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KlinikmanagementSollten Mediziner oder Ökonomen Krankenhäuser leiten?

Ökonomen haben die Klinik-Finanzen im Blick, Mediziner das Wohl der Patienten – so lautet eine weitverbreitete Sichtweise. Doch wer ist besser geeignet, ein Krankenhaus zu leiten?

Geschäftsführung
opolja (l.) und goodluz (r.) /stock.adobe.com

Symbolfoto

Spätestens mit Inkrafttreten des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) wurde deutlich: Der Gesetzgeber will die Behandlungsqualität in deutschen Krankenhäusern stärker in den Fokus nehmen. Zukünftig soll es bei außerordentlich guter oder unzureichender Qualität finanzielle Zu- oder Abschläge bei der Vergütung geben. Krankenhäuser müssen sich folglich mehr in Richtung Qualität und Patientennutzen bewegen – und trotzdem weiterhin möglichst effizient arbeiten. Der personellen Besetzung der Geschäftsführung kommt hierbei eine zentrale Bedeutung zu. Verschiedenen empirischen Arbeiten folgend können sie durch ihre Stellung und ihr Handeln rund 30 Prozent des Unternehmenserfolgs beeinflussen.

Hohe Erwartungen gegenüber Medizinern

Vor diesem Hintergrund wird regelmäßig der Vorschlag geäußert, Top- Management- Positionen im Krankenhaus verstärkt mit Medizinern zu besetzen – den Experten der Kernleistung. Die Annahme lautet, dass medizinisch ausgebildete Geschäftsführer einen positiven Einfluss auf die Behandlungsqualität ausüben, etwa aufgrund ihrer klinischen Expertise, einer stärker patientenzentrierten Sichtweise und höherem Vertrauen seitens der Mitarbeiter.

Ähnliche Entwicklungen lassen sich in anderen Branchen beobachten. So werden ChemieKonzerne häufig von Naturwissenschaftlern und Fußball-Clubs von ehemaligen Spielern geführt. Auch hier wird argumentiert, dass Unternehmensleiter das zugrunde liegende Geschäft beherrschen müssen. Ungeachtet dieser positiven Wahrnehmung liegt der Anteil medizinisch ausgebildeter Krankenhausleiter national wie international allerdings weiterhin unter fünf Prozent. Der überwiegende Teil besitzt eine akademische Ausbildung im Bereich der Wirtschaftswissenschaften.

Die Evidenz ist eingeschränkt

Bereits mehrfach wurde der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Mediziner im Top-Management von Krankenhäusern auf deren Leistung haben. Hierbei zeichnet sich tatsächlich ab, dass ärztliches Engagement mit besserer Behandlungsqualität einhergeht. Wie sich der wirtschaftliche Erfolg verändert, war hingegen bislang nur selten Gegenstand von Untersuchungen; die Evidenzlage ist dementsprechend eingeschränkt. Eine gleichzeitige Bewertung der medizinischen und finanziellen Leistung von Krankhäusern, wie es Michael Porter in seinem Value Framework fordert, erfolgt kaum.

Erstmalig sind deshalb Gesundheitsökonomen der Universität Bayreuth der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die Ausbildungsart von Geschäftsführern auf die Behandlungsqualität und den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Krankenhäuser hat (Erfassungsjahr 2016). Mit 370 Einrichtungen beinhaltet die Untersuchung die weltweit größte Stichprobe für ein einzelnes Land. Erfasst wurden sowohl Indikatoren der Prozessund Ergebnis qualität als auch die Patientenzufriedenheit und die finanzielle Leistung. Dieses breite Spektrum erlaubt es, ein deutlich differenzierteres Bild der Versorgungssituation zu zeichnen, als es bislang möglich war.

Ökonomen erzielen höheren wirtschaftlichen Erfolg

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Krankenhäuser mit Ökonomen in der Geschäftsführung eine bessere finanzielle Leistung erreichen, ausgedrückt durch höhere Gewinnspannen. Die Annahme in der Literatur lautet, dass diese Vorteilhaftigkeit unter anderem aus einer vergleichsweise besseren Vermittlung konzeptioneller Kompetenzen innerhalb der akademischen Ausbildung resultiert. Hierzu gehören etwa die strategische und ganzheitliche Entscheidungsfindung. So kann der Expertenstatus von Medizinern sie dabei einschränken, eine ausgewogene Zielgewichtung im Spannungsfeld von Behandlungsqualität und Kosten zu erreichen.

Weiter zeichnen sich nachteilige Ergebnisse im Bereich der Prozessorganisation in von Medizinern geleiteten Einrichtungen ab. Dies äußert sich in längeren präoperativen Wartezeiten bei chirurgischen Eingriffen oder einer weniger rigorosen Umsetzung medizinischer Leitlinien, beispielsweise im Bereich der Mobilisierung von Patienten mit Pneumonien. Wie schon frühere Studien dargelegt haben, führen diese Faktoren nicht zwingend zu schlechterer Ergebnisqualität. Sie weisen jedoch auf ineffiziente oder inkonsistente Abläufe hin, die höhere Behandlungskosten zur Folge haben können.

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