Schwierige Zeiten meistern

Die Bedeutung der Kommunikation in der Insolvenz

Vielen Kliniken in Deutschland geht es schlecht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht von rund 320 Kliniken, die bundesweit in den vergangenen 20 Jahren geschlossen wurden. Gerade kleinere Häuser, besonders im ländlichen Raum, kämpfen ums Überleben. Trotzdem war Insolvenz lange ein Fremdwort in der Kliniklandschaft.

Eckert Rechtsanwälte

Inzwischen gehören Insolvenzen auch bei Kliniken immer häufiger zur Realität. Ein Mann, der viele Häuser in dieser schwierigen Phase begleitet hat, ist Dr. Rainer Eckert. Seine Sozietät, Eckert Rechtanwälte in Hannover, gehört seit über 25 Jahren zu Deutschlands führenden Insolvenzrechtskanzleien. Immer öfter hat es der 55-jährige inzwischen auch mit Kliniken zu tun. Die Paracelsus-Kliniken wurden ebenso in der Insolvenz von seiner Kanzlei betreut wie aktuell die DRK Krankenhausgesellschaft Thüringen-Brandenburg oder der Gesundheits- und Altenhilfeträger Katharina Kasper ViaSalus.

Fachkräftemangel, Investitionsstau oder der generelle Umbau in der Krankenhauslandschaft haben dazu geführt, dass die wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser schwieriger geworden ist. Rainer Eckert bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Vor zehn oder 15 Jahren wären Kliniken, die jetzt Insolvenz anmelden müssen, vielleicht gar nicht in dieser Lage gewesen“, erläutert der Jurist. „Die Träger hätten das nicht zugelassen, denn eine Insolvenz war stark stigmatisiert.“

Insolvenz als Chance für eine erfolgreiche Sanierung

Dass sich das inzwischen geändert hat, liegt auch an einer Gesetzesänderung. 2012 trat das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) in Kraft. „Damals hat ein Stimmungswandel eingesetzt“, berichtet Eckert. Gerade die Eigenverwaltungsverfahren hätten seither zugenommen. „Immer mehr Krankenhausträger sehen diesen Weg als Chance und nutzen in Zeiten von Haushaltsschwierigkeiten die Insolvenz als probates Mittel zur Sanierung.“ So ist es z. B. leichter, bestehende Verträge zu hinterfragen und gegebenenfalls aufzulösen und auch für eventuell notwendige Maßnahmen zur Personalanpassung gelten etwas andere Voraussetzungen.

Kommunikation ist ein entscheidender Faktor

Das gilt für Kliniken und Unternehmen in allen anderen Branchen gleichermaßen. „Aber natürlich ist es etwas anderes, ob Sie ein Krankenhaus oder einen Schraubenhersteller in der Insolvenz begleiten“, sagt Eckert. Ärzte, Pflegekräfte und alle anderen Mitarbeiter in einer Klinik erbrächten eine sehr persönliche Dienstleistung, die mit einer großen Verantwortung verbunden sei. „Es ist viel Vertrauen gefordert, damit Patientinnen und Patienten, Einweiser, Kostenträger und andere Partner wie z. B. die Politik einem Krankenhaus auch während und nach einer Insolvenz gewogen sind.

Darum ist Kommunikation in der Insolvenz ein entscheidender Faktor.“ Der Fachmann rät, bereits sehr frühzeitig einen Experten an Bord zu holen.Das Aufgabenfeld ist sehr komplex. Es gilt, das Vertrauen der Mitarbeiter zu behalten oder sogar zurückzugewinnen. Zugleich hat man es in der Regel mit einem starken Medieninteresse zu tun und muss auch mit Gläubigern, Einweisern, Kooperationspartner und vielen anderen Stakeholdern kommunizieren. „Ob eine Insolvenz eine Chance für einen Neuanfang ist oder man die Klinik am Ende tatsächlich schließen muss, hängt zu einem großen Teil auch daran, ob die Kommunikation gelingt“, beurteilt Eckert die Situation.

Interne Kommunikation gibt Mitarbeitern Halt in der Ausnahmesituation

Gerade für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist eine Insolvenz eine stark belastende Situation, da die Ungewissheit, ob und wie es in Zukunft weitergeht, verunsichert. Trotz dieses hohen Drucks und der Angst um den eigenen Arbeitsplatz muss das Alltagsgeschäft im Sinne der Patienten reibungslos weiterlaufen. Gerade in der Insolvenz ist vieles ungewohnt. Statt Gehalt gibt es – zumindest drei Monate lang – Insolvenzgeld. Weihnachtsgeld und andere Bonuszahlungen fallen vielleicht weg.

Wer hier vergeblich auf den Gehaltseingang wartet, weil der Arbeitgeber versäumt hat, rechtzeitig über Zahlungsverzögerungen zu informieren, ist zu Recht verärgert und verliert das noch verbliebende Vertrauen. „In der Insolvenz ist das eine große Gefahr“, macht Rainer Eckert deutlich. „Wenn jetzt zu viele Leistungsträger in Ärzteschaft und Pflege kündigen, kann man den Geschäftsbetrieb irgendwann nicht mehr aufrechterhalten, denn Nachbesetzungen werden in einer so unsicheren Situation und beim aktuell existierenden Fachkräftemangel kaum gelingen.“

Transparenz ist wichtig, aber nicht immer im Detail möglich

Damit das nicht passiert, spielt neben einer fortlaufenden Information auch die Vision eine Rolle. Nur wer ein klares Bild von der Zukunft vor Augen hat, wird gemeinsam für den Erhalt der Klinik kämpfen. Doch nicht immer ist es leicht, vollständig transparent zu sein. „Bevor die Verträge mit einem neuen Investor nicht in trockenen Tüchern sind, können wir darüber natürlich nicht reden“, sagt Eckert. Das würden aber auch die Mitarbeiter verstehen, wenn man mit diesen Geboten der Vertraulichkeit offen umgehe.

Er käme als Insolvenzverwalter oft in ein Haus, wenn das Vertrauen in die alte Geschäftsführung bereits beschädigt sei. Die Beschäftigten wünschten sich dann Veränderung und schenkten ihm einen Vertrauensvorschuss. „Ehrlichkeit ist mir daher wichtig“, versichert Dr. Rainer Eckert. „Man kann durchaus sagen, dass man noch nichts sagen kann, aber was man sagt, sollte auch der Wahrheit entsprechen.“

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