Managerin des Jahres 2010

Ines Manegold

Die kma hat den Manager des Jahres gewählt: Ines Manegold. Die Deutsche ist dabei, Kärntens Landeskrankenhäuser umzukrempeln.

In Kärntens Landeskrankenhäusern tut sich Gewaltiges. Aus dem hoch verschuldeten Staatsunternehmen soll ein moderner, wirtschaftlich arbeitender Krankenhauskonzern werden. Für diese Topmanagementaufgabe hat man sich eine Deutsche geholt: Ines Manegold.

Nix idyllisches Kärnten. In Kärnten kracht es zurzeit – und das ordentlich. Auslöser für den Politkrimi ist die Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft (Kabeg), größter Arbeit- und Auftraggeber im 559.019 Einwohner zählenden Alpenland. Der hoch verschuldete Staatsbetrieb soll flotter gemacht werden – so will es die Kärntner Landesregierung. Allzu augenfällig sind die Verluste geworden, die die Krankenhäuser seit Jahren einfahren. Bei einem Umsatz von 340,1 Millionen Euro im Jahr 2009 betrug der Vorsteuerverlust noch satte 291,3 Millionen Euro. Brutto gleich netto sozusagen, da die Kabeg ja keine Steuern zahlen muss. Das hohe Defizit hat handfeste Gründe: Die Kabeg arbeitet mit völlig veralteten Organisationsstrukturen, die jedem Betriebswirt den Angstschweiß ins Gesicht treiben würden. Sie verfügt weder über einen gemeinsamen Einkauf noch über ein einheitliches IT-System. Die Verwaltung ist aufgebläht: „Aufgeschlüsselt haben wir pro Patient mehr Verwaltungsmitarbeiter als der Pflegedienst”, beschreibt Kurt Scheuch, Aufsichtsratsvorsitzender und Klubobmann der Freiheitlichen Partei Kärntens (FPK) die Zustände in den Krankenhäusern. So begründet er auch einen Initiativantrag seiner Partei, die gemeinsam mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) in Kärnten die Regierung stellt.

Eigenes Gesetz zur Sanierung der Kabeg beschlossen

Zu dem Schuldenloch gesellte sich noch eine ausgewachsene Führungskrise in der Vorstandsetage des Unternehmens, die am 1. März dieses Jahres mit der Berufung von Ines Manegold ihr vorläufiges Ende gefunden hat. Seit 2008 war der Vorstandssessel der Kabeg immer wieder mal vakant gewesen. Nach einer Ausschreibung des Vorstandspostens 2009 warf Manegolds Vorgänger Rolf Eibe Hinrichs nur wenige Minuten vor seiner offiziellen Bestellung durch den Aufsichtsrat den Job wieder hin und trat erst gar nicht an. Manegold war unter den 98 Bewerbern die „Zweitgereihte”, wie man in Österreich formuliert – und nahm den Posten an. Kaum hatte die 44-Jährige ihre Arbeit begonnen, saß sie schon in einer Arbeitsgruppe und werkelte an dem neuen Betriebsgesetz mit: einem Gesetz, das eigens für die Kabeg auf den Weg gebracht wurde, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Krankenanstalten neu zu definieren, und das Modellcharakter für ganz Österreich hat. Dieses Gesetz hat es in sich: So wurde der Aufsichtsrat entpolitisiert und ein Expertengremium installiert, das faktisch die Aufgaben eines Aufsichtsrates übernimmt. Die Teilrechtepersönlichkeit der Anstalt des öffentlichen Rechts wurde aufgegeben: Fortan ist die Kabeg ein Gesamtunternehmen und besteht nicht mehr aus fünf autonomen Krankenhausstandorten. Zwar sollen wegfallende und befristete Stellen nicht mehr wiederbesetzt werden, gleichzeitig bekennt sich die Landesregierung in ihrem Programm aber „zum Erhalt der Krankenhausstandorte und zur Absicherung der Arbeitsplätze”.

Die staatliche Arbeitsplatzgarantie bestätigt auch der Betriebsrat Arnold Auer: „Betriebsbedingte Kündigungen gibt’s bei uns nicht.” Allerdings habe man mehr als 600 befristet angestellte Kollegen. „Wenn die gehen müssen, sind wir auch bei einem Stellenabbau von knapp zehn Prozent.” Die derzeitige Planung sieht im kommenden Jahr vor, 108 Vollzeitstellen abzubauen, davon 98 im Klinikum Klagenfurt. Auch wird der Geldhahn ein wenig zugedreht. Der „Nettogebarungsabgang” – zu Deutsch Betriebskostenzuschuss – soll auf 230 Millionen Euro begrenzt werden. Für die Häuser bedeutet das schlicht, dass sie ihre Ausgaben stärker im Blick haben müssen.

Personalquerelen und heimlich angefertigte Protokolle

All das kommt einer Revolution am Wörthersee und Umgebung gleich. Wenn dann noch Differenzen mit dem inzwischen geschassten Ärztlichen Direktor Matthias Angrés hinzukommen, ist der Stoff für ein Stück am Volkstheater perfekt. Angrés, mit dem Manegold von 2003 bis 2004 am Albertinenkrankenhaus in Hamburg arbeitete, solidarisierte sich mit den Ärzten und dem Betriebsrat gegen den Stellenabbau im ärztlichen Dienst. Die Entlassung von Angrés war für Manegolds politische Gegner und die lokale Presse ein Leckerbissen der feinsten Art. „Kein Wort darüber, dass Angrés vereinbarte Leistungszusagen nicht einhielt”, ärgert sich FPK-Politiker Scheuch. Und als ob die Gemengelage nicht schon genug Sprengstoff ent-hielte, heizen Pannen wie diese den Konflikt weiter an: Der Auszubildende des Kabeg-Anwalts Robert Kugler verließ während einer Betriebsversammlung der Klagenfurter Ärzte trotz Aufforderung nicht den Raum und fertigte gar ein Protokoll an. Wie war das möglich? Auer: „Bei 515 Ärzten, manche kommen in Zivil, manche im weißen Kittel, kriegt man nicht unbedingt mit, wenn jemand einfach sitzen bleibt.” Von Stasi-Methoden und Praktiken wie in Nordkorea war anschließend in der Presse zu lesen. Nicht vermeldet wurde die öffentliche Erklärung Kuglers, dass weder die Teilnahme des jungen Juristen noch das Protokoll der Betriebsversammlung auf Auftrag oder Initiative des Kabeg-Aufsichtsrats beziehungsweise auf Geheiß der Vorstandsdirektorin Manegold stattgefunden haben. Betriebsratschef Auer zweifelt jedoch an der Unschuld Manegolds und strengt eine Unterlassungsklage gegen sie an.

Leistungskonzentration und ver­schlankte Verwaltungsstrukturen

Dabei gibt es alle Hände voll zu tun, den Betrieb wieder fit zu machen. Manegold nennt als die wichtigsten unverzichtbaren Schritte beispielsweise die Schwerpunktbildung in den Häusern: „Jede Abteilung steht auf dem Prüfstand.” Bislang werden die wichtigsten Disziplinen an jedem der fünf Kabeg-Standorte vorgehalten. Das Kabeg-Management und die Politik aber sind sich einig: Um Synergieeffekte zu heben, soll beispielsweise die Mammachirurgie an nur noch einem Standort angeboten werden. Ein anderes Beispiel sind die nicht-medizinischen Dienstleistungen der Kabeg. „Bislang gibt es keine Organschaften oder outgesourcten Dienstleistungen”, berichtet Manegold. Die Kabeg leiste sich sogar noch eigene Gewerke wie 20 Maler, etliche Maurer und Klempner sowie einen hauseigenen Reinigungsdienst mit einer Fehlquote von bis zu 40 Prozent. In ihrer Analyse kommt Manegold zu dem Schluss, dass allein beim Personal ein Einsparpotenzial für die Kabeg von 20 Millionen Euro besteht. „Die Putzfrauen sollen sich jetzt selbst reorganisieren und Vorschläge machen, wie sie ihre Produktivität steigern können”, lautet ein Auftrag Manegolds an die Belegschaft.

Diese Maßnahmen sind bei den Beschäftigten und der Bevölkerung alles andere als populär, angesichts des Riesendefizits gleichwohl unverzichtbar. Manegold hat aber im Rahmen der Gesetzgebung noch ein anderes heißes Eisen angefasst. Sie hat die Drittelparität an jedem Kabeg-Standort aufgehoben. Jedes einzelne Haus – sei es auch noch so klein – hatte einen Ärztlichen-, einen Pflege- und einen Kaufmännischen Direktor. Jetzt gibt es nur noch ein Spitzenamt pro Haus, die sogenannten Betriebsdirektoren. Zehn Mitarbeiter haben damit an Macht und Einfluss verloren. „15 an Gesamtmacht”, wie sie freimütig bekennt. Dennoch, so Scheuch, funktionierten die Standorte Villach, Wolfsberg, Laas und Gailtal reibungslos. „Widerstände gibt es nur in Klagenfurt.” Betriebsratschef Auer weiß Gründe dafür: Der Stellenabbau von 98 Vollzeitkräften schafft Verdruss in der Belegschaft. Brüskiert bemerkt Auer: „In der Kabeg gehen nicht knapp 100 Leute jeden Tag spazieren. Das Management hält sich an Planungszahlen fest, die nichts mit der Realität zu tun haben.” Manegold hält dagegen: „Bei den 515 ärztlichen Vollzeitstellen in Klagenfurt liegt das Klinikum derzeit mit 6 Kräften über dem Stellenplan.” Ziel sei im nächsten Jahr der Abbau von 14,5 ärztlichen Stellen und 24 Pflegekräften von jetzt 1.257. Zwei Drittel der vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter in Klagenfurt sitzen in der Verwaltung oder beispielsweise beim Betriebspersonal.

Die Meldungen über geplante Restrukturierungen beim Klinikpersonal verdrängen völlig eine gute Nachricht für Kabeg-Mitarbeiter und die Kärntner Bevölkerung. Die Landeshauptstadt Klagenfurt kann sich über einen Krankenhausneubau freuen, laut Kärntner Regierungsprogramm einen „der modernsten Europas”. 360 Millionen Euro hat der neue Standort gekostet. Der Neubau soll, so Manegold, Effizienzreserven und Synergien zwischen dem Krankenhausstandort Klagenfurt und den kleineren Einrichtungen heben helfen. Eine Riesenherausforderung für die Managerin, die ihren Finanzsachverstand unter anderem bislang eher in den Dienst deutscher Universitätskliniken gestellt hat. „Sie hat gezeigt, dass sie ein Großklinikum leiten kann”, lobt Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender der Universitätsklinik Köln seine ehemalige Mitarbeiterin. Manegold war in Köln zunächst Finanzdezernentin, dann interimsmäßig Kaufmännische Direktorin. Der Etat der Uniklinik lag damals bei knapp unter 500 Millionen Euro. „Es ist keine Führungslücke eingetreten.” Sie habe damals in Köln eine Stärkung der internen Revision und Kontrolle sowie eine Professionalisierung im Finanzwesen und das Bestellwesen auf Vordermann gebracht. „Einer ihrer Berichte über die Außenstände des UK Köln wies 40 bis 50 Verbesserungsvorschläge auf, was eine Erhöhung unserer Liquidität und Reduzierung der Forderungsreichweite zur Folge hatte”, so Schömig. Eine Headhunterin weiß zu berichten: „Manegold versteht die Zahlen bis auf die dritte Stelle hinter dem Komma.” Trotz der guten Leistung musste sie den Posten räumen, er war schon einem anderem Kollegen vorbehalten. Sie wurde auf Empfehlung Schömigs Kaufmännische Direktorin an der Universitätsklinik Düsseldorf und hielt sich ungewöhnlich lange auf diesem heißen Stuhl, wurde jedoch dann wie viele schon vor ihr auch entlassen.

Die Österreicher haben die deutsche Finanzexpertin mit Kusshand genommen. Aber wie kommen sie mit ihr klar? Ihre deutsche Geradlinigkeit könne Probleme bereiten, antwortet sie. Kurt Scheuch, der als einer der maßgeblichen Wegbereiter des neuen Kabeg-Kurses gilt, findet ein anderes Prädikat. „Ines Manegold ist eine mutige Frau. Sie hat hier in Kärnten einen Notpatienten übernommen und bekommt die Prügel für Fehler, die weit vor ihrer Zeit gemacht wurden. Zum Beispiel für 74.000 aufgelaufene Überstunden aus den vergangenen 20 Jahren, als die SPÖ in der Regierungsverantwortung war.”

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Kommentare (4)

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  1. no na net

    21.12.2010, 22:50 Uhr

    Schön, dass ihr einen bezahlten Artikel der FPKK einstellt.
    Lieb geschrieben, schlecht recherchiert.
    Schaut doch mal in die Lokalpresse, das konterkariert einen Artikel wie diesen hier doch einigermaßen heftig.
    Das Mädel mag ja durchaus gut (gewesen) sein, aber hier in Kärnten laufen die Uhren halt anders, wahrscheinlich muss sie eben auf Zuruf ihrer Herren arbeiten.

  2. no na net Nachtrag

    21.12.2010, 22:59 Uhr

    siehe http://www.kleinezeitung.at/kaernten/kabeg/2602597/manegold-mentor-tauchte-ab.story

    jetzt bin ich ein "Fremdschämer"

  3. ein weiteres part of the game

    21.12.2010, 23:09 Uhr

    http://www.kma-online.de/nachrichten/namen___nachrichten/id__18883___view.html

    ???????

    Kommentare?
    von mir nit ;-))))
    peinlich, peinlich......

  4. Inge Mangold

    30.12.2010, 09:23 Uhr

    Ich bin immer wieder überrascht, dass soviele auf Frau Mangold reinfallen. Überall nur kurze Zeit überlebt. Das liegt meist nicht nur an den bösen Klinikträgern, sonderen vorallem an der Vorständin. Reflexion würde ihr gut tun. So wie sie in Kärten vorgeht, überlebt sie da auch nicht lang. Sanierung geht auch anders! Erfolgreiche Manager haben eine längere Überlebenszeit als 1-2 Jahren.

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