"Das sind mehr Todesopfer als im Straßenverkehr", sagte Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein, am Samstag am Rande einer Fachtagung in Bonn. "Es geht darum, teuer verordnete und von den Kassen gezahlte Medikamente auch optimal für den Patienten einzusetzen." Die Bevölkerung werde immer älter, und viele alte Menschen müssten regelmäßig mehrere Medikamenten einnehmen. "Hier müssen wir das Medikationsmanagement noch verbessern und einen zusätzlichen Sicherheitsgurt einbauen."
70 bis 80 Prozent der Apotheken in Deutschland haben bereits eine Datenbank aufgebaut, in der - nur bei ausdrücklichem Einverständnis der Patienten - deren Medikamenten-Daten gesammelt werden. "Der Stammapotheker kann damit sehen, ob Wechselwirkungen zu befürchten sind, ob es Doppelverschreibungen gibt, ob das rezeptfrei gekaufte Medikament passt oder ob eine zusätzliche Überprüfung beim Arzt ratsam ist", erklärte Preis in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Das ist eine doppelte Kontrolle, die sehr sinnvoll ist und institutionalisiert werden müsste."
Bei der Tagung steht auch das zunehmende Problem der Arzneimittelfälschungen in Fokus. "Wir haben weltweit gefälschte Mittel im großen Umfang im Umlauf, größter Einfallsort ist der Versandhandel." Die EU-Kommission warnt sei längerem vor gefälschten Arzneien, die lebensgefährlich sein könnten. Kontrollen in den Mitgliedsländern förderten nach nur zwei Monaten 34 Millionen gefälschte Tabletten zutage. Schätzungen zufolge sind schon 50 Prozent der über Internet vertriebenen Medikamente Fälschungen. "Es gibt hier keine Sicherheit", warnte der Verbandschef.
"Dass Problem ist umso gravierender, wenn man bedenkt, dass auch viele Jugendliche im Internet suchen. Im günstigsten Fall hält das Präparat nicht, was versprochen wurde. Aber im schlimmsten Fall kommt es zu schweren Gesundheitsschädigungen."
Für behördlich registrierte Versandapotheken gibt es allerdings ein Sicherheitslogo des Instituts für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Wer das orange Logo auf der Webseite einer Versandapotheke anklickt, gelangt zu den Eintragungen im DIMDI- Register. Nach Ansicht von Preis ist das Logo leicht zu fälschen. Wer Angst vor gefälschten Logos hat, kann das DIMDI-Register selbst einsehen: versandapotheken.dimdi.de. Verbraucherschützer raten zudem, auf Angaben zu Adresse, Telefonnummer, allgemeinen Geschäftsbedingungen und der zuständigen Aufsichtsbehörde zu achten. Außerdem sollte es eine Beratungshotline geben und die Bestellung verschlüsselt erfolgen.
Der Apothekerverband forderte die Bundesregierung auf, Drogerien nicht weiter als "gewerbliche Zwischenhändler" von Medikamenten zuzulassen. Das im Koalitionsvertrag angekündigte Verbot müsse zügig umgesetzt werden. Preis: "Abholstellen in Drogeriemärkten sind unsicher. Das könnte auch ausufern, bis man sich sein Herzmedikament demnächst an der Tankstelle abholt oder das Insulin erst nach drei Tagen Zwischenlagerung erhält."


Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen