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KlinikmanagementSollten Mediziner oder Ökonomen Krankenhäuser leiten?

Mediziner stehen nicht immer für bessere Behandlungsqualität

In Übereinstimmung zu der bestehenden Evidenz zeigt die Untersuchung, dass Krankenhäuser mit Medizinern als Geschäftsführer eine höhere Ergebnisqualität haben, zum Beispiel in Form niedrigerer Mortalitätsraten bei Pneumonien. Darüber hinaus wurden Qualitätsindikatoren erfasst, die sich nicht auf „harte“ Endpunkte wie Mortalität beziehen, aber dennoch patientenrelevant sind, wie die Beweglichkeit von Knie- und Hüftgelenken nach endoprothetischem Ersatz. Hier erzielen von Ökonomen geführte Kliniken bessere Ergebnisse. Dies kann etwa damit erklärt werden, dass in diesen Bereichen in der Regel ein wissenschaftlicher Konsens über idealtypische Therapieabläufe besteht, deren Einhaltung mittels produktionswirtschaftlicher Methoden sicherzustellen ist.

Zufriedene Patienten durch medizinisch ausgebildete Klinikleiter

Ein sehr starkes Resultat zeigt sich in Bezug auf die Zufriedenheit der Patienten mit ihrer Behandlung. Im Vergleich ist diese in von Medizinern geleiteten Einrichtungen deutlich höher, trotz der teils nachteiligen Ergebnisse bei der Behandlungsqualität. Auch an dieser Stelle bleibt zu klären, welche Wirkungsmechanismen diesen Effekten zu Grunde liegen. So wird etwa argumentiert, dass klinische Mitarbeiter ihre Werte und Ziele eher durch medizinisch ausgebildete Führungskräfte vertreten sehen. Die infolgedessen steigende Mitarbeiterzufriedenheit wird ebenfalls von den Patienten wahrgenommen.

Fazit und Ausblick

Bisher haben empirische Untersuchungen gezeigt, dass Krankenhäuser mit Medizinern in der Geschäftsführung eine bessere Behandlungsqualität erzielen. Insbesondere aufgrund der zunehmenden Verbreitung qualitätsbasierter Vergütungssysteme scheint damit ein starkes Argument für mehr medizinische Expertise im Top- Management von Kliniken vorzuliegen. Die vorliegende Untersuchung macht aber auch deutlich, dass in Einrichtungen mit medizinisch ausgebildeten Geschäftsführern nicht uneingeschränkt bessere Versorgung stattfindet. So bestehen etwa Nachteile im Bereich der Prozessqualität. Ferner kann keine der existierenden Studien den Nachweis kausaler Effekte erbringen, auch wenn die Theorie starke Hinweise darauf liefert. So könnten Ökonomen eher geneigt sein, in Krankenhäusern tätig zu werden, die wirtschaftlich besser aufgestellt sind, während Ärzte sich eher von einem Umfeld angesprochen fühlen, das die Patientenzufriedenheit erhöht. Erwartungsgemäß kann demnach die Frage nach der optimalen Ausbildungsart nicht eindeutig beantwortet werden. Zu klären ist insbesondere, inwieweit ein geeignetes Doppelstudium („Mediziner-MBA“) die beste Ausgangsqualifikation bietet, sofern die notwendigen Kompetenzen vermittelt werden. Auch muss stärker ausgeleuchtet werden, wie Führungsteams, die Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen einbringen, zur Optimierung des Gesamtergebnisses beitragen können.

Erschienen in kma 7-8/20  Jetzt kaufen!


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