Bernhard Ziegler ist Geschäftsführer des Klinikums Itzehoe. Chef, um genau zu sein. Und als solcher muss er wissen, was er zu tun hat. Das fällt ihm wie so vielen anderen Klinikchefs nicht immer leicht. Deshalb freut sich Ziegler auf jeden Montag, wenn er sich in sein Büro zu einer Videokonferenz zurückziehen und mit seinen fünf Kollegen aus Schleswig-Holstein beratschlagen kann. "Wir sind einander Berater und Ideengeber. Mediziner machen so etwas ja schon lange - warum sollen wir es nicht auch tun?" Die Geschäftsführer vertrauen einander: Seit zehn Jahren kooperieren sie unter dem Namen 5K-Klinikverbund Schleswig-Holstein miteinander - oder besser unter dem Namen 6K, denn im September ist das sechste kommunale Krankenhaus hinzugekommen, das Städtische Klinikum Kiel. "Die Vorteile der Videokonferenz sind größer als die Nachteile durch eventuelle Konkurrenz. Außerdem haben wir alle halbwegs abgegrenzte Einzugsgebiete", erzählt Ziegler, der seit kurzem auch Vorsitzender des Interessenverbandes kommunaler Krankenhäuser ist.
Wöchentlich eine gemeinsame Videokonferenz
Es gibt inzwischen zahlreiche Klinikkooperationen, doch die Videokonferenz scheint eine Besonderheit. "Der Begriff Kooperationen ist sehr weich. Man muss genau schauen, was dahinter steckt: Geht es um den gemeinsamen Einkauf oder ein gemeinsames Benchmarking? Das ist nichts Herausragendes. Mit gemeinsamen Videokonferenzen aber geht eine Kooperation sehr weit", meint Frank Schmitz, der beim Beratungsunternehmen Wieselhuber und Partner den Gesundheitsbereich betreut und sich in einer Studie mit dem Thema Klinikkooperation beschäftigt hat. Was Schmitz an den 6K aber fast noch ungewöhnlicher findet als die Videokonferenz, ist ihre Zusammenarbeit bei der Weiterbildung. Durch die Kooperation auf diesem Gebiet kann jede der sechs Kliniken ihren Assistenzärzten ein breiteres Ausbildungsspektrum bieten, was sie als Arbeitgeber attraktiver macht. Diese Zusammenarbeit hat sich so sehr bewährt, dass die 6K jetzt sogar gemeinsame Curricula für die Weiterbildung entwickeln. "Das ist sicherlich sinnvoll. Doch gleichzeitig geht es hier ans medizinische Kerngeschäft, und das macht jedes Kooperationsmitglied auch verletzbarer", meint Schmitz. "Es gibt viele Chefärzte, die sich selbst der Nächste sind, und man muss sich fragen, wie groß die Gefahr ist, dass einer von ihnen einem begnadeten Assistenzarzt aus einem anderen Hause ein unmoralisches Angebot macht. Man braucht deshalb ein Steuerungsinstrument für die vielen verschiedenen Einzelinteressen." Rein auf Vertrauensbasis und ohne "gesellschaftsrechtliche Komponente", etwa durch den Austausch von Anteilen oder den Kauf des einen Klinikums durch das andere, sei eine Zusammenarbeit bei der Weiterbildung kaum möglich, glaubt der Berater.
Ehrenkodex schützt vor Abwerben von Ärzten
Eine gesellschaftsrechtliche Komponente - genau dafür hat sich die Klinik Kompetenz Bayern entschieden. Sie ist neben den 6K eine der wenigen Kooperationen in Deutschland, die auch im medizinischen Kerngeschäft zusammenarbeitet und agiert seit Januar dieses Jahres als eingetragene Genossenschaft. Dem freiwilligen Verbund haben sich zehn Träger mit 25 kommunalen und freigemeinnützigen Kliniken in Bayern angeschlossen, die zusammen auf gut 4.315 Betten kommen. "Wegen unserer Größe können wir Dinge umsetzen, die sich sonst fast nur die großen privaten Klinikketten leisten können - wie einen hochkarätigen Revisor, Einkaufsvorteile bei Investitionsmitteln wie Ultraschallgeräte und günstige Rahmenverträge bei Dienstleistern", erzählt Josef Götz, Chef der Kliniken Nordoberpfalz AG. Auch die Klinik Kompetenz Bayern arbeitet bei der Weiterbildung zusammen und entwirft jetzt sogar ein gemeinsames Personalentwicklungskonzept für den ärztlichen Bereich. Gegen das gegenseitige Abwerben von Mitarbeitern hat die bayerische Kooperation Vorsorge getroffen: In ihre Satzung ist ein Ehrenkodex integriert, der das Abwerben von externen Mitarbeitern und das Locken durch spezielle Zuwendungen untersagt.
Solche Kodexe werden in nächster Zeit sicherlich immer notwendiger, denn Schmitz ist überzeugt: Ohne verbindliche Kooperationen, die auch das Kerngeschäft betreffen, geht es nicht mehr. Das betrifft Kliniken, die wie die der 6K in dünn besiedelten Regionen liegen und wenig Konkurrenz haben; noch mehr aber Krankenhäuser in Ballungsgebieten mit medizinischem Überangebot. Sie müssten ihre Leistungen noch viel mehr aufeinander abstimmen, meint Schmitz, um ihre Effizienzen und Fallzahlen zu steigern. "Eine solche Abstimmung aber kann dazu führen, dass es am Ende auch um Fragen der Weiterbildung geht. Und diese muss ich regeln. Tue ich das nicht, bekomme ich Probleme."


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