andere Räume nicht ausgelastet waren.

Deshalb wurde, um die Patientenströme besser zu steuern, für die Terminkoordination das bestehende Orbis als führendes Management-System festgelegt, neue Zeitkorridore zur Patienteneinbestellung definiert und Vorschläge zur Personalbedarfs- und Dienstplananpassung unterbreitet „Außerdem entwickelte Hellmann Krankenhauslogistik ein verändertes Raumnutzungskonzept mit einer Erweiterung der vorhandenen Räumlichkeiten und prognostizierte die Auswirkung auf die Prozessqualität“, umreist Arlt die Verbesserungen.

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