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Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist entscheidender Faktor für angehende Ärzte

Im Rahmen des „Berufsmonitorings Medizinstudierende“ gaben gut 13 000 Nachwuchsmediziner an, was sie von ihrer beruflichen Zukunft und den Arbeitsbedingungen erwarten. Ein wichtiger Faktor: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Frau mit Doktorhut

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Doktorhut

95 Prozent der befragten Studierenden nannten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als entscheidenden Faktor für die Wahl ihres späteren Arbeitsplatzes. In eigener Praxis wären gerne 53,5 Prozent tätig. Der Trend geht allerdings eher zur Gemeinschaftspraxis (50,6 Prozent) und weg von der Einzelpraxis. Nur 4,7 Prozent würden sich ausschließlich für Letztere entscheiden. 42,6 Prozent können sich immerhin beides vorstellen. Die Allgemeinmedizin und damit eine spätere hausärztliche Tätigkeit haben an Attraktivität gewonnen. 42,5 Prozent der Befragten können sich eine Niederlassung als Hausärztin oder Hausarzt vorstellen, das sind mehr als in den Vorjahren.  

„Wichtig für junge Ärztinnen und Ärzte ist und bleibt der Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Daraus ergeben sich auch Erwartungen an die Arbeitsbedingungen – Arbeitszeiten sollen idealerweise geregelt, aber gleichzeitig flexibel sein“, griff Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), ein Ergebnis der Befragung auf. „Das sind nachvollziehbare Wünsche, von denen ein Großteil der Befragten allerdings annimmt, dass sie mit einer selbständigen Tätigkeit in der ambulanten Versorgung nicht vereinbar seien. Das ist jedoch falsch!“, so Gassen weiter.  

„Viele der angehenden Ärzte setzen die Niederlassung immer noch eins zu eins mit der selbstständig geführten Einzelpraxis gleich. Dieses Bild ist jedoch längst überholt. Der ambulante Sektor bietet alle Optionen, welche die Studierenden sich für ihre berufliche Zukunft wünschen. Ob Anstellung, Job-Sharing, Einzel- oder Gemeinschaftspraxis, Stadt oder Land, lokal oder standortübergreifend – kein anderer Bereich bietet so viele Möglichkeiten für Ärzte, sich beruflich zu verwirklichen und gleichzeitig ihre privaten Bedürfnisse, je nach Lebensabschnitt, zu berücksichtigen. Keine Art der Berufsausübung ist inhaltlich und gestalterisch freier als die Selbständigkeit. Das zu vermitteln, darin liegt die große Herausforderung“, betonte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Stephan Hofmeister.

Eine selbstbewusste Generation, die weiß, was sie möchte

„Am Beispiel der gestiegenen Attraktivität der Allgemeinmedizin lässt sich erkennen, dass Initiativen wie der Ausbau der ambulanten Weiterbildung, aber auch ein frühzeitiger und besserer Einblick in das Hausarzt-Dasein Früchte tragen. Das sollte uns als Vorbild dienen, die Aus- und Weiterbildung in der Medizin auch im fachärztlichen Bereich weiter zu ambulantisieren“, ergänzte Hofmeister.  

„Wir haben es mit einer selbstbewussten Generation zu tun, die weiß, was sie möchte und die freie Wahl hat, wo und wie sie arbeiten will“, sagte KBV-Chef Gassen. „Wichtig ist aber auch: Unser ambulantes System funktioniert nicht ohne die selbstständigen Ärzte in eigener Praxis – schon gar nicht, solange die Politik den Versicherten ein unbegrenztes Leistungsversprechen macht“, so Gassen weiter. Deshalb sei sie gut beraten, den Nachwuchs nicht mit immer neuen gesetzlichen Vorgaben zusätzlich von einer Niederlassung abzuschrecken: „Die inhabergeführte Praxis darf kein Auslaufmodell werden“, betonte Gassen.   Die befragten Studierenden gaben an, dass vor allem die Bürokratie in der Praxis (62,3 Prozent) sowie das hohe finanzielle Risiko (57,4 Prozent) sie von einer Niederlassung abhalten würden. Auch die Angst vor Regressforderungen ist nach wie vor ein wichtiger Faktor (46,7 Prozent).

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